Peking: Chinas Elite wickelt Geschäfte über Steueroasen ab

Peking : Chinas Elite wickelt Geschäfte über Steueroasen ab

Angeblich sind auch Verwandte bekannter Politiker betroffen. Die Führung in Peking weist die Vorwürfe zurück.

Chinas Machtelite wickelt angeblich heimlich und in großem Stil Geschäfte über Steueroasen ab. Die Enthüllungen stützen sich auf bisher vertrauliche Unterlagen, den "Offshore-Leaks"-Daten, die in Deutschland der "Süddeutschen Zeitung" und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) vorliegen. Demnach steuern auch nahe Verwandte wichtiger Politiker Transaktionen über anonyme Briefkastenfirmen in der Karibik oder im Pazifik. Die chinesische Regierung wies die Berichte ausländischer Medien zurück. Die in europäischen und amerikanischen Zeitungen veröffentlichten Artikel seien unlogisch und verfolgten dunkle Motive, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Zeitgleich blockierte die chinesische Zensur Internet-Seiten, auf denen der Vorgang thematisiert wurde.

In den Dokumenten, um die es in den Berichten geht, tauchen neben dem Schwager von Staats- und Parteichef Xi Jinping auch der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn von Ex-Ministerpräsident Wen Jiabao auf. Der Name der Tochter des früheren Premiers Li Peng steht demnach ebenso in den Unterlagen wie der Name eines Neffen zweiten Grades des bisherigen Staatschefs Hu Jintao. Selbst der Name eines Schwiegersohnes des einstigen Reformers Deng Xiaoping findet sich in den Papieren. Mitglieder des Parlaments seien ebenso aufgelistet wie superreiche Unternehmer sowie Führungskräfte von Staatsunternehmen, die in Korruptionsskandale verwickelt gewesen seien, hieß es.

Die Erkenntnisse basieren offenbar auf 260 Gigabyte mit Informationen über 122 000 Briefkastenfirmen und Trusts aus Steueroasen wie den Jungferninseln, den Cook-Inseln und Samoa. Die Datensätze hatte ein anonymer Informant vor zwei Jahren dem Konsortium zugespielt. Die Veröffentlichungen der Offshore-Leaks begannen im April 2013. Sie führten weltweit zu Ermittlungen und Rücktritten von Bankern und Politikern. In den Datensätzen werden 130 000 Personen genannt, von denen jeder Vierte einen chinesischen Namen trägt. Die Unterlagen dokumentieren angeblich auch, dass westliche Banken chinesischen Kunden geholfen hätten, "verborgene Strukturen in Steueroasen zu errichten". Genannt wurde auch die Deutsche Bank. Das Unternehmen erklärte dazu: "Die Deutsche Bank bietet vermögenden Privatkunden weltweit Bankdienstleistungen an auf der Grundlage, dass die Kunden ihre Steuerangelegenheiten voll umfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen."

(dpa/rtr)
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