Serie: Rätsel der Stadt (13): Steinkugel im Botanischen Garten

Serie: Rätsel der Stadt (13): Steinkugel im Botanischen Garten

Wie kommt der runde 70 x 70 Zentimeter große Stein in den Neusser Park?

Plötzlich liegt da diese Steinkugel. Mit 70 mal 70 Zentimetern ist sie stattlich und nicht zu übersehen. Wer den Botanischen Garten besucht, der erwartet eine Vielfalt an Blumen, Sträuchern und Bäumen. Doch wer sich vom Haupteingang an der Bergheimer Straße seinen Weg zum Pflanzenschauhaus im einen Hektar großen Park sucht, den überrascht unweit des kleinen Sees dieser mächtige runde Stein. Warum liegt er dort? Hat er eine Funktion? Dient er der Zierde? Wer hat ihn an dieser markanten Stelle im Botanischen Garten platziert?

Während der unvorbereitete Spaziergänger ratlos vor dem Stein stehen mag, haben die Kenner wie Stadtarchivleiter Jens Metzdorf oder Georg Gremmer vom Förderverein das Geheimnis längst gelüftet. Die Steinkugel ist ein Zierobjekt, das Teil einer Absperrung der Treppenanlage am alten Museum am Markt war. Im Zweiten Weltkrieg, in dem das Museum zerstört wurde, wurde auch die Steinkugel aus ihrer Verankerung gerissen. Sie lag vor dem bronzenen Löwen am Zeughaus. Das belegt ein Foto aus dem Jahr 1945.

In den Nachkriegsjahren kamen zwei Entwicklungen zusammen. Zum einen wurden die Trümmergrundstücke geräumt; zum anderen fehlte Material für den Wiederaufbau. So auch im Botanischen Garten, der rekonstruiert beziehungsweise erweitert wurde. Gemeinsam mit Treppenstufen und Schutt aus den Resten des Museumsgebäudes kam auch die Kugel in den kleinen Park im Dreikönigenviertel. Dort dient sie seither als dekoratives Element in einem Beet unter einer Sumpf-Zypresse.

Der Botanische Garten, zwischen Bergheimer- und Körnerstraße gelegen, wurde vor mehr als hundert Jahren nach Plänen von Gartendirektor Franz Kellermann angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Gartenamtsleiter Heinrich de Cleur, der den Wiederaufbau und die Erweiterung des Gartens vorantrieb. 1961 erfolgte die Eröffnung.

Anfangs der 1980er Jahre geriet die Grünanlage ins Vergessen, ehe mit der Jahrtausendwende die Revitalisierung einsetzte. Auch ein Verdienst des Fördervereins, dem Georg Gremmer angehört: "Dieses Kleinord ist reichhaltig und vielfältig." Mit dem nahenden Frühling lohnt ein Besuch umso mehr.

(-lue)