Viersen: Wie Pfarrer die stillen Tage feiern

Viersen: Wie Pfarrer die stillen Tage feiern

Zwischen Christmette und Familientreffen — drei Viersener Geistliche berichten, wie sie Weihnachten verbringen

Die DIN-A5-Blätter mit der Weihnachtspredigt sind schon fertig, bedruckt in 14-Punkt-Schrift und mit anderthalbzeiligem Abstand. Roland Klugmann, einer der beiden Pfarrer an St. Remigius, hat sie Mitte der Woche frühmorgens fertiggestellt. "Ich bin ein Frühaufsteher. Um fünf Uhr lege ich los." Klugmann setzte sich an seinen PC zu Hause, in dem es keinen Tannenbaum gibt.

Roland Klugmann, Pfarrer an St. Remigius, hat seine Predigt bereits Mitte der Woche fertig gehabt. "Ich drucke sie immer in DIN A5 aus und in 14-Punkt-Schrift." Foto: Röse

"Ich bin so selten da, mein Tannenbaum steht in der Kirche", sagt der Priester. 14 Bäume hat er für die Gotteshäuser bestellt, die Frühmorgens könne er am konzentriertesten arbeiten. "Da reißt einen kein Telefon raus. Und wenn ich meine Predigt schreibe, will ich nicht abgelenkt werden." Sogar das Radio, sonst ein ständiger Begleiter durch seinen Tag, hat er dann ausgeschaltet.

Geht er an Heiligabend in die Sakristei, um sich auf den Gottesdienst vorzubereiten, kommt Hans Bretschneider, Pfarrer der Kreuzkirche, auch an den Tannen im Chorraum vorbei. Foto: Röse Martin

In diesem Jahr ist Weihnachten für ihn relativ entspannt: "Das liegt daran, dass Heiligabend auf einen Sonntag fällt. So sind es auf die ganze Woche gerechnet weniger Gottesdienste als wenn Heiligabend beispielsweise ein Dienstag wäre." Nach der Abendmesse wird er mit dem anderen Pfarrer an St. Remigius, Helmut Finzel, gemeinsam zu Abend essen. Und dann wohl ins Bett gehen, während Finzel die Christmette zelebriert.

Heiligabend ohne einen anderen Menschenn, darauf wird es auch für den Dülkener Pastor Jan Nienkerke hinauslaufen. "Ich halte es eher schlicht, werde mich nach den Messen auch nicht großartig in die Küche stellen", sagt er. "Mit meinen tierischen Mitbewohnern Max und Moritz, zwei Katzenbrüdern, werde ich es mir am Kaminfeuer mit guter Musik und einem Glas Rotwein gemütlich machen und den Abend nachwirken lassen." Es sei in der Kirche sehr feierlich, wenn die Kerzen des Adventskranzes einzeln von den Messdienern durch das abgedunkelte Kirchenschiff zur Krippe getragen werden, begleitet mit Texten aus dem Evangelium. Nienkerke findet, die Weihnachtsbotschaft sei eine der schönsten Botschaften überhaupt. "Weihnachten erinnert uns mit der Weihnachtsgeschichte sowohl an das Elend als auch an all die Hoffnungsschimmer in dieser Welt. Denn Gott selbst ist Mensch geworden."

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Doch auch wenn der Zölibat den katholischen Priestern Ehelosigkeit vorschreibt, eine Familie haben sie trotzdem. "Am ersten Weihnachtsfeiertag besuche ich nach der Messe Familie und Freunde, und nach der Vesper gehe ich mit meinen Kollegen zu Abend essen." Der zweite Weihnachtsfeiertag gehört ganz seinen beiden Schwestern. "Ich werde sie zum Mittagessen ausführen", sagt Nienkerke. Selbstgemachte Plätzchen kann er ihnen nicht anbieten: "Dafür bin ich zu ungeschickt." Sein Kollege von St. Remigius hingegen hat in der Vorweihnachtszeit gezaubert. "Zum 50. Geburtstag habe ich einen Thermomix geschenkt bekommen und damit Trüffel gemacht." Auch bei ihm stehen am ersten und zweiten Feiertag Familienbesuche an: Erst zur Schwester und ihrem Mann und seiner Nichte, am zweiten Feiertag gibt's dann ein Wiedersehen mit den Eltern.

Hans Bretschneider, Pfarrer der evangelischen Kreuzkirchengemeinde, hat in den vergangenen Tagen viel mit Kindern geübt. Im Familiengottesdienst wird ein Weihnachtsstück aufgeführt: "Neele, Lennart und die Weihnachtsdecken." Drei Gottesdienste bietet die Pfarre den 6000 Gemeindegliedern an Heiligabend an, am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag dann noch mal jeweils einen. "Aber dadurch, dass Weihnachten auf den vierten Advent fällt, ist das für uns Pfarrer wirklich sehr günstig", sagt Bretschneider; in der Woche sei die Zahl der Gottesdienste gering. Die Wochen davor seien anstrengender gewesen. Viele Weihnachtsfeiern, aber auch zahlreiche Gespräche und Besuche bei Leuten, die alleinstehend sind: "Für viele Menschen ist die Adventszeit eine schwere Zeit", sagt der Pfarrer. Seine Predigt hat auch Bretschneider schon fertig. "Aber ich schreibe sie gern möglichst aktuell." Am Donnerstagnachmittag saß er gerade daran, in seinem Büro im Schatten der Kreuzkirche, am großen Holzschreibtisch neben den Regalen mit Büchern.

Bretschneider ist verheiratet, hat zwei Kinder. Die Tochter ist 26 Jahre alt, der Sohn 20. Für Bretschneider ist es ein besonderes Weihnachtsfest. Der Sohn wird wenige Tage danach aus dem Reihenhaus ausziehen. Früher, als die Kinder kleiner waren, war Bretschneider darauf bedacht, dass auch seine Familie zwischen all den Gottesdiensten nicht zu kurz kommt. "Gerade an solchen Tagen ist das wichtig", sagt der Pfarrer. Weihnachten ist schließlich auch ein Familienfest.

(paka)