Kreis Viersen: Landwirte kämpfen mit nassen Böden

Kreis Viersen: Landwirte kämpfen mit nassen Böden

Die Winter werden feuchter und wärmer — Frost fehlt, er hat segensreiche Auswirkungen auf die Böden. Der Klimawandel stellt die Landwirte vor neue Herausforderungen, bis hin zur Zucht von neuen Getreidesorten

Die Regenfälle der vergangenen Wochen machen den Landwirten das Leben schwer: Der Winter war feucht und relativ warm. "Der Winterweizen braucht noch niedrige Temperaturen, und die Rübenabfuhr wird zur Schlammschlacht", berichtet Kreislandwirt Paul-Christian Küskens. Auch der fehlende Frost macht den Landwirten zu schaffen: "Wir kriegen keine Frostgare hin", sagt er - heißt: "Wenn ein gepflügtes Feld an der Oberfläche gefriert, dann sprengt der Frost Verdichtungen im Boden auf. Das ist eine natürliche, schonende Weise, wie der Boden eine krümelige Struktur bekommt", erklärt der Landwirt. "Würde man den Boden jetzt maschinell auflockern, würde man mehr kaputtmachen, als Gutes für die Pflanzen bewirken. Die Landwirte müssen jetzt die Nerven behalten und dürfen nicht zu früh aufs Feld fahren." Auch moderne Trecker mit sehr breiten Reifen würden den nassen Boden zu stark verdichten. "Auf den Reifenspuren wäre der Ertrag deutlich geringer; und das wären etliche Quadratmeter pro Feld", so Küskens.

Auch auf Feldern, auf denen noch Gründünger-Pflanzen wie Senf oder Ölrettich als Stickstofflieferanten stehen, fehlt der Frost. Wenn diese Pflanzen erfrieren, zerfallen sie, und man braucht sie nur noch leicht in den Boden einzuarbeiten. Ohne Frost wird der maschinelle Aufwand höher, und auch das ist nicht gut für den Boden.

Trotz fehlender Kälte geht es dem Winterweizen noch gut, resümiert Küskens. Jetzt aber beginnt eine kritische Phase, in der Geschick und Erfahrung des Landwirtes gefordert sind. "Beim Winterweizen beginnt in den nächsten Wochen die sogenannte Bestockung; das heißt, die Pflanzen bilden Seitentriebe." Der Landwirt unterstützt diesen Prozess von Fall zu Fall mit Stickstoffdünger - die Dosierung muss präzise sein, sonst fällt die Bestockung zu schwach oder zu stark aus. "Beides ist nicht gut", betont Küskens; "hier muss der Landwirt zeigen, was er kann."

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Generell ist dieses Know-how wichtig. Die Landwirte sind Spezialisten, und nicht jeder, der sich perfekt mit Kartoffelpflanzen auskennt, versteht auch etwas von Getreide. Daher hat sich im Raum Krefeld-Viersen Feldertausch zwischen den Landwirten eingebürgert. "97 Prozent der Flächen werde noch nach der klassischen Fruchtfolge bewirtschaftet", sagt Küskens; "Nachbarn tauschen dann die Flächen: Ein Kartoffelbauer baut auf dem Feld des Nachbarn wieder Kartoffeln an, während der Nachbar das, wovon er am meisten versteht, angeht. Wenn man sich vertraut, ist das die beste Lösung", berichtet Küskens. Monokulturen gebe es kaum in der Region. "Eigentlich kann man nur Mais auf Mais anbauen. Bei der Kartoffel etwa geht das auf keinen Fall. Die Gefahr, dass die Pflanzen von Kartoffelfäule befallen werden, ist viel zu groß."

Generell beschäftigt das Thema Klimawandel die Landwirte erheblich. Zum einen gibt es laufend Neuzüchtungen, die besser mit milderen Wintern oder generell extremen Wetterlagen zurechtkommen sollen. Europäische Besonderheit: Neuzüchtungen müssen vom Sortenamt genehmigt werden. So werde Qualität garantiert, erläutert Küskens. Dies sei mit ein Grund, warum die Erträge in Europa höher sind als in anderen Erdteilen. "Das ist ein hohes Gut", betont er.

Zum anderen werden die Einschätzungen des Landwirtes immer wichtiger. Der Niederkrüchtener Küskens hat etwa in diesem Jahr Gerste angebaut, weil er im vergangenen Jahr beobachtet hat: Während der Weizen in der beginnenden Wärmeperiode zu vertrocknen begann, konnte die Gerste pünktlich geerntet werden. Die Frage, ob man sich für früher oder später erntereif werdendes Getreide entscheidet, wird Küskens zufolge immer wichtiger: Zwar seien die Erträge höher, wenn Getreide später reif wird, aber das Risiko steige auch deutlich an, weil die Wetterlagen extremer werden.

(RP)