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Glenn Greenwald: So manipuliert der Geheimdienst das Internet

"Verleugnen - Zerrütten - Entwürdigen - Täuschen" : Wie der britische Geheimdienst das Internet manipuliert

Glenn Greenwald ist Edward Snowdens Co-Enthüller in der NSA-Affäre. Nun hat er ein neues "Top Secret"-Dokument veröffentlicht, das aufdeckt, wie der britische Geheimdienst GCHQ negative Imagekampagnen im Internet steuert. Mit dem einzigen Ziel, Schaden zuzufügen.

Es ist eine Veröffentlichung, die erneut für Aufruhr sorgen dürfte: Snowdens Co-Enthüller Greenwald hat - zusammen mit den "NBC News" - lange daran gearbeitet, die Machenschaften des britischen Geheimdienstes GCHQ (Pendant zur NSA) im Internet aufzudecken.

Im Kern des nun auf der Enthüllungsplattform "The Intercept" online gestellten Dokuments geht es darum, die Arbeit verdeckter Agenten zu erklären: Wie negative Imagekampagnen im Internet durchgeführt und wie sie gesteuert werden. Der GCHQ betreibt so bewusst eine Form von Anti-PR, die sich gegen Einzelpersonen, Unternehmen und Länder richten kann.

Der Titel des Geheimdokuments, das ausschließlich für die Geheimdienste und Regierungen der USA, Australien, Kanada, Neuseeland und Großbritanniens bestimmt war, lautet "The Art of Deception: Training for Online Covert Operations”, frei übersetzt mit "Die Kunst des Betrugs: Training für verdeckte Einsätze im Internet".

Zwei Taktiken werden dabei verfolgt: Zum einen streuen die Agenten im Internet allerhand falsche Informationen mit dem Ziel, den Ruf der Person oder des Unternehmens zu zerstören. Zum anderen sollen wissenschaftliche Studien oder Ergebnisse herangezogen werden, um den Verlauf eines Diskurs im Internet zu verändern.

Wie die Agenten tatsächlich vorgehen bzw. vorgehen sollen,zeigen Diagramme, die Greenwald unter dem Titel "Discredit a target" ("Einer Zielperson schaden") online gestellt hat. Personen sollen beispielsweise bewusst in eine Sexfalle gelockt werden.

Die Agenten werden angewiesen, die Fotos der Zielpersonen in sozialen Netzwerken zu ändern oder einen Blogbeitrag zu schreiben, behauptend man sei die Person selbst. Als letzte Variante sollen die Agenten im Namen der Opfer E-Mails an Kollegen, Freunden und Familienmitglieder schreiben.

Um das Ansehen eines Unternehmens zu zerstören, empfiehlt das Trainingsheft des britischen Geheimdienstes: Agenten sollen brisante Informationen an die Presse weitergeben oder sie in entsprechenden Foren posten.

Auch das Verfassen negativer Kommentare in den sozialen Netzwkerken soll erfolgversprechend sein. Zudem solle der Versuch unternommen werden, den Konzern wirtschaftlich zu ruinieren, indem Geschäftsbeziehungen gestört oder zerstört werden.

Der Effekt: Die Geheimagenten sollen so lange falsche Informationen im Internet streuen, bis sie in der realen oder Cyber-Welt tatsächlich eintreten. Der britische Geheimdienst gibt die Marschroute mit den vier "Ds" vor: "Deny — Disrupt — Degrade — Deceive", auf deutsch: verleugnen — zerrütten — entwürdigen - täuschen.

Greenwald hatte in der britischen Zeitung "The Guardian" in Zusammenarbeit mit dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden als Erster über die Spionagepraktiken des US-Geheimdiensts NSA berichtet.

(nbe)