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Mönchengladbach: Sven Lau bricht sein Schweigen

Mönchengladbach : Sven Lau bricht sein Schweigen

Im Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht stellte der Angeklagte 35-Jährige gestern selbst Fragen an den Zeugen, einen ehemaligen Freund.

Schweigend wolle er sich verteidigen, hatte der ehemalige Feuerwehrmann Sven Lau bereits am ersten Prozesstag im Hochsicherheitstrakt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht erklärt. Am gestrigen Verhandlungstag war dann aber plötzlich die Stimme des 35-Jährigen zu vernehmen. Der Angeklagte brach überraschend sein wochenlanges Schweigen und wollte nun ebenfalls Fragen an den Zeugen stellen. "Aber wir brauchen hier keine Freundlichkeiten auszutauschen", reagierte der Zeuge Ismail I. gelassen. "Du hast dich gebrüstet, dass du einen Krankenwagen nach Syrien gebracht hast", antwortete der 26-Jährige auf die hervor gesprudelten Fragen des sichtlich aufgeregten Lau, der sofort mit dem Protestruf "Du lügst" reagierte.

"Kann es kaum erwarten, bis wir uns auf den Weg nach Syrien machen", soll Sven Lau dem ehemaligen Freund seinerzeit vorgeschwärmt haben. Der Salafistenprediger habe ihn damals beeindruckt, hatte sich der 26-Jährige erinnert. Aber vor Gericht hatte er bereits erklärt, dass Lau ihn enttäuscht habe. Schließlich sei dieser nie als Kämpfer mit nach Syrien gekommen.

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"Ich gebe hier nur weiter, was du mir gesagt hast und was ich von anderen gehört habe", so der Zeuge. Kaum Luft holend, brach es aus dem Angeklagten heraus: "Du willst doch nicht etwa sagen, dass ich der Grund war, dass du nach Syrien gegangen bist?" Unbeeindruckt erwiderte der 26-Jährige: "Nein, ich wollte auch nach Syrien gehen, weil ich gegen Assad, den Massenmörder, kämpfen wollte. Meine Familie hat bereits unter dessen Vater gelitten. Und du hast mir die Ausreise nach Syrien ermöglicht."

Stolz gab Ismail I. danach bekannt, dass er am Donnerstag aus der Haft entlassen worden sei. Das sei die Zweidrittel-Lösung der Strafverbüßung, die ihm zugutekomme. "Die Gerichte sind nicht dumm. Pack lieber aus. Da kommst du besser weg", mahnte am Ende der ehemalige Freund und lächelte dabei in Richtung des Mönchengladbachers.

Der angeklagte Salafistenprediger soll 2013 in vier Fällen eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt haben. Der 35-Jährige soll außerdem Glaubensbrüder dazu gebracht haben, sich am militanten Dschihad in Syrien zu beteiligen und dabei den bedingungslosen Einsatz für den Islam einzufordern. So soll Lau auch den 26-jährigen Ismail I. als Syrienkämpfer in eine Kampfeinheit vermittelt haben, die von Laus Freund Konrad S. angeführt wurde. In einer ausführlichen Zeugenaussage hatte I. tagelang die zahlreichen Fragen des Gerichts, des Bundesanwalts und des Verteidigers beantwortet. Das Stuttgarter Oberlandesgericht hatte ihn wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt.

(RP)