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Neuss: Allerheiligen: Wachstum schafft Probleme

Neuss : Allerheiligen: Wachstum schafft Probleme

Allerheiligen ist der am schnellsten wachsende Stadtteil. Doch die soziale Infrastruktur kommt da nicht mit.

Vom ein paar hundert Seelendorf Mitte der 1980er zum Motor von Neuss: Allerheiligen ist der am rasantesten wachsende Stadtteil. Zählte das etwa fünf Quadratkilometer große Gebiet im Südosten 2003 noch 4200 Einwohner, sind es nun mehr als 7000. Der Stadtteil ist eine der wesentlichen Bremsen am Bevölkerungsrückgang, mit dem die meisten vergleichbaren Kommunen kämpfen. Und Allerheiligen wächst weiter. Am Freitag wird der Rat voraussichtlich einen weiteren Schritt beschließen: Auf dem Gelände des Illinghauser Hofs sollen 17 Gebäude entstehen, freistehende Einfamilien- sowie Doppelhäuser. Die Stadt bewirbt Allerheiligen auf ihrer Internetseite als "liebenswerter und überschaubarer Stadtteil der kleinen Nachbarschaften". Dieses harmonische Bild sieht die Politik in Gefahr. "Die soziale Infrastruktur kommt nicht mit", sagt Allerheiligens Stadtverordneter Ingo Stolz (SPD). Schule Dass der Stadtteil mit vielen jungen Familien eine eigene Grundschule bekommt, ist erstmal vom Tisch. Es hatten sich nicht genug Eltern gefunden, die ihre Kinder auf eine Schule vor Ort schicken wollten. "Aber das lag an vielen anderen Faktoren als dem Bedarf", sagt Stolz. Etwa daran, dass die Kinder die ersten zwei Jahre noch in Rosellen zur Schule hätten gehen müssen, bis das neue Gebäude fertig gewesen wäre. "Da denken sich die Eltern: ,Für die zwei Jahre kann mein Kind auch weiter nach Rosellen gehen'." Gerade mit weiterem Zuzug, würde der Bedarf nach einer eigenen Schule weiter wachsen. Allein für den Transport der Schulkinder nach Rosellen gebe die Stadt 100 000 Euro im Jahr aus. CDU-Kollege Herbert Hilgers gibt derweil aber zu bedenken, dass wegen der demografischen Entwicklung der Bedarf grundsätzlich rückläufig sei. Treffpunkt Die Planung für einen Ort, etwa den Bürgersaal, an dem sich Nachbarschaften und Vereine treffen können, stockt derzeit aus finanziellen Gründen. "Auch für Feste gibt es derzeit nur die Möglichkeit, ein Zelt aufzustellen. Das ist nicht optimal", sagt Hilgers. Stolz betont, dass gerade ein solcher Ort für den Zusammenhalt in Allerheiligen unerlässlich sei. "Für die Menschen ist das ja wichtiger als Aldi und Rewe", sagt Stolz. ÖPNV Die neuen Baugebiete sind noch nicht optimal angebunden. Die sich aus Sicht der SWN nicht selbst tragende Buslinie 850 (plus Taxibus) wird mit 400 000 Euro im Jahr von der Stadt finanziert. "Allerdings könnte die 850, die den gleichen Linienweg fährt — nur etwas später — gestrichen werden und dafür die 841 über den S-Bahnhof geführt werden", sagt Stolz. Über diese Idee herrscht politischer Konsens. Derzeit prüft die Verwaltung die Optimierung des ÖPNV im Neusser Süden; die SWN hat dazu Fahrgastzahlen gemeldet. "Für 2013 fließt das Geld für die 850 noch", sagt SWN-Sprecher Jürgen Scheer.

Senioren Zwar ziehen viele junge Familien nach Allerheiligen, aber "wer mal der jüngste Ortsteil ist, ist auch irgendwann mal der älteste", sagt Stolz. Seniorenwohnen, etwa am Kuckhof müsste daher verwirklicht werden. Er werbe schon beim Bauverein dafür, um ihn als Träger zu gewinnen. Hilgers könnte sich seniorengerechtes Wohnen auch bei dem aktuellen, neuen Projekt Illinghauser Hof vorstellen.

(NGZ/url)