Erfolgreiche Menschen erzählen: Das Geheimnis unseres Erfolgs

Erfolgreiche Menschen erzählen : Das Geheimnis unseres Erfolgs

Wie erreicht man die Ziele, die man sich steckt? Wie kommt man im Leben voran? Wie kommt man an? Sechs erfolgreiche Menschen aus der Region verraten, was neben Fähigkeiten und Fortune wichtig ist.

Die Ministerin - von Sylvia Löhrmann, NRW-Bildungsministerin Erfolg ist sehr, sehr vielschichtig und subjektiv. Wenn ich bei einer Bergwanderung den Gipfel erklimme und mich über die Aussicht freue, dann ist das für mich ein Erfolg, weil ich den anstrengenden Weg gemeistert habe. Ein solcher Anstieg verlangt gute Vorbereitung, Durchhaltevermögen und langen Atem. Wenn der Gipfel erreicht ist, stellt sich das gute Gefühl ein, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben.

Während ich für meine persönlichen Erfolge immer hart arbeiten musste, hat mir in meiner politischen Arbeit oft die Fähigkeit zum Erfolg verholfen, dass ich mich gut in andere hineinversetzen und unterschiedliche Standpunkte zusammenführen kann. Dabei sind Mut, Zuversicht und Humor gute Begleiter. Auch erreicht man Erfolge selten allein, sondern fast immer mit anderen Menschen, die das gleiche Ziel verfolgen.

Auch bei den Themen, die mir am Herzen liegen, stellt sich der Erfolg nicht augenblicklich ein, sondern entwickelt sich wie bei einer Bergwanderung Schritt für Schritt. Ich möchte, dass wir für alle Kinder und Jugendlichen das bestmögliche Schulangebot bereithalten. Erfolgreiche Bildungslaufbahnen sollen nicht von der sozialen Herkunft abhängen, sondern alle Schülerinnen und Schüler sollen ihre Potenziale voll entfalten können. Diese Ziele erreichen wir nicht von heute auf morgen, aber wir haben unser Ziel immer fest im Blick: Kinder und Jugendliche, die gerne in die Schule gehen und dort bestmöglich gefördert werden — damit sie ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben können.

Der Kabarettist - von Dieter Nuhr Was für meinen Erfolg ausschlaggebend war? Zunächst ganz wichtig: meine Geburt in Mitteleuropa! In Angola oder Kambodscha wäre mir das Ganze so nicht gelungen. Glück spielt also eine nicht unerhebliche Rolle.

Ich habe auch die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennengelernt, das war ebenfalls Schicksalsfügung. Aber der Witz ist: Um eine Chance nicht nur ergreifen sondern auch auf lange Sicht nutzen zu können, benötigt es dann doch wieder sowas wie Fleiß, Enthusiasmus und Spaß an der Sache.

Erfolg ist ja immer dann bei uns verdächtig, wenn ihn der andere hat. Oft wird unterstellt, er könne nur auf unlauteren Methoden beruhen. Das ist, wenn man vom organisierten Verbrechen absieht, meistens Unsinn. Alle erfolgreichen Menschen, die ich kenne, haben visionäre Ideen gehabt, den Mut zur Umsetzung und die Risikobereitschaft, auch baden zu gehen. Risikobereitschaft ist unabdingbare Voraussetzung. Das wird gern vergessen.

Am Ende gibt es noch eine wichtige Voraussetzung für Erfolg: Man sollte das tun, was einem liegt. Klingt einfach, ist aber der häufigste Grund für Misserfolg. Als Gehörloser sollte man es nicht als Musiker versuchen, außer vielleicht bei einer Punkband, bei der man die Musik notfalls auch riechen oder ertasten kann. Und wer Schwierigkeiten mit dem kleinen Einmaleins hat, sollte es nicht als Atomphysiker versuchen.

