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Yanis Varoufakis: Satire übernimmt Politik

#Varoufake : Satire übernimmt Politik

Mit Griechenland geht ein ganzes Land vor die Hunde. Deutschland hingegen erregt sich über eine Satire eines unverfrorenen Komikers namens Jan Böhmermann. Besonders peinlich ist die Sache für Günther Jauch.

Es gibt gerade wirklich Probleme in den brennenden Krisenherden dieser Welt zu lösen und der Fall Griechenland taugt gar nicht zur Satire-Nummer: Um die Lage mal drastisch zu schildern: Griechenland steht kurz vor der Pleite. Der Rest Europas wird erneut Geld nachlegen müssen, ansonsten kippt Griechenland aus dem Euro. Und dann ist es reif für Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen. So schlecht geht es der Bevölkerung.

Und was passiert in der öffentlichen politischen Debatte in Deutschland? Wir diskutieren über den Stinkefinger des griechischen Finanzministers Giannis Varoufakis. Und die von Gebührengeldern finanzierten Sender in diesem Land bekommen sich gerade darüber in die Haare, wer beim "Varoufake" die schlechtere Figur abgibt.

Gelungene Eulenspiegelei

Unabhängig davon, ob Böhmermann einen Fake aufgedeckt hat (Varoufakis hat gar keinen Stinkefinger gezeigt) oder - wie das ZDF inzwischen bestätigt hat - selbst den Fake produziert hat (das in der Sendung von Günther Jauch gezeigte Video ist echt), ist ihm eine Eulenspiegelei gelungen. Damit entlarvt er unsere politische Erregungskultur.

Jauch steht so oder so blamiert da. Seine Redaktion schien die Echtheit des Video-Ausschnitts erst zu recherchieren, nachdem es Varoufakis als Fake zurückgewiesen hat. Wer sich den Ausschnitt im Zusammenhang ansieht, erkennt zudem, dass (mit oder ohne Finger) Varoufakis nicht direkt Deutschland beleidigt. Vielmehr beschreibt er eine Haltung der griechischen Regierung, der er nicht angehörte, aus dem Jahr 2010. Dieser Punkt einfach mal zur Aufklärung an dieser Stelle.

Eine gewaltige Ablenkung von den echten Problemen

Böhmermann dekouvriert auf satirisch höchstem Niveau auch, wie nah manche Politik-Talkshow an Realsatire liegt. Es ist nicht die Unverfrorenheit dieses kreativen Komikers, die die deutsche Debatte über die griechische Finanznot so lächerlich aussehen lässt, es ist vielmehr die Unernsthaftigkeit derjenigen, die diese Debatte führen. Nur deshalb konnte die Satire die Führung in dieser Debatte übernehmen.

Wenn sich der Sturm der Entrüstung gelegt hat, wird man über die politische Debattenkultur in unserem Land nachdenken müssen. Möglicherweise hätte man Varoufakis im großen Volkstalk am Sonntagabend viel besser entlarven können, wenn man nicht mit dem Stinkefinger von den vielen Problemen in Griechenland abgelenkt hätte, die seine Regierung nicht in der Lage zu lösen ist.

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Für eine Sendung wie die von Günther Jauch werden enorme Summen an Gebührengeldern investiert. Eine gute Quote bekommt Jauch ohnehin, wenn Gäste von hohem öffentlichen Interesse wie Varoufakis auftreten. Da kann man sich ein bisschen Qualität schon leisten.

Hier geht es zur Infostrecke: So reagieren die Twitter-User auf Böhmermanns Sendung

(qua)