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Zehn Jahre BVB-Aktie: Großaktionär Geske: "Ich bin kein Spekulant"

Zehn Jahre BVB-Aktie : Großaktionär Geske: "Ich bin kein Spekulant"

Dortmund (RP). Interview Bernd Geske, Großaktionär bei Bundesligist Borussia Dortmund, über den Kursverlust der Aktie, die vor zehn Jahren an die Börse gebracht wurde, und seine Treue zum Verein.

Herr Geske, sollen wir gleich knallhart ins Gespräch einsteigen?

Geske Dann sagen Sie mal, was Sie wollen.

Okay, also reden wir über den aktuellen Kurs der Aktie von Borussia Dortmund.

Geske Der liegt momentan um die 1,70 Euro. Wir lagen schon deutlich darunter, der Wert hat sich also entwickelt. Ich persönlich finde die Aktie immer noch unterbewertet.

Vor genau zehn Jahren ist die Borussia als bislang einziger Bundesligist an die Börse gegangen. Der Ausgabewert damals waren im Verhältnis zu heute stattliche elf Euro. Was ist seither schiefgelaufen?

Geske Sehen Sie, Fußball-Aktien sind ein sehr schwieriges Geschäft. Im Fußball gibt es immer gute Zeiten, schlechte Zeiten. Davon kann sich kein Verein lösen. Eine Aktie hat eigentlich nie wirklich Zeit, sich zu entwickeln, weil der Kurs immer ergebnisabhängig ist. Als Beispiel die Entwicklung rund um unser DFB-Pokalspiel in Offenbach. Vorher machte die Aktie wegen der guten Ergebnisse in der Bundesliga einen Sprung. Nach dem Ausscheiden knickte der Wert ein.

Welche Klubs sollten dennoch den Sprung an die Börse wagen?

Geske Als Aufsichtsrat von Borussia Dortmund ist das nicht meine Baustelle, über andere Vereine zu reden. Das müssen die Verantwortlichen der Vereine selbst entscheiden. Mir würden einige einfallen.

Sie sind der größte Einzelaktionär. Stolze 10,1 Prozent, 6,201909 Millionen Aktien, sind in Ihrem Besitz. Was reizt Sie an diesem Papier?

Geske Als Borussia Dortmund an die Börse gegangen ist, war ich hellauf begeistert. Dortmund ist mein Verein, ich bin seit Anfang der 90er-Jahre Fan, verpasse so gut wie kein Spiel. Ich bin nicht so sehr der Typ Anleger, dem es um Spekulationen geht. Ich komme aus einem Familienunternehmen und sehe mein Engagement beim BVB weniger als Wertanlage, mehr als eine Art unternehmerische Beteiligung. Es ist ein Ausdruck meines klaren Bekenntnisses zum Verein. Der Fußball steht dabei im Vordergrund. Ich bin gebürtiger Kölner, lebender Düsseldorfer und bekennender Dortmunder.

Was versprechen Sie sich?

Geske Ich bin Aufsichtsratsmitglied bei Borussia Dortmund, habe sehr engen und guten Kontakt zur Geschäftsführung. (Geske ist "strategischer Partner" des BVB, die Börsenaufsicht bezeichnet Aktionäre ab einer Beteiligung von zehn Prozent als strategischen Partner, Anm. d. Red).

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Sie haben Millionen verloren.

Geske Selbst bei den ganz großen Klubs wie Manchester United hat man gesehen, dass die Entwicklung einer Aktie trotz der Erfolge sehr schwierig ist. Deshalb muss man bei einer so hoch emittierten Aktie wie der des BVB mit Verlusten rechnen. Man muss aber auch sagen, mein Kerninvestment habe ich gemacht, da lag die Aktie nicht mehr bei elf Euro. Ich habe angefangen mit 5000 Aktien und aufgestockt, als der Kurs für mich als Anleger ein wenig attraktiver war.

Wie viel Geld von Bernd Geske steckt denn ganz konkret in Borussia Dortmund drin?

Geske Das ist eine sehr schwierige Frage. Aber Sie können ja gern den Kurs mit der Anzahl der Aktien, die ich Ihnen genannt habe, multiplizieren.

Trainer Jürgen Klopp muss künftig nicht fürchten, dass Sie ihm diktieren, wen er aufstellen soll?

Geske Niemals! Ich habe große menschliche und fachliche Hochachtung vor ihm. Er ist ein absoluter Profi. Ich bin Fan von Klopp und von Hans-Joachim Watzke, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung. Aufstellung ist Klopps Baustelle, da kennt er sich aus, und ich würde mich da niemals einmischen.

Andere Investoren haben das auch versichert, und plötzlich wollten Sie doch mitreden.

Geske Ich bestreite gar nicht, dass es solche Fälle gegeben hat. Ich habe eine ganz andere Intention. Ich bin kein Spekulant, ich bin Fan und eben auch Großaktionär. Und ich bin absoluter Befürworter der 50+1-Regel, nach der der Verein immer die Mehrheit hat.

Besonders kritisch sind Fans von Borussia Dortmund gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp.

Geske Da will ich mich eigentlich gar nicht äußern. Dortmund und Hoffenheim sind sehr unterschiedlich. Dietmar Hopp hat für Hoffenheim gespielt, hat in seinen Unternehmen viel Geld verdient, und er steckt eine Menge in die Vereine seiner Heimat. Dagegen ist nichts zu sagen. Hopp ist sicher ein ganz ehrenwerter Mann. Im Gegensatz zu ihm bewege ich mich nicht in der Öffentlichkeit.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundesliga 10/11: Dortmund - Hoffenheim

(RP)