1. Politik
  2. Ausland

Ukraine: US-Fotos sollen Russen der Lüge überführen

Russische Truppen in der Ost-Ukraine : US-Fotos sollen Russen der Lüge überführen

Das amerikanische Außenministerium hat Fotos vorgelegt, die angeblich die Beteiligung russischer Spezialeinheiten in der Ukraine belegen. Doch längst ist der Konflikt in ein Stadium geraten, in dem allerorten Manipulationen gewittert werden. Über zuletzt von russischer Seite vorgelegte "Beweise" ergießen sich derzeit bei Twitter Hohn und Spott.

Seit mehr als einer Woche schon halten die mysteriösen Männer in Camouflage und Gesichtsmasken in zehn Städten der Ostukraine öffentliche Gebäude besetzt. Wegen ihrer Aufmachung werden sie oftmals nur noch als die "Grünen Männer" bezeichnet. Wer sie sind, woher sie kommen und in wessen Auftrag sie handeln, hat für den Konflikt in der Ukraine entscheidende Bedeutung.

Die USA präsentierten am Montag (Ortszeit) mehrere Fotos, die nach Angaben Washingtons "Beweise" dafür sind, dass einige der bewaffneten "Grünen Männer" in Wahrheit eben keine ukrainischen Bürgermilizen, sondern tatsächlich russische Militärs oder Offiziere des russischen Geheimdienstes sind.

Nur ein Glied in der Beweiskette

Die Fotos seien von der Regierung in Kiew übergeben worden, sagte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki. Aber auch mehrere in internationalen Medien oder im Kurznachrichtendienst Twitter veröffentliche Fotos seien "weitere Beweise für die Verbindung zwischen Russland und den bewaffneten Milizen in der Ostukraine".

Schon seit Wochen werfen die USA Russland vor, in die Unruhen in der Ostukraine verwickelt zu sein und diese anzuheizen. Moskau weist diese Vorwürfe strikt zurück. Doch die Zweifel daran sind massiv. Auch die deutsche Bundesregierung geht davon aus, dass die Unruhen von außen geschürt wurden.

Nun veröffentlichten die USA unter anderem eine von der Ukraine übergebene Fotoserie, auf der zunächst ein Mann mit den Abzeichen der russischen Spezialeinheiten 2008 in Georgien zu sehen ist. Der offenbar selbe Mann ist zudem auf einem vor kurzem aufgenommenen Foto von der Erstürmung der Polizeistation im ukrainischen Kramatorsk durch prorussische Kräfte zu sehen. Auch auf einem Foto aus Slawjansk scheint der Mann zu sehen zu sein.

Neue Brisanz nach dem Osterwochenende

Wie die New York Times berichtet, sind die fraglichen Männer aus den ukrainischen Unruheregionen auch in eindeutigem anderen Kontext identifiziert worden: im Kreise russischer Armeeeinheiten. Eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte, bei den Bildern handele es sich letztlich nur um eine Bestätigung. Schon zuvor sei sich die internationale Gemeinschaft darüber einig gewesen, dass zwischen Russland und den Aufständen in der Ukraine eine Verbindung bestehe.

Doch vor dem Hintergrund der Genfer Friedensgespräche erlangt die Veröffentlichung eine neue Brisanz. Der Verdacht, dass hinter dem Wiederaufflammen der Gewalt am Osterwochenende eine inszenierte Aktion der Russen steckt, erhält neues Futter. Die Aussichten auf eine friedliche Lösung schwinden zusehends, stattdessen steht der Westen im Zugzwang, seine Drohungen mit neuen Sanktionen einzulösen.

Falsche Verbindung

Auslöser für die erneute Verschärfung der Lage war am Osterwochenende der mysteriöse Angriff mit drei Toten auf eine Straßensperre in Slawjansk. Schon wenige Stunden später wurde im russischen Fernsehen angebliches "Beweismaterial" präsentiert, das den ukrainischen rechten Sektor beschuldigte, eine ultranationalistische Gruppierung. Westliche Reporter waren da noch weit weg vom Tatort.

In Kiew und Washington stieß das vorgelegte Material nicht nur wegen des russischen Informationsvorsprungs auf erhebliche Skepsis. So warf insbesondere eine vorgelegte Visitenkarte Fragen auf. Nicht nur, weil sie unversehrt aus einem völlig ausgebrannten Fahrzeug geborgen worden sein soll. Sondern auch, weil sie angeblich ausgerechnet auf den Führer des rechten Sektors, Dimitrij Jarosch, verweist, verbunden mit einer Telefonnummer. Ein schlagender Beweis dafür, dass ukrainische Nationalisten hinter dem Anschlag stecken, sagen nun die Separatisten.

Doch der Fall wirft zumindest Fragen auf. Als der US-Sender CNN testweise die Nummer wählte, erreichte er am anderen Ende der Leitung nur eine überraschte Frau. Bei Twitter entwickelte sich die Visitenkarte schnell zum Trend-Thema für Hohn und Spott. Auf Fotomontagen machten sich Nutzer darüber lustig, indem sie das vermeintliche Beweismaterial nach ganz anderen Führern in die Hand drückten. So zeigt eine Aufnahme den russischen Präsidenten Putin mit der Karte in der Jackentasche, während Kanzlerin Angela Merkel darauf zeigt. Andere Montagen enttarnten spaßeshalber Action-Star Steven Segal als Doppelagenten in Diensten des rechten Sektors.

Eine Auswahl der absurdesten Einsätze der 'Yarosh-Card" bei Twitter finden Sie hier.

Der Spott und die Foto-Praxis bei Twitter verdeutlichen, wie wenig vermeintliches Beweismaterial in Zeiten von digitalen Bildbearbeitungsprogrammen wert ist. Das Vertrauen zwischen den Konfliktparteien ist zerrüttet.

Mit Material von AFP

(pst)