Serie Die Ausbildungsinitiative Kreis Wesel - Präsentiert Von Altana (folge 8): Bäckerei bietet Flüchtlingen Chancen

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Joachim Hundt kann ein Lied davon singen, wie schwierig es heutzutage ist, geeignete Mitarbeiter oder auch Auszubildende zu finden. "Wir suchen händeringend Fachkräfte, finden sie aber nicht", berichtet der für die Produktion im Dinslakener Bäckereibetrieb Schollin zuständige Betriebsleiter.

Als es um die Frage ging, ob sich das Lehrlingsproblem bei Schollin möglicherweise durch Flüchtlinge entschärfen lasse, hatte Joachim Hundt so seine Bedenken und war skeptisch, wie er freimütig eingesteht. Doch von diesen anfänglichen Vorbehalten ist nichts übrig geblieben. Mit größtem Respekt spricht er von Minhaz Oddin und Ahamed Jahangir, die seit einigen Monaten ein ausbildungsvorbereitendes Praktikum absolvieren. Für Hundt gehören sie inzwischen zum Team, er lobt ihre Einsatzbereitschaft und ihre Zuverlässigkeit. Zwei Mal in der Woche gehen die beiden Praktikanten, die in einer Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarstadt Voerde leben, mit den Schollin-Lehrlingen in das Dinslakener Berufskolleg und nehmen dort auch am Unterricht teil. So lernen sie den Schulalltag kennen, ohne gleich irgendwelchem Druck ausgesetzt zu sein, und erfahren frühzeitig, was später in der Ausbildung außer der Arbeit im Betrieb noch auf sie zukommt. In Bangladesch gibt es so etwas wie eine Berufsaubildung nicht, wie Jahangir und Oddin berichteten. Der 30-jährige Jahangir hat in seiner Heimat mal als Bäcker gearbeitet und freute sich deshalb über die Möglichkeit, bei Schollin ein Praktikum machen zu können. "Die Arbeit macht mir viel Spaß", sagt Ahamed Jahangir.

Um den beiden Praktikanten - Jahangir lebt seit sechs Jahren in Deutschland, Oddin seit zwei - zu helfen, ihr Deutsch in Wort und Schrift weiter zu verbessern, bietet das Bäckerei-Unternehmen ihnen die Möglichkeit, einmal in der Woche am Deutschunterricht teilzunehmen, der im Betrieb stattfindet und dort von Petra Kürzel gegeben wird. Sie arbeitete bis vergangenen Monat als Berufsschullehrerin in Düsseldorf, dann ging sie in den Ruhestand - die Aufgabe, die Flüchtlinge zu unterrichten, hat sie gern übernommen.

Christian Parnitzke, Koordinator der Integration-Points im Bezirk der Agentur für Arbeit, ist voll des Lobes über das Engagement des Dinslakener Bäckereibetriebes in der Flüchtlingsarbeit und die enge Bindung, die dadurch zu diesen Menschen aufgebaut wird - für ihn stellt das fast schon den Idealfall dar.

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Betriebsleiter Joachim Hundt ist inzwischen zuversichtlich, auf diesem Weg künftig dringend benötigtes Fachpersonal zu bekommen. Die beiden Männer aus Bangladesch hätten bei allen Kollegen, mit denen sie zu tun gehabt hätten, einen guten Eindruck hinterlassen. "Es macht Spaß, mit diesen Jungs zu arbeiten. Sie kommen schon morgens mit einem Lächeln in die Produktion", erzählt Hundt. Was er von Mitarbeitern erwartet, ist, dass sie sich - wie beim Fußball - in eine Mannschaft einfügen und nach Möglichkeit mit allen klarkommen. Dies sei Oddin und Jahangir gelungen. Und wer ins Team passt, der hat bei Schollin gute Zukunftschancen, wie Hundt sagt.

Der 1853 gegründete Familienbetrieb beschäftigt mittlerweile an die 750 Mitarbeiter und betreibt zahlreiche Filialen in mehreren Städten. Etwa 90 Prozent der Lehrlinge, so Joachim Hundt, erhalten nach erfolgreichem Abschluss ihrer Lehre einen Gesellenplatz. Im Betrieb stehen ihnen dann viele Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung offen, das gelte auch für Ahamed Jahangir und Minhaz Oddin.

Die guten Erfahrungen, die die Bäckerei Schollin mit Flüchtlingen gemacht hat, sind nach Aussage von Christian Parnitzke kein Einzelfall. Etlichen kleineren Betrieben, die Schwierigkeiten haben, Nachwuchs zu finden, gehe es ähnlich. Auch dort überzeugten Flüchtlinge durch Motivation und Zuverlässigkeit, zudem verfügten sie oft über berufliche Erfahrungen aus ihrer Heimat.

(RP)