Mönchengladbach: Von Frauenhand vertont

Mönchengladbach: Von Frauenhand vertont

Bei einem "Szenischen Liederabend" im gut besuchten Studio des Theaters erklangen Goethe-Vertonungen von Komponistinnen. Susanne Seefing konzipierte den Abend in aufwendiger Recherchearbeit.

Den Frauen alle die Rechte zuzubilligen, die Männer ganz selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen, war zu allen Zeiten ein Konfliktthema, das auch heute noch nicht überwunden ist. Wie problematisch sich das in der Vergangenheit auch für anerkannte Komponistinnen gestaltete, zeigte ein "Szenischer Liederabend", den Susanne Seefing, Mitglied des Theaterensembles, liebevoll und in aufwendiger Recherchearbeit konzipiert hatte und mit ihrem Tenor-Kollegen Markus Heinrich sowie den vier Mitgliedern des Opernstudios im gut besuchten Studio des Theaters präsentierte. Studienleiter Karsten Seefing begleitete sorgfältig und anpassungsbereit am Flügel.

Die Studiobühne war anheimelnd ausstaffiert - außer mit dem Flügel mit zwei Schreibtischen, einer Büchervitrine und einer Bank. Am größeren Schreibtisch mit Kerzenleuchter und der obligatorischen Flasche Wein nahm Markus Heinrich alias Johann Wolfgang von Goethe in Rokokokleidung mit Perücke Platz - der Dichter zeigte sich als Wegbereiter einiger Komponistinnen, da er deren Vertonungen seiner Texte ausdrücklich wünschte. Beispielsweise drängte er Felix Mendelssohn Bartholdy (Alexander Kalina) eindringlich, dessen hoch begabter Schwester Fanny häufiger beim Komponieren den Vortritt zu lassen, was dieser gar nicht oder nur zähneknirschend akzeptierte. Fanny Hensel (Susanne Seefing), die immerhin 249 klavierbegleitete Lieder schrieb, reagierte entsprechend enttäuscht. Auch Josephine Lang (Panagiota Sofroniadou), eine Schülerin Mendelssohns, gehörte zu Goethes bevorzugten Tonsetzerinnen, ebenso Corona Schröder, die Goethes "Erlkönig" vertonte. Deren Version sagte dem Dichterfürsten, wie er ausführte, weit mehr zu als die bekannte von Franz Schubert.

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Doch es ging an diesem anregenden Abend nicht nur um die Problematik, mit der die komponierenden Frauen zu kämpfen hatten. Vor allem machten die Sängerinnen und Sänger mit völlig vergessenen musikalischen Edelsteinen bekannt. Agnes Thorsteins fesselte mit ihrer besonderen Ausdrucksintensität im schon erwähnten "Erlkönig" und machte sich zum Anwalt von Pauline Viardot, deren Lied vom verzweifelten Kampf der Mutter um ihr uneheliches Kind kündet. Panagiota Sofroniadou sang voller Liebreiz vom "Frühzeitigen Frühling" aus der Feder von Josephine Lang und präsentierte mit Sopranglanz "Das Veilchen" von Clara Schumann - einer Komponistin, deren Werke teilweise unter dem Namen ihres berühmten Mannes erschienen.

Susanne Seefing sang mit ganz ausgeglichenem, sich frei entfaltendem Mezzo "ihre", also Fannys, Lieder "Sehnsucht nach Italien", "Harfners Lied" oder "Wanderlied". Alexander Kalina glänzte mit "Lebet wohl, geliebte Bäume" (Lang) und "Italien" (Hensel). Jeannette Bürde (1799-1874), Frau des Malers Friedrich Leopold Bürde, vertonte das bekannte "Heideröslein", das Opernstudio-Mitglied Alexander Liu mit ebensolchem tenoralem Schmelz interpretierte wie das "Wanderlied" der Österreicherin Mathilde Kralik von Meyerswalden (1857-1944), deren verwandtschaftliche Bezüge bis nach Krefeld reichten. Auch "Goethe" beteiligte sich mehrfach mit ausgeglichenem Tenor einfühlsam am vokalen Reigen, unter anderem mit dem Lied "Gefunden", das die 15-jährige Susanne Seefing im Jahre 1985 komponierte. Zum Abschluss vereinigten sich die Protagonisten zu einem gemeinsamen Vortrag: Fanny Hensels "Wenn ich mir in stiller Seele" - auf einen Text, den Goethe explizit für die viel zu wenig beachtete Liedkomponistin schrieb. Für den reichen Beifall erhielt das Publikum noch Hensels Lied "März".

(oeh)
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