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Rheinberg: "Bauchgefühl" rettet Familie vor Betrug

Rheinberg : "Bauchgefühl" rettet Familie vor Betrug

Der Anbieter für Steinteppiche, den die Rheinberger auf der Baumesse trafen, ist der Handelskammer unbekannt.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, das Garagendach abdichten und gleichzeitig als Balkon für die Einliegerwohnung attraktiv gestalten zu lassen, besuchten Susanne Verch und ihr Ehemann die Rheinberger Baumesse. Das Ehepaar wurde fündig. Ein Anbieter für Steinteppiche aus dem Münsterländischen schien die richtige Lösung zu bieten. "Ein Herr, den wir für den Vertreter dieser Firma hielten, kam zu uns nach Hause, wir haben einen Vertrag abgeschlossen", berichtet Susanne Verch. Doch dann kamen die Bauchschmerzen.

Irgendwie kam dem Paar die Sache "fischig" vor. Zu viele Ungereimtheiten, die Zweifel an einem seriösen Handwerksunternehmen aufkeimen ließen. Vorsichtshalber hat Susanne Verch den geschlossenen Vertrag erst einmal widerrufen. Auch ein Anruf des bereits bekannten Firmenvertreters konnte sie nicht mehr umstimmen, so dass dieser schlussendlich auf die Durchsetzung einer vertraglich vereinbarten Abstandssumme verzichtete.

Dieses Telefonat brachte aber schließlich die merkwürdige Verquickung von Herstellerfirma, Verlegebetrieb und dem doch schwer durchschaubaren "gemeinsamen" Messeauftritt an Tageslicht. Denn der Vertreter, mit dem Susanne Verch und ihr Mann auf der Messe gesprochen und später zu Hause den Vertrag geschlossen hatten, stellte sich als Inhaber und Geschäftsführer des Stein-Herstellerbetriebes, nicht aber des auf der Baumesse ausstellenden Verlegebetriebes vor. Es sei für sie schlicht nicht zu erkennen gewesen, dass sie es auf dem Messestand eigentlich mit zwei verschiedenen Firmen zu tun hatte, so Susanne Verch. "Einen Vertreter des Verlegebetriebs habe ich auf der Messe gar nicht gesehen", betont die Rheinbergerin. Der war dann aber Vertragspartner - verteten durch einen Vertreter der Herstellerfirma. Ein merkwürdiges Konstrukt. Wer ist eigentlich wer, und wer gehört zu wem? Das blieb für Verch und ihren Mann lange im Dunkeln.

Das sprichwörtliche ungute Bauchgefühl hatte Susanne Verch dazu gebracht, im Internet zu recherchieren. Damit war der Stein ins Rollen gebracht. "Verschiedene Einträge lassen darauf schließen, dass die Herstellerfirma früher mit einem anderen Verlegebetrieb zusammengearbeitet hat", erzählt Susanne Verch, was das World Wide Web preisgibt. Doch die Kritiken von Kunden seien vielfach vernichtend gewesen. So könne man vermuten, dass der Steinhersteller sich über den neuen Verlegebetrieb einen sauberen Vertriebsweg eröffnen wollte. "Der Hersteller selbst verfügt übrigens über keinen eigenen Internetauftritt", betont Susanne Verch. Die Online-Präsenz des Verlegebetriebs sei es gewesen, die sie stutzig gemacht habe. Die habe nämlich kein Impressum, berichtet die Rheinbergerin. Das ist aber für deutsche Seiten, die mit wirtschaftlichem Interesse betrieben werden, verpflichtend. Zudem habe die auf der Website angegebene Anschrift nicht mit der im Auftrag angegebenen Adresse übereingestimmt. "Das kann natürlich ein Schreib-/Tippfehler sein", hält Verch wohlwollend zugute. Allein: Rechtschreibfehler gibt es einige auf der Firmenseite, deren Textbausteine sich in Teilen wortgleich auf zumindest einer anderen Internetseite finden. Ein Blick ins Telefonbuch ergab "keinen Treffer". Nirgends ein Eintrag der Firma.

Ein Anruf bei der für den im Auftrag angegebenen Firmensitz zuständigen Handwerkskammer bzw. Handelskammer brachte endgültig Ernüchterung und ließ schließlich die Alarmglocken schrillen. "Bei beiden Einrichtungen liegt kein Eintrag auf den Namen des uns bekannten Firmeninhabers vor", berichtet Verch.

Nach langem Hin und Herr heißt es für das Ehepaar nun: Ende gut, alles gut. Finanzieller Schaden ist zum Glück nicht entstanden, doch der ganze Aufwand und Ärger hat sie in Atem gehalten. Susanne Verch zieht daraus ihre Konsequenzen und appelliert an alle, gerade bei unbekannten Anbietern drei Mal hinzuschauen, mit wem man welchen Vertrag schließe.

Den Messeveranstalter hat sie übrigens ebenfalls über den Vorfall informiert und rät, dem Anbieter auf den Zahn zu fühlen, damit nicht möglicherweise ein Schwarzes Schaf eine ganze Veranstaltung bzw. Branche in Misskredit bringt. "Wir nehmen solche Hinweise gerne an, um die Anbieter direkt zu überprüfen und gegebenenfalls zu sperren", sagt Marcel Becker, Veranstalter der Rheinberger Baumesse, und betont, dass ihm Vorfeld keinerlei Unregelmäßigkeiten aufgefallen seien. "Wir lassen uns bei der Anmeldung immer den Gewerbeschein vorlegen, schauen, ob im Schriftverkehr Probleme auftreten", so der Veranstalter. Doch wenn Anbieter in betrügerischer Absicht auftreten, geschehe das meist professionell und sei im Vorfeld schwer auszumachen.

(RP)