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Aschewolke macht wieder Probleme: Piloten und Lotsen kritisieren Sichtflüge

Aschewolke macht wieder Probleme : Piloten und Lotsen kritisieren Sichtflüge

Hamburg (RPO). Ein Sicherheitspilot der Lufthansa hat rückblickend die sogenannten Sichtflüge deutscher Fluglinien während des Alarms wegen der Vulkanasche aus Island kritisiert. "Das darf sich nicht wiederholen", erklärt Lufthansa-Pilot Jürgen Steinberg. Indes sorgen Aschwolken erneut für Probleme im europäischen Luftraum.

"Heute würde meine Empfehlung in der gleichen Situation lauten: 'Don't do it'", sagte der Pilot in einem internen Aushang an Kollegen. Das berichtet der "Spiegel".

In dem Schreiben, das dem Nachrichtenmagazin vorliegt, gibt Steinberg zu, dass die Situation von Piloten "als unbefriedigend oder auch als bedrohlich" empfunden wurde. Lufthansa-Bereichsvorstand und -Chefpilot Jürgen Raps distanziert sich im "Spiegel" von seinem Sicherheitspiloten: "Das ist seine rein persönliche Einschätzung, die sich nicht mit der Auffassung des Konzerns deckt."

"Viele von uns waren fassungslos"

Bedenken gegen die Sichtflüge, von denen Air Berlin 559 und die Lufthansa 395 absolvierte, gab es auch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). Ein Fluglotse sagte dem Magazin: "Als wir von der Betriebsanweisung unserer Führung erfuhren, waren viele von uns zunächst fassungslos."

Air Berlin und Lufthansa betonen dagegen, sichere Abstände zu Flugzeugen und Wolken seien jederzeit eingehalten worden. Raps sagte, man habe "das Verfahren im Vorfeld gemeinsam mit dem Verkehrsministerium, dem Luftfahrtbundesamt sowie der DFS erarbeitet und von diesen Behörden genehmigt bekommen".

Neue Aschewolken machen wieder Probleme

Unterdessen hat die über dem europäischen Luftraum hängende Aschewolke aus Island am Sonntag erneut den Flugverkehr in Deutschland behindert. Am Frankfurter Flughafen wurden 16 Ankünfte und 13 Abflüge gestrichen, wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport mitteilte. Betroffen waren außerdem Nordspanien, Portugal, Südfrankreich, Norditalien, die Schweiz und Westirland.

Die Flugaufsicht Eurocontrol teilte am Sonntag mit, im europäischen Luftraum habe es am Sonntag etwa 500 Flüge weniger gegeben als an Sonntagen üblich. Die Aschewolke erstrecke sich von Island bis zu den Azoren, mit mehreren Ausläuferm nach Osten. So sollten bis Sonntagabend auch Süddeutschland, Österreich und Tschechien bedeckt sein, wobei eine allmähliche Abschwächung der Wolke erwartet wurde. Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung teilte in Langen bei Frankfurt mit, die Situation sei bislang nicht beunruhigend. "Wir beobachten die Lage weiter."

Am Samstag wurden unter anderem mehrere Ferienflüge von Deutschland nach Spanien gestrichen. Am Sonntag wurden in Genf und Zürich wurden am Sonntag Dutzende von Flügen gestrichen. Erneut geschlossen wurden fünf Flughäfen in Westirland; die drei größten Flughäfen des Landes in Dublin, Cork und Shannon waren weiter in Betrieb. Die irische Gesellschaft Air Lingus entschuldigte sich bei ihren Kunden für die Ausfälle, die bereits in der vergangenen Woche einsetzten.

Die Aschewolke führte auch zu Störungen im Transatlantikverkehr. Viele Maschinen mussten nach Norden ausweichen, was zu einer um ein bis zwei Stunden verlängerten Flugdauer führte.

(DDP/born)