Elsässer protestieren gegen Wahlplakat: Mit einem Videoclip gegen Rechtsextreme

Elsässer protestieren gegen Wahlplakat: Mit einem Videoclip gegen Rechtsextreme

Straßburg (RPO). Mit einem Clip im Internet protestieren rund ein Dutzend junge Elsässer rappend gegen ein Wahlplakat der rechtsextremen französischen Front National (FN), auf dem der malerische Winzerort Ammerschwihr abgebildet ist.

"Das kotzt uns an, dass Du unser Dorf als Etikett nimmst", singen sie von einem Traktor aus an die Adresse des FN-Spitzenkandidaten im Elsass, Patrick Binder. "Das Elsass braucht Dich nicht", rappt ein junger Mann, umgeben von mehreren Dutzend Dorfbewohnern, die an der Aktion als Statisten teilnahmen. "Dieser Text ist für Dich, um Dir Stimmen wegzunehmen", tönt es vom Traktor. "Darfst net so dumm redde", singt einer auf Elsässisch.

"Wir haben den Clip im Studio eines Freundes aufgenommen", erzählt der 26-jährige Benjamin Ludwig, der Geschichte studiert und nebenbei als Trainer in Sportvereinen arbeitet. Er hat gemeinsam mit seinen Mitstreitern, Studenten an einer nahegelegenen Schule für Weinbau, Ingenieure, Sozialarbeiter und Lehrer, das "Kollektiv 68770" gegründet - in Anspielung auf die Postleitzahl von Ammerschwihr.

Der 41-jährige FN-Kandidat Binder tourt seit Wochen mit einem Kleintransporter durchs Elsass, auf dem das Plakat mit dem Foto vom Ammerschwihr prangt. Bei der letzten Regionalwahl im Jahre 2004 hatten die Front National und ihr regionaler Ableger L'Alsace d'abord (Das Elsass zuerst) in der Grenzregion das Rekordergebnis von 28 Prozent erzielt. In Ammerschwihr brachten es die Rechtsextremen damals immerhin auf 18,5 Prozent.

Mit dem Clip, der unter www.youtube.de zu sehen ist, wolle das Kollektiv gegen das "Klischee vom rechtsradikalen Elsass" ankämpfen, erläutert Ludwig. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen: Bisher wurde der Clip schon mehr als 77. 000 Mal aufgerufen. Ludwig und seine Mitstreiter sind nun gespannt, ob ihr Protest den Wahlerfolg der Rechtsextremen im Elsass mindert. "Hoffen kann man ja immer", sagen sie.

(AFP/das)