Die Sportlerin - von Britta Heidemann, Fecht-Olympiasiegerin Wann immer ich zu meinem Leben, meinen Siegen und dem Weg dahin befragt werde, bringe ich als Erstes eine meiner Grundüberzeugungen ins Gespräch: Meiner Meinung nach ist die grundsätzliche Einstellung zum Leben und zu dem, was im eigenen Leben passiert, die Basis für alles Weitere. Bevor man in das Thema des "Wie?" einsteigt, ist es noch viel wichtiger, dass man für sich das "Was?", und — noch wichtiger — das "Dass!" geklärt hat.

Man kann viel über das Erreichen von Zielen und über Motivation und die verschiedenen Methoden des effizieten Arbeitens philosophieren — solange man für sich selbst nicht entdeckt hat, dass es darauf ankommt, Chancen nutzen zu wollen, offen für Neues zu sein und etwas erreichen zu wollen, ist es für weiterführende Überlegungen noch zu früh. Auch die grundsätzliche Bereitschaft, das Leben positiv zu betrachten, ist wichtig, um etwas Konstruktives für sich selbst aus einer Situation mitzunehmen. Der Wille und das "innere Feuer", das uns dazu antreibt, voranzukommen und und den verschiedenen Schwierigkeiten des Lebens zu stellen, sind faszinierede Faktoren für mehr Zufriedenheit. Und ich bin überzeugt davon, dass man diese innere Einstellung steuern kann."

Die Schriftstellerin - von Ulla Hahn "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott", ein Spruch vom Kirchenkalender meiner Großmutter hat mir als Kind oft weitergeholfen — und ist auch heute gar nicht so unbrauchbar. Selbstvertrauen und Gottvertrauen sind ein unschlagbares Duo.

Mein Glück: Ich wusste schon als Kind, wo ich hingehörte: in die Wörterwelt, die Bücher. Das war und ist meine Leidenschaft, meine Liebe. Wer mit Leidenschaft und Liebe bei der Sache ist, der bringt auch die nötige Disziplin auf. Geduld ist meine Stärke nicht, doch Disziplin lehrt auch Geduld. Leidenschaft, Liebe, Disziplin; Disziplin bis zur Hartnäckigkeit: Wie anders könnte ich mich immer wieder aufs Neue in den Dienst der Sprache stellen?

Wobei Disziplin nicht heißt, in Routine zu verfallen. Ganz wichtig ist mir, mich immer wieder selbst zu überraschen. Neugierig bleiben. Ein erreichtes Ziel kann auch immer ein Startpunkt zu neuem Aufbruch sein. Doch zum Erfolg gehören auch unsere säkularisierten Schutzengel: Menschen, die in entscheidenden Situationen weiterhelfen. Was wäre ohne meinen Volksschullehrer aus mir geworden! Als alle aufstehen sollten, die von Haus aus auf weiterführende Schulen gehen durften, blieb ich sitzen. Steh auf!, sagte der Lehrer zu mir und sorgte mit dem Pastor für meinen Besuch einer Mittelschule. Eine Weichenstellung fürs Leben. Wenn mich mein Lebensweg etwas gelehrt hat, dann das: für andere hin und wieder eine Weiche in die richtige Richtung zu stellen.

Die Wissenschaftlerin - von Tanja Fehm, Gynäkologin an der Uni Düsseldorf Ausschlaggebend für meinen Erfolg waren eine hohe Frustrationstoleranz, Hartnäckigkeit, Leistungswille und wertschätzender Umgang mit KollegInnen sowie ein großes familiäres und berufliches Netzwerk. Mein größtes Vorbild war mein Mentor und akademischer Lehrer in der USA, Prof. J. Uhr. Ich hatte bis dato noch nie einen Menschen kennengelernt, der seine Visionen und Ideen mit solch einer Stringenz und Hartnäckigkeit umsetzt und jegliche Hürde — ob finanziell oder menschlich — mit einer bewundernswerten Gelassenheit und Ruhe meistert. Dies hat mich in meiner Ausbildung wesentlich geprägt und sehr geholfen, meinen oft auch steinigen und kurvigen Weg zu gehen. Ich glaube, für Erfolg im Leben ist Ruhe, Gelassenheit und Kollegialität sowie wertschätzender Umgang mit anderen Menschen auch ein wesentlicher Aspekt.

Was hat nicht funktioniert? In der Regel hat es sich nicht bewährt, mit aller Gewalt seinen Willen durchsetzen zu wollen und Mitarbeiter oder Mitmenschen nicht "mitzunehmen". Die Widerstände lassen dann sehr schnell Projekte oder Ideen kippen. Motivation und Begeisterung anderer für die eigenen Ziele zu wecken, sind wesentliche Grundsteine für den Erfolg.

Für mich bedeutet Erfolg, festgesteckte Ziele — unabhängig davon, ob sie privater oder beruflicher Natur sind — in einen definierten Zeitrahmen zu erreichen und dabei seine Prinzipien und Wertvorstellungen nicht aufzugeben. Meine große Schwäche ist die Ungeduld. Mir fällt es schwer zu akzeptieren, dass manche Dinge Zeit benötigen und wachsen müssen bzw. nicht beeinflussbar sind.

Meine Stärken? Da müsste man eigentlich meine Familie und Mitarbeiter fragen. Die Eigenwahrnehmung differiert oft von der Fremdwahrnehmung. Dennoch glaube ich, dass es eine Stärke von mir ist, dass ich mich von Niederlagen und Rückschlägen relativ schnell erhole und weitermachen kann.

Der Manager - von Lutz Schüler, Chef von Unitymedia Wäre mein Abitur für meinen späteren Werdegang entscheidend gewesen, wäre ich kaum Vorsitzender der Geschäftsführung eines so großen Unternehmens wie UnityMedia KabelBW geworden. In der Düsseldorfer Schulzeit habe ich mich mehr fürs Surfen interessiert als für Mathe und Deutsch. Der Wettbewerb und Erfolge auf dem Wasser haben mich damals angetrieben.

Im Studium der Betriebswirtschaft bin ich mit mir selbst in den Wettbewerb getreten. Ich wollte mir beweisen, dass mein mäßiges Abi nicht das Ergebnis mangelnder Intelligenz, sondern mangelnder Fokussierung war. Diesen Wettkampf habe ich summa cum laude gewonnen. Und dabei festgestellt, dass ich Spaß und Motivation daraus ziehe, immer wieder Neues zu lernen und den Dingen, die ich tue, auf den Grund zu gehen. Ich hinterfrage die Dinge und strebe nach Weiterentwicklung und Veränderung. Dabei assoziiere ich Veränderung immer mit etwas Positivem und Notwendigem. Ich war nie jemand, dem es an Mut zur Veränderung mangelte. Wichtig ist, dass Kopf und Bauchgefühl zusammenkommen. Wenn ich von einer Idee oder einem Thema überzeugt bin, es durchdrungen habe, dann entsteht die Sicherheit, fundierte Entscheidungen zu treffen. Der Mut beziehungsweise der Wille zur Veränderung ist heute ein entscheidender Faktor für Erfolg.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung ändert sich unser Lebens- und Arbeitsumfeld so rasant und umfänglich, dass nur diejenigen überleben, die schnell genug auf diese Veränderung reagieren. Beim Surfen ist es ja ähnlich: Wenn Du zu lange zögerst, nimmt Dich die Welle mit und nicht umgekehrt.

Eine andere Stärke von mir ist mein Interesse an Menschen und das Talent, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen zu bringen, sie für eine Sache zu begeistern und zu mobilisieren. Damals wie heute gilt für mich, dass die persönliche und berufliche Weiterentwicklung das Wesentliche ist, die Lernkurve, die nach oben zeigt, und nicht so sehr die erklommene Höhe auf der Karriereleiter.

Mehr von RP ONLINE