Fortuna Düsseldorf: Fortuna entlässt Büskens — und hat noch viel Arbeit

Fortuna Düsseldorf: Fortuna entlässt Büskens — und hat noch viel Arbeit

Als unten auf dem Trainingsgelände neben der Esprit-Arena seine Mannschaft ihre Morgeneinheit am Samstag absolvierte, musste Mike Büskens vier Stockwerke höher in den Fortuna-Büros seine letzte Pflicht als Fortuna-Trainer erfüllen.

Während Torwartcoach Oliver Reck und Co-Trainer Uwe Klein das Auslaufen nach dem Karlsruhe-Spiel organisierten, saß der 45-Jährige mit dem Vorstand des Zweitligisten zusammen und hörte sich die Begründung für seine Beurlaubung an.

Die 0:2-Niederlage gegen Aufsteiger KSC brachte das Fass zum Überlaufen. Selbst diejenigen in der Fortuna-Führung, die bis zuletzt zum Chefcoach gestanden und an sein Konzept geglaubt hatten, hatten nun keine Argumente mehr in der Hand. Zwar hatte sich bis zum Führungstreffer der Gäste eine ganz andere Düsseldorfer Mannschaft präsentiert als zuletzt, ein Team, das mutig seine Chance suchte — nach dem 0:1 jedoch brach das fragile Gebilde wieder in sich zusammen.

"Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Mike Büskens hoch engagiert gearbeitet hat und sich voll mit Fortuna identifiziert", erklärt der Vorstandsvorsitzende Peter Frymuth, der dem Trainer gemeinsam mit Sportvorstand Wolf Werner schweren Herzens die Trennung mitteilen musste, unserer Redaktion. Nach dem 0:3 in Aue, das leistungsmäßig weit unterhalb der Darbietung gegen Karlsruhe gelegen habe, sei er jedoch nachdenklich geworden, und das Ergebnis vom Freitag habe die Überzeugung weiter sinken lassen, dass das Projekt Büskens und Fortuna noch zu einem guten Ende führen könne.

Reck und Klein als Interimslösung

Bis zur Winterpause werden nun wohl Reck und Klein interimsmäßig die Chefrolle übernehmen — in welcher Konstellation, ist noch nicht abschließend entschieden. "Viel wichtiger ist nun aber ohnehin, jetzt diejenigen in die Pflicht zu nehmen, die auf dem Platz Leistung erbringen müssen", betont Frymuth. "Da ist der Sport bei uns gefordert, Wolf Werner und bald auch der neue Sportvorstand Helmut Schulte. Das ist ein ganz klarer Arbeitsauftrag, die Dinge müssen jetzt vorangebracht werden."

Die wichtige Wahrheit hinter dieser Forderung: Mit der Beurlaubung von Mike Büskens sind Fortunas Probleme beileibe nicht gelöst. Jene Fans, die nun in ergreifender Naivität glauben, alles werde sich sofort zum Guten wenden, müssen schon bald mit einer bösen Ernüchterung rechnen. In der Mannschaft fehlt es an Führungsfiguren, die stress- und krisenresistent sind, und es bedarf fast schon einer Gehirnwäsche, um aus der verunsicherten Truppe wieder ein selbstbewusstes Team zu machen. Zudem muss sich die zerrissene Führung mit einem Vorstand, den Integrationsfigur Frymuth schon bald in Richtung DFB verlässt, und einem Aufsichtsrat, der zuletzt lediglich durch einen undurchsichtigen Zickzackkurs von sich reden machte, ganz schnell zusammenraufen, wenn sie der Mannschaft nicht weitere Alibis auf dem Silbertablett offerieren möchte.

Der steile Absturz in der Tabelle mit dem unerklärlichen Leistungsabfall innerhalb der Saison, die mit den passablen bis sehr guten Partien gegen Cottbus und in Köln gut begonnen hatte, hat den Entschluss zur Trennung von Mike Büskens nötig gemacht. Ihn jetzt zum Alleinschuldigen zu machen, wäre grotesk und dumm. In der Winterpause muss sich der Klub von einigen Spielern trennen, die entweder nie ihr Können zeigten oder immer schlechter wurden (Erwin Hoffer, Martin Latka), es müssen Führungsfiguren geholt oder aufgebaut werden.

Frymuth wird das nur noch vom DFB aus beobachten, doch egal wird ihm die Fortuna nie sein. "Im Moment bin ich persönlich sehr traurig, dass es nicht geklappt hat", sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende. "Ich frage mich ganz konkret: Was ist da passiert? Was hat zur Destabilisierung des Trainers geführt? Sie setzte schon früh ein, und so etwas haben wir bei Fortuna früher nie gekannt." Keine Frage: Der Verein hat viel mehr Probleme zu lösen als nur den Trainer zu entlassen.

(seeg)
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