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Interview: Einbrechern erfolgreich auf der Spur

Interview : Einbrechern erfolgreich auf der Spur

Kriminaldirektor Johannes Hermanns erklärt, wie die Ermittlungskommission Einbruch arbeitet.

Sie sind seit einem halben Jahr in Mettmann und haben eine Ermittlungskommission Wohnungseinbruch gegründet. Besteht hier besonderer Bedarf?

Johannes Hermanns Die Ermittlungskommission gibt es seit dem 15. Oktober. Sie ist mit sieben Beamten besetzt, die sich ausschließlich mit Wohnungseinbrüchen beschäftigen. Auch aufgrund der erfolgreichen Arbeit dieser Kommission gehe ich davon aus, dass wir in diesem Jahr die beste Aufklärungsquote seit Jahren haben werden. In den vergangenen Jahren lag die Quote immer unter zwölf Prozent.

Die Ermittlungskommission ordnet unter anderem Beute aus Einbrüchen anderen Fällen zu, um den Tätern weitere Vorfälle nachzuweisen. Gibt es eine Datenbank, in der Sie alle geraubten Stücke suchen können?

Hermanns Wir stellen grundsätzlich alle individualisierbaren Beutestücke aus Wohnungseinbrüchen und sonstigen Straftaten in unsere Sachfahndungsdatei ein. Das ist eine Datenbank, die bundesweit von allen Polizeibeamten abgefragt werden kann. Wichtig ist aber, dass sich die Leute die Individualnummern ihrer Wertgegenstände notieren, weil die Zuordnung von Beutestücken ansonsten eine kaum lösbare Sisyphosarbeit ist. Digitalkameras, Smartphones, wertvolle Uhren – sie alle haben jeweils eine Nummer. Die brauchen wir, um dann die gefundenen Gegenstände zuordnen, den Tätern auch die Einbrüche nachweisen und den Opfern die Beute dann auch zurückgeben zu können. Das ist sicherlich ein wichtiger Tipp: Man sollte sich unbedingt die Nummern aufschreiben – übrigens auch die Rahmennummer des Fahrrades.

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Ist der Kreis Mettmann ein beliebtes Einbruchsgebiet?

Hermanns Für einen ländlich strukturierten Kreis sind wir in den letzten beiden Jahren erheblich belastet. Das liegt auch an der verkehrsgünstigen Lage, ich glaube, wir sind der Kreis mit den meisten Autobahnanschlüssen. Das nutzen die Täter natürlich. Zudem gibt es hier viele höherwertige Objekte, die Täter anziehen.

Wie steht Mettmann denn im Vergleich zu Düsseldorf da?

Hermanns Der Kreis Mettmann hat etwa 500 000 Einwohner, Düsseldorf etwa 100 000 mehr. Aber dort gab es 2011 etwa doppelt so viele Einbrüche wie im Kreis Mettmann, wo es im vergangenen Jahr 1650 Fälle waren. Das ist aber nicht vergleichbar, weil die Tatgelegenheiten in einer Großstadt für die Täter besser sind, man sich beispielsweise besser verstecken kann, es dort anonymer ist. Generell gibt es seit einigen Jahren eine enorme Steigerung der Wohnungseinbrüche, etwa um 40 bis 50 Prozent. Die neue Ermittlungskommission soll helfen, dagegen zu steuern.

Inwiefern hilft die neue Ermittlungskommission?

Hermanns Erstens konnten sich die Kollegen spezialisieren und haben dadurch einen besseren Blick. Sie befassen sich ausschließlich mit Einbrüchen. Zweitens haben wir die Spurensicherung an den Tatorten umgestellt, um die Täter besser überführen zu können. Das bedingt allerdings auch, dass wir teilweise mehrfach zu den Betroffenen kommen müssen.

Arbeiten die Städte eng zusammen?

Hermanns Die Täter orientieren sich nicht an Behördengrenzen. Es ist deshalb wichtig, ganz eng mit den Kollegen aus unseren Nachbarbehörden zusammenzuarbeiten. Durch unsere neue Ermittlungskommission ist diese Zusammenarbeit noch einfacher geworden, denn unsere Partner haben nur noch einen Ansprechpartner. Ich kann einen aktuellen Fall schildern: Es gab in Neuss einen Wohnungseinbruch. Der Täter klingelte, aber die Wohnungsinhaberin machte nicht auf. Also dachte der Täter, der aus Unterbach stammt, dass er dort einbrechen könnte. Die Frau versteckte sich auf ihrem Balkon und rief die Polizei. Der Mann wurde im Treppenhaus verhaftet. Bei ihm wurde dann Beute gefunden, die aus fünf Einbrüchen in Erkrath stammt. Diese Straftaten konnten wir gemeinsam mit unseren Kollegen aus Neuss schnell aufklären.

CORINNA KUHS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)