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Mönchengladbach: Leiden der Lundehunde aufgeklärt

Mönchengladbach : Leiden der Lundehunde aufgeklärt

Sie sterben eines schmerzvollen Todes: Ein Gendefekt ist schuld am Lundehund-Syndrom. Die Mönchengladbacherin Nicole Kamphausen setzt sich für den Erhalt der seltenen norwegischen Hunderasse ein und betreibt Aufklärung.

Die Mönchengladbacherin Nicole Kamphausen setzt sich für eine Wende in der Zucht der Lundehunde ein. Denn die seltene norwegische Hunderasse, von der es in Deutschland nur rund 60 Tiere gibt, ist nicht gesund. Viele von ihnen sterben eines jämmerlichen und qualvollen Todes. Das sogenannte "Lundehund-Syndrom" (LS) ist dafür verantwortlich, dass die Tiere erbrechen, an schwerem Durchfall leiden und keine Nahrung mehr bei sich behalten können. Die Folgeschäden reichen von Nierenversagen über Magen-Darm-Krebs bis hin zum Schlaganfall. Die Lundehund-Züchter sind sich keiner Schuld bewusst und machen die Halter für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich. Zu viel Stress und falsches Futter ist ihre Erklärung. Doch Nicole Kamphausen ist der Sache auf den Grund gegangen.

In mühevoller Kleinarbeit hat sie 160 Stammbäume erkrankter Hunde zusammengetragen. Auf ihre Initiative hin wurde 2008 ein Forschungsprojekt an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ins Leben gerufen. Dazu rief Nicole Kamphausen Lundehundbesitzer auf, Blutproben ihrer Hunde an die Hochschule zu schicken. 31 Proben der seltenen Hunderasse, von der es in Europa nur noch 1000 Exemplare gibt, kamen in fünf Jahren zusammen.

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Professor Dr. Ottmar Distl, Direktor des Instituts für Tierzucht und Vererbungsforschung, untersuchte die Proben und stellte fest, dass es sich bei dem Lundehund-Syndrom um einen Gendefekt handelt. Be-troffen sind die Hundechromosome 5 und 34. Sie stehen in Verbindung mit dem Auftreten der chronischen Darmentzündung. Um die Ergebnisse mit weiteren Untersuchungen stützen zu können, hat Distl Züch-ter und Lundehundbesitzer dazu aufgerufen, ihre Tiere auf das Lundehund-Syndrom testen zu lassen. 250 Euro kostet der Test auf Lundehund-Syndrom. Nicole Kamphausen hat ihren Rüden Laurin schon testen lassen und hofft, dass auch andere ihrem Beispiel folgen. "Ich möchte, dass die Rasse wieder gesund wird", betont die 43-Jährige. Der Test auf das Lundehund-Syndrom hat bei ihrem Hund Laurin ergeben, dass er gesund ist. Von ihm will Nicole Kamphausen nun Sperma einfrieren lassen, um eine ebenfalls gesunde Hündin damit befruchten zu lassen.

Doch die Reaktionen seitens des Zuchtverbands DCNH sind ernüchternd. "Keiner der deutschen Züchter hat auf das Projekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover aufmerksam gemacht oder es auf den Internetseiten verlinkt", sagt Nicole Kamphausen enttäuscht. Laut der Mönchengladbacherin verkaufen die Lundehund-Züchter ihre Tiere nach wie vor als mangelfrei.

1500 Euro müssen die Käufer für einen Lundehund bezahlen. Rund 15 000 Euro hat Nicole Kamphausen in zweieinhalb Jahren für Medikamente ausgegeben, um ihren am Lundehund-Syndrom erkrankten Rüden Vitani zu helfen. Im September 2012 musste sie ihren Liebling schließlich einschläfern lassen.

Der Lundehund zählt nicht nur zu den ältesten Hunderassen Norwegens, er ist auch ein kleines anatomisches Wunder. Ein Lundehund kann seinen Kopf bis auf den Rücken zurückbeugen, seine Vorderläufe so weit auseinanderspreizen, dass sie waagerecht neben seinem Körper anliegen und seine Stehohren so verschließen, dass der Gehörgang vor Staub und Feuchtigkeit geschützt ist. An jedem Fuß hat er sechs Zehen ausgebildet, wobei oft eine siebente Zehe im Ansatz vorkommt.

Weltweit gibt es nur noch rund 1200 Exemplare dieser Hunderasse, die vornehmlich zur Papageientaucherjagd eingesetzt wurde. Doch seine Seltenheit wird ihm zum Verhängnis. "Darum ist es so wichtig, das Züchter und Besitzer ihre Hunde auf das Lundehund-Syndrom testen lassen", sagt Nicole Kamphausen. Die Rasse soll wieder gesund werden.

(sibr)