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"Der Marsianer" begeistert auch Science-Fiction-Hasser

"Der Marsianer" begeistert auch Science-Fiction-Hasser

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen lieben das Genre Science-Fiction, die anderen hassen es. "Der Marsianer" ist ein Buch für beide.

Welten, Wesen und Maschinen aus der Fantasie, im Film dann aus Plastik und Pappmaché, sind am Besten, wenn sie nicht Selbstzweck sind, sondern als Hintergrund dienen für Geschichten über Identität und Fremdheit, das Kämpfen und Frieden schließen wie etwa bei "Star Wars" und "Star Trek".

In "Der Marsianer" geht der US-Autor Andy Weir weiter. Er verzichtet komplett auf Laser, Außerirdische und hyperintelligente Roboter. Sein Buch spielt nur wenige Jahre in der Zukunft, setzt vor allem auf "Science" und kaum auf "Fiction". Dröge ist es deshalb nicht, im Gegenteil. Den größten Teil des Romans machen die Tagebucheinträge von Mark Watney aus, der als einer der ersten Menschen auf dem Mars landete, aber nach einem Sandsturm totgeglaubt zurückgelassen wird. Vier Jahre lang. Entsprechend liest sich der erste Satz des Romans: "Ich bin so was von im Arsch." Und weil Watney Astronaut ist, also Kopfmensch, lautet der zweite: "Das ist meine wohlüberlegte Meinung."

Auf den folgenden 500 Seiten berichtet er sensationell sarkastisch vom Kampf um die Menge an Sauerstoff, Wasser, Nahrung und Strom, die er zum Überleben braucht - Funkkontakt zur Erde oder gar eine Rückkehr bleiben zunächst ein ferner Traum. Mit Vorliebe sinniert er darüber, ob er wohl ersticken, verdursten, verhungern, erfrieren oder explodieren wird. Inhaltlich liegt das zwischen "Robinson Crusoe" und "Gravity", im Ton reicht es teils fast an die Webvideoserie "The Lonely Astronaut" heran, die dieselbe Grundidee ins Absurde fortschrieb. "Der Marsianer" jedoch bleibt realistisch wie die Quasi-Doku "Apollo 13". Was der Botaniker und Mechaniker Watney ("Im Grunde bin ich der Reparaturtrupp, der außerdem gut Blumen gießen kann") tut, um zu überleben, hat Hand und Fuß. Dass es ihm gelingt, liegt an der Kombination von Leidensdruck, ausreichend Denk-Zeit - und Hightech: "Klebeband funktioniert überall. Klebeband ist Magie und sollte angebetet werden." Schief geht dennoch vergnüglich viel: "Leider sind die physikalischen Gesetze ein elender Haufen von Halunken."

Das trotz des teils harten wissenschaftlichen Stoffs stets federleicht lesbare Buch ist der Erstling von Andy Weir, 43, Sohn eines Teilchenpysikers, Programmierer, selbsternannter Nerd und Klugscheißer.

Zunächst hatte der Autodidakt das Buch 2012 auf seiner eigenen Website zum Download angeboten, dann als E-Book, danach griff ein Hörbuchverlag zu. Schließlich führte die Begeisterung des Publikums zu Veröffentlichungen in 30 Sprachen. Eine Verfilmung von Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner") mit Matt Damon in der Hauptrolle. kommt am 8. Oktober ins Kino.

(tjo)