Itzehoe/Düsseldorf: Windparkbetreiber Prokon meldet Insolvenz an

Itzehoe/Düsseldorf : Windparkbetreiber Prokon meldet Insolvenz an

Rund 75 000 Anleger werden ihr Geld wohl nur zum Teil wiedersehen. Es geht um 1,4 Milliarden Euro und 1300 Arbeitsplätze.

Der Windparkbetreiber Prokon ist pleite. Das Unternehmen aus Itzehoe bei Hamburg bestätigte gestern, Insolvenzantrag gestellt zu haben. "Das bedeutet allerdings keineswegs das Aus für Prokon", behauptet die Firma in einem auf der Internet-Seite veröffentlichten Schreiben an die "lieben Genussrechtsinhaber".

Bei Prokon haben gut 75 000 Anleger insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten angelegt. Als Eigenkapitalgeber müssen sie sich in der Insolvenz hinten anstellen und dürften einen großen Teil ihres Einsatzes verlieren. Davor schützt sie auch eine Kündigung nicht.

Ein Ultimatum von Firmengründer Carsten Rodbertus an die Anteilseigner, ihr Geld nicht aus dem klammen Unternehmen abzuziehen, war am Montag gescheitert. Knapp zwei Drittel stimmten ab, doch nur 54 Prozent statt der geforderten 95 Prozent der Anleger wollten Prokon zusichern, ihr Geld für weitere Monate investiert zu lassen.

Trotzdem gab sich das Unternehmen gestern optimistisch: "Wir sind nach wie vor operativ gut aufgestellt und sind zuversichtlich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überstehen werden", hieß es in dem offenen Brief an die eigenen Anleger. "Parallel werden wir unter Einbeziehung der Anregungen unserer Genussrechtsinhaber das Geschäftsmodell anpassen. (...) Uns ist klar, dass es Zeit ist, etwas zu verändern!" Der Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, der vom Amtsgericht Itzehoe zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, wollte sich zunächst nicht äußern. Er ist auf erneuerbare Energien spezialisiert.

Rodbertus hatte den Anlegern offen mit Insolvenz bis Ende Januar gedroht. Dem Unternehmen drohe das Geld auszugehen, weil sich die Kündigungen häuften. Bis Ende der vergangenen Woche summierten sich die Auszahlungen auf über 200 Millionen Euro, nachdem 2013 schon 130 Millionen Euro ausgezahlt worden seien. Rodbertus drohte, bei einer Insolvenz müsse Prokon "mit dem Rücken zur Wand" womöglich seine Windparks und Vermögen unter Wert verkaufen.

Bei Verbraucherschützern stand das Geschäftsmodell seit langem in der Kritik. Aus einer "Zwischenbilanz" geht hervor, dass bei Prokon bis Ende Oktober insgesamt 210 Millionen Euro Verluste aufgelaufen sind, während an die Anleger 330 Millionen Euro Zinsen gezahlt wurden – im Schnitt acht Prozent pro Jahr. Allein von Januar bis Oktober 2013 wurden danach 67 Millionen Euro Zinsen gezahlt. Das ist das Doppelte des operativen Gewinns (Ebitda).

Rodbertus hatte Prokon 1995 gegründet. Das Unternehmen mit mehr als 1300 Mitarbeitern betreibt nach eigenen Angaben gut 50 Windparks mit 314 installierten Windkraftanlagen in Deutschland und Polen. Weitere seien im Bau. Zudem finanziert Prokon ein Sägewerk.

(rtr)
Mehr von RP ONLINE