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Wesel: Betuwe: "Immobilien verlieren an Wert"

Wesel : Betuwe: "Immobilien verlieren an Wert"

Die Initiative "Betuwe-Linie – so nicht" hat gestern den Ausbau der Bahnstrecke bei Wesel und Mehrhoog als große Gefährdung für den Wert von Immobilien entlang der Route bezeichnet. Vorsitzender Gert Bork verwies auf eine ähnliche Situation im Rheintal bei Rüdesheim.

Die Initiative "Betuwe-Linie — so nicht" hat gestern den Ausbau der Bahnstrecke bei Wesel und Mehrhoog als große Gefährdung für den Wert von Immobilien entlang der Route bezeichnet. Vorsitzender Gert Bork verwies auf eine ähnliche Situation im Rheintal bei Rüdesheim.

Dort wird die Strecke bis zum Jahr 2017 "ertüchtigt", wie es bei der Bahn heißt. Übersetzt: Alle vier Minuten soll ein Zug durchs Rheintal fahren — rund um die Uhr. Bork verweist auf dortige Veröffentlichungen.

Die Rhein-Zeitung schreibt: "Immobilien, die von Bahnlärm betroffen sind, verlieren nicht nur von Jahr für Jahr an Wert. Sondern die jährlichen Verluste — in Prozent gerechnet — steigen jedes Jahr. So wie der dafür ursächliche Bahnlärm ständig zunimmt." Bork urteilt: "Das wird genauso für die Betuwe am Niederrhein zutreffen."

Bis zu 50 Prozent Wertverlust für ein Haus direkt an der Bahnlinie — gerechnet wird bis 50 Meter Abstand — gegenüber einer Immobilie in der zweiten Reihe sehen rheinland-pfälzische Makler. Im Rheintal wird den Betroffenen geraten, sich im Protest zu organisieren. Bahn und Politik würden sehr wohl wahrnehmen, wenn Bürger massenhaft protestieren. So sieht es auch Bork. Trotz großer Betroffenheit von Immobilienbesitzern — etwa in der Feldmark und Blumenkamp — durch die Betuwe ist der Widerstand in Wesel eher ein klein gebliebenes Pflänzchen. Nur von Zeit zu Zeit flackert die Kritik groß auf.

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Mehr Mitglieder wünscht sich auch Gert Bork für "Betuwe-Linie — so nicht". "Schließlich haben am Oberrhein im Raum Offenburg Bahnlärm-Bürgerinitiativen Tausende Mitglieder. Der Jahresbeitrag bei uns beträgt zwölf Euro, sprich nicht viel mehr als eine gute Flasche Wein", sagt er. Er weist auf die Erfolge einer Demonstration in Rüdesheim hin: Viele überregionale Zeitungen hätten ebenso berichtet wie SWR, HR, WDR und ZDF.

"Schleichende Enteignung"

Rhetorisch fragt Bork betroffenen Hausbesitzer: "Würden Sie am Jahresende freiwillig ein paar Tausend Euro an die Deutschen Bahn AG überweisen? Nein? Ich würde es auch nicht tun. In der Realität tun wir es aber längst: Mit jedem zusätzlichen Güterzug macht die Bahn mehr Profit und mehr Lärm, dadurch geht der Wert unserer Häuser systematisch den Bach hinunter." Man könne dies "schleichende Enteignung" nennen. Dies treffe vor allem die Älteren, die "hier in ihrer Heimat so verwurzelt sind, dass sie nicht mehr weg wollen oder können". Bork weiter: "Das ist genau jene Generation, die Deutschland wiederaufgebaut hat und sich für Haus und Hof ein Leben lang krummgelegt hat. Und genau denen zerstört die Bahn jetzt ihren wohlverdienten Lebensabend. So kann es nicht weitergehen!"

Der Mann der Bürgerinitiative fordert: "Es liegt nun in der Hand der Bevölkerung, den Druck systematisch zu erhöhen. Den Verantwortlichen muss unmissverständlich klar gemacht werden, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man in Deutschland solche umstrittenen Projekte einfach an den Interessen der Anwohner vorbei umsetzen konnte." "Betuwe — so nicht" fehlen aber genug engagierte Mitglieder und die Finanzen für großangelegte Aktionen. Bork setzt nun auf Öffentlichkeit. So senden WDR am Montag, 12. September, 22 Uhr und das ZDF am Sonntag, 9. Oktober, 18 Uhr zum Thema Bahnlärm.

Infos www.betuwe-wesel.de oder unter Tel. 0281 64355

(RP/rl/url)