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Wie Schlepper Facebook für ihre Geschäft nutzen

Geisterschiffe vor Italien : Wie Schlepper Facebook für ihre Geschäfte nutzen

Innerhalb weniger Tage trieben gleich zwei Geisterschiffe mit hunderten Flüchtlingen im Mittelmeer. Offenbar setzen Schleuserbanden in jüngster Zeit vermehrt auf Frachtschiffe für ihre Geschäfte. Dabei spielen nach einem italienischen Medienbericht auch soziale Netzwerke eine Rolle.

Die Flüchtlinge auf der "Blue Sky M" zahlten bis zu 5500 Dollar für ihre Reise, die auf der "Ezadeen" sogar bis zu 8000 Dollar. Es ist ein einträgliches Geschäft für die Schleuserbanden, die mit einem Mal hunderte Menschen transportieren können — um den Frachter dann führerlos zurückzulassen. Kontakt zu potenziellen "Kunden" bekommen sie laut der italienischen Zeitung "La Repubblica" auch über Facebook.

Die Zeitung schreibt von einem Facebook-Profil, dass in arabischer Sprache gestaltet ist. Das Bild zeige ein großes Schiff. Und die "Reise" werde angepriesen wie in einem ganz normalen Reisebüro. Für nur 5500 Euro könne man von Mersin in der Türkei nach Italien reisen. Alles sei garantiert auf dem Schiff: Unterkunft, Nahrung, Wasser und mehr.

Sogar Videowerbung sei unter dem Profil zu sehen, wie die Zeitung schreibt. Diese zeige die Waren, die die Flüchtlinge gern hätten — wie Pässe und Arbeitsgenehmigungen. "Wir haben alles, was sie brauchen. Fragen Sie uns einfach", zitiert "La Repubblica" aus dem Profil. In den Kommentaren sei dann noch eine Telefonnummer zu finden.

Diese Nummer wählte ein Reporter der Zeitung, gab sich als Flüchtling aus und hatte am anderen Ende der Leitung ein Syrer, der ihm sagte, was Dokumente wie ein Reisepass oder auch ein internationaler Führerschein kosteten. Das Geld solle der Flüchtende bei einer Agentur der Schleuser hinterlegen, für das Kind müsse nichts gezahlt werden. "Wenn Gott will, dauert die Fahrt sechs Tage", sagt der Mann dem Reporter. "So Gott will", schreibt dieser, habe er in jedem Satz gesagt.

(das)