Lampedusa: Kritik an Sparpolitik nach Drama um Flüchtlinge in Italien

Lampedusa : Kritik an Sparpolitik nach Flüchtlingsdrama in Italien

Nach dem Kälte-Tod von mindestens 29 Flüchtlingen vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ist die EU-Flüchtlingspolitik erneut in die Kritik geraten. In der Nacht zu Montag war es im Kanal von Sizilien zu dem mutmaßlich ersten Flüchtlingsunglück in diesem Jahr gekommen. Nach einem SOS-Ruf erreichten zwei Schiffe der italienischen Küstenwache nach stundenlanger Fahrt drei Schlauchboote in Seenot. Sie navigierten etwa 160 Kilometer weit entfernt von der Insel im Meer. Sieben Flüchtlinge sollen zu diesem Zeitpunkt bereits erfroren sein. Auf dem Weg nach Lampedusa, wo die Rettungsboote erst am Montagabend ankamen, starben nach übereinstimmenden Berichten 22 Menschen an Unterkühlung.

Kritiker führen das Unglück auch auf die Einstellung von Mare Nostrum zurück. Die im Oktober 2013 von der italienischen Regierung eingesetzte Operation zur Rettung von Bootsflüchtlingen war Ende 2014 beendet und durch die EU-Operation Triton ersetzt worden. Während bei Mare Nostrum die italienische Marine mit mehreren Schiffen weit vor der italienischen Küste patrouillierte und Flüchtlinge aufnahm, hat Triton einen wesentlich engeren Radius. Nach offiziellen Angaben trug Mare Nostrum zur Rettung von rund 100 000 Menschen bei.

(jmm)