Pierre-Emerick Aubameyang erzwingt Transfer: Macht der Fußball-Profis nimmt zu

Aubameyang erzwingt Wechsel: Die Macht der Fußballprofis nimmt zu

Pierre-Emerick Aubameyang wechselt zum FC Arsenal. Das steht seit dem "Deadline Day" fest. Der Stürmer hat seinen Arbeitgeber Borussia Dortmund so lange vorgeführt, bis dieser einknickte. Das Verhalten steht für den modernen Fußball.

Dass Arbeitsverträge zwischen Fußballklubs und Spielern eher als lose Vereinbarung angesehen werden, ist keine neue Entwicklung. Ein Fünf-Jahres-Vertrag wird nur noch in seltenen Fällen wirklich erfüllt. Zu schnelllebig ist das Profigeschäft. Immer häufiger kommt es aber mittlerweile vor, dass Spieler ihrem dringenden Wunsch nach beruflicher Veränderung mit fragwürdigen Methoden Nachdruck verleihen. Bei Borussia Dortmund führte Pierre-Emerick Aubameyang seinen Verein so lange mit Disziplinlosigkeiten vor, bis dieser schließlich einknickte und den Stürmer nun für eine stattliche Ablösesumme vom 63,75 Millionen Euro zum FC Arsenal nach London transferiert.

Was so klingt, als habe der Klub weiterhin das Heft des Handelns in der Hand, ist in Wahrheit die Dokumentation der Ohnmacht der Vereine. "Wir erleben keine neue, aber durchaus eine zunehmende Macht der Fußballprofis", sagt Martin Nolte, Professor für Sportrecht an der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das Fernbleiben von Teamsitzungen und rufschädigendes Verhalten generell stellen arbeitsrechtlich relevante Verstöße dar."

Bei Fehlverhalten könnten die Vereine Spieler sanktionieren. Eine Art Verhaltenskodex festzulegen, sei zwar ebenfalls denkbar. Laut Nolte ist aber fraglich, ob Arbeitsgerichte solche Klauseln für wirksam erklären würden. "Das Arbeitsrecht wirkt in Fällen wie bei Aubameyang gleichwohl wie ein stumpfes Schwert", sagt Nolte.

Deshalb könne man nur an die Vereine appellieren, sich vor einem Transfer gut zu überlegen, mit welchem Spieler man welches Risiko eingeht. "Dies gilt auch für den FC Arsenal. Ihm scheint das Risiko bei Aubameyang offenbar kalkulierbar." Der Gabuner wechselt trotz der Eskapaden der vergangenen Wochen nach London. Einziger Trost für den BVB: Der Transfer bringt den Borussen mehr als 60 Millionen Euro ein.

Erst im Sommer hatte Dortmund einen ähnlichen Fall zu bewältigen. Ousmane Dembélé lieferte die Blaupause für einen erstreikten Wechsel. Als der FC Barcelona Interesse am talentierten Flügelspieler bekundete, der BVB aber auf Einhaltung des Vertragsverhältnisses pochte, entschied sich der Franzose, einfach nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen. Aufgrund der Angst, durch einen Unruheherd die Saisonziele zu gefährden, stimmte Dortmund einem Wechsel zu. Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, kritisierte beim Düsseldorfer Ständehaustreff dieses Verhalten: "Dembélé hätte ich nicht gehen lassen. Haben Sie schon mal gelesen, dass ein Spieler dem FC Bayern auf der Nase herumtanzt?"

Es stellt sich die Frage, ob diese Sturheit dann aber nicht sogar vereinsschädigend wäre. Schließlich ist der Wertverfall eines Topspielers, der nur noch auf der Tribüne sitzt, enorm. Das birgt Millionenverluste für den Klub. Das wissen eben auch die Spieler und deren Berater.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Fußballer provozierten ihren Wechsel

(RP)
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