Griesbarth: Das Dorf mit dem komischen Namen

Griesbarth: Das Dorf mit dem komischen Namen

Griesbarth ist kein Suppeneintopf, Griesbarth ist eine Honschaft mit etwa 180 Einwohnern. Ein Dorf, von dem selbst die Stadtväter lange Zeit nichts wussten. Bis ihnen 1975 zwei Damen die Geschichte der Häuser-Anhäufung schickten. Seitdem geht's rund in dem Nest.

Griesbarth Christian Fischelmann ist ein gutmütiger Alteingesessener. Um nichts in der Welt würde er, der Dorfschreiner von Griesbarth, sein Heimatdorf verlassen. Wo er doch schon 54 Jahre lebt in dem Nest zwischen Mennrath und Rheindahlen. Auf seiner Werkbank hat er uralte Schriften ausgebreitet. Seine abgearbeiteten Schreinerhände fahren liebevoll über uralte Fotos und Kopien von Urkunden aus dem 14. Jahrhundert.

Die Pferde lassen es sich auf der Weide gut gehen. Foto: RP, Isabella Raupold

"Ich versuche jeden Menschen auf den Fotos zuzuordnen", sagt er. Griesbarth mit seinen etwa 180 Bewohnern ist sein Leben. Seit 1730 wohnt seine Familie in diesem Bauernhaus, das bis 1989 eigentlich noch zu Mennrath gehörte. Die alte Adresse war Mennrath 23, heute steht Griesbarth 24 an der Tür. "Wir sind ein richtiges Dorf. Nicht so ein vorstädtischer Wohnort", sagt er. "Und das soll auch so bleiben."

Darum mussten sich die Einwohner lange Zeit keine Gedanken machen. In den 70er Jahren brauchte Oberbürgermeister Theodor Bolzenius für einen Vortrag Informationen über Griesbarth. Nur: Was zur Hölle ist das eigentlich? Er ließ in seiner Stadtverwaltung nachfragen und erntete nur Schulterzucken. Also wandte er sich direkt an Bewohner der Ortschaft. Daraufhin schrieben ihm zwei Damen einen Brief und erklärten genau, woher das Dorf und sein Name eigentlich kommen: "In der Zeit von 1802 bis 1813 gab es einen Bach mit dem Namen Greisbarth, der nur zeitweise bewässert war." Wesentlich später war aus dem Greisbarth ein stattlicher Fluss geworden, der einen Weiher speiste. