1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Serie Ngz-Adventskalender: Die gute Seele der DRK-Kleiderkammer

Serie Ngz-Adventskalender : Die gute Seele der DRK-Kleiderkammer

Hinter der Tür der Kleiderstube des Roten Kreuz finden Bedürftige oft sogar Markenkleidung, die andere abgegeben haben.

Neuss Anzüge, Bettwäsche, Schuhe – in der DRK-Kleiderstube gibt es so gut wie alles. Die Regale sind bis zur Decke gefüllt mit allen nur vorstellbaren Kleidungsstücken, in einem extra Raum gibt es alle erdenklichen Schuharten. Besonders gefragt sind derzeit natürlich die Winterstiefel. "Leider haben wir einen Stiefel-Engpass und hoffen noch auf Winterkleidungs-Spenden", sagt Daniela Boy, Sozialpädagogin und Leiterin der Kleiderstube.

Wann diese Türe offen ist, hat sich in Neuss herumgesprochen. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Die Tür steht allen offen. "Die Leute brauchen keinen Nachweis, dass sie bedürftig sind", sagt die 43-Jährige. Schließlich soll niemand abgeschreckt werden. Deshalb ist es den Mitarbeitern auch wichtig, den Besuchern nur saubere Kleidung anzubieten.

Insgesamt 13 Kleidercontainer stehen in Neuss. Nach der Leerung – zweimal wöchentlich – werden die Kleider sortiert. "Oft sind Dinge dabei, die partout nicht mehr zu gebrauchen sind", erzählt Boy. Am liebsten ist es den Mitarbeitern, wenn Leute ihre Altkleider vorbeibringen. "Das sind dann meistens Dinge, die in gutem Zustand sind", sagt die Leiterin der Kleiderstube. Zu erstehen ist die Kleidung gegen einen kleinen Spendenbetrag. So wird beispielsweise ein Pauschalbetrag von 3,60 Euro für eine Jacke berechnet. Oft wundert sich das Mitarbeiter-Team darüber, was für Kleidung abgegeben wird. "Wir haben erstaunlich viel Markenkleidung", berichtet die Sozialpädagogin. Für "besondere" Sachen gibt es eine separate Kleiderstange: Keine Seltenheit, dass auf ihr Pelzmäntel oder Lederjacken hängen.

Daniela Boy ist Leiterin eines achtköpfigen Mitarbeiterteams, darunter fünf Ehrenamtler und drei 1,50-Euro-Jobber. Doch das Deutsche Rote Kreuz hat Nachwuchssorgen. "Ich befürchte, dass uns in Zukunft die ehrenamtlichen Kräfte fehlen werden", prophezeit Boy. Neben dem Schreiben der Dienstpläne, der Organisation und dem Personalmanagement ist Boy Beraterin für Senioren und Menschen mit Migrationshintergrund. "Die Mischung macht meinen Job sehr abwechslungsreich", erzählt sie. "Ideal ist es, dass alle drei Aufgabenbereiche hier stattfinden." Dadurch kommt sie mit den Besuchern der Kleiderstube ins Gespräch und kann unter Umständen schnell und effizient beraten und Hilfestellung leisten. Immer werktags zwischen 8 und 13 ist die Kleiderstube auf der Tückingstraße geöffnet. Das hat sich in den 20 Jahren, in denen sie dort existiert, herumgesprochen. Pro Tag kommen etwa 30 bis 40 Menschen, um durch die Klamotten zu stöbern. Doch die Kleiderstube ist inzwischen schon mehr als ein Ort, an dem sich Bedürftige mit neuer Kleidung eindecken können: "Man kann die Räume hier schon fast Begegnungsstätte nennen", erzählt Boy schmunzelnd. Denn die Menschen lernen sich kennen, nutzen die Kleiderstube als Treffpunkt, um sich auszutauschen, zu klönen und miteinander Spaß zu haben.

(NGZ)