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WM 2018: Schweden werfen DFB-Profis „ekelhaftes Verhalten“ vor

Jetzt ermittelt die Fifa : Tumulte nach Last-Minute-Tor - Schweden werfen DFB „ekelhaftes Verhalten“ vor

Die Schweden haben nach dem bitteren 1:2 (1:0) im zweiten Gruppenspiel der WM in Russland verärgert auf den Jubel der deutschen Weltmeister reagiert. Der DFB entschuldigte sich noch am Abend. Ein Video zeigt, dass es sogar zu Handgreiflichkeiten kam.

Die Schweden schäumten vor Wut. "Das war Mangel an Respekt, ein ekelhaftes Verhalten!", schimpfte Leipzigs Mittelfeldstar Emil Forsberg im schwedischen Fernsehen. Und auch Trainer Janne Andersson geißelte die hämischen Gesten der deutschen Bank als "nicht korrekt. Man sollte den Gegner, mit dem man 95 Minuten gefightet hat, nicht so verhöhnen. Das ist echt schwach."

Selbst die prompte Entschuldigung von Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff ("Die Gefühle und Emotionen sind ein bisschen übergeschwappt") konnte die Wogen bei den zornigen Skandinaviern nach dem dramatischen 1:2 gegen den Weltmeister nicht glätten. Zu tief saß der Frust über den Last-Minute-Schock durch Toni Kroos (90.+5), zu groß war der Ärger über den nicht gegebenen Elfmeter in der ersten Halbzeit, zu grenzenlos die Wut über die Faxen einiger DFB-Mitarbeiter, die das Fass mit ihren Provokationen vor der schwedischen Bank nach Schlusspfiff zum Überlaufen gebracht hatten.

Tief in der Nacht, Forsberg und Co. hatten die verschwitzten Trikots längst gegen dunkelblaue Anzüge, Hemden und Krawatten getauscht, war der Ärger noch immer nicht verraucht. "Das hätte ich von den Deutschen nicht erwartet", sagte Keeper Robin Olsen und legte nach: "Ich scheiße da komplett drauf, ob er (Bierhoff, Anm. d. Red.) früher mal ein großer Spieler war oder nicht. Man verliert mit Respekt, und man gewinnt mit Respekt. Die ältere Generation der deutschen Spieler glaubt immer noch, dass sie die Größten, Besten und Schönsten sind."

Zumindest Forsberg akzeptierte die späte Reue der deutschen Delegation, auch wenn er das Verhalten nochmals als "nicht okay" tadelte. Direkt nach dem Schlusspfiff waren Mitarbeiter des DFB-Stabs auf das Spielfeld gestürmt, hatten vor der schwedischen Bank wild gejubelt und damit ein Handgemenge ausgelöst. Die schwedischen Zeitungen überschlugen sich am Sonntag mit Schlagzeilen dazu. Die Fifa hat Ermittlungen gegen die DFB-Mitarbeiter aufgenommen.

Und doch bleibt für die tapferen Schweden unterm Strich nur ein "deutscher Schlag auf den Solarplexus" (Expressen). All die Euphorie, die nach dem Auftaktsieg gegen Südkorea (1:0) herrschte, war nach dem Kroos-K.o. in der fünften Minute der Nachspielzeit erst einmal dahin. "Es tut weh, richtig weh. Wir haben es 94 Minuten lang sehr gut gemacht, wir haben gekämpft, wir haben alles gegeben und alles gemacht", sagte Forsberg mit trauriger Stimme, "und dann..."

In Schweden schlug die Depression ob der späten Niederlage teilweise in blanken Hass um. Zur Zielscheibe widerlicher Kritik wurde Einwechselspieler Jimmy Durmaz, der Timo Werner vor dem entscheidenden Freistoß an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht hatte. Der Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln erhielt dafür in den Sozialen Netzwerken sogar Morddrohungen. Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven sagte dazu am Sonntag im Fernsehen: "Das ist so erbärmlich."

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Seine Teamkollegen stellten sich wie eine Wand hinter den 29-Jährigen. Mit dem Ruf "Fuck Racism" beendeten sie am Sonntag vor Trainings-Zuschauern und Journalisten eine spektakuläre Aktion, die mit einer emotionalen Stellungnahme von Durmaz begonnen hatte. Der Verband kündigte am Sonntag eine Strafanzeige an. "Wir dulden es nicht, dass ein Spieler Bedrohungen und Verletzungen ausgesetzt ist", begründete Generalsekretär Hakan Sjöstrand.

Offensivmann Forsberg versuchte inmitten all der aufgeheizten Gemüter schließlich, den Blick irgendwie nach vorn zu richten. "Jetzt wollen wir den Kopf hochnehmen und Mexiko schlagen. Wir müssen gewinnen", sagte Forsberg. Tatsächlich garantiert den Schweden nur ein Sieg mit zwei Toren Unterschied das Weiterkommen. Bei einem Remis müsste Deutschland schon gegen Südkorea verlieren - doch an ein solches Szenario glaubt Forsberg nicht: "Sie gehören immer noch zu den Titelfavoriten. Wenn sie Bock haben zu spielen, dann sind sie gut."

(old/sid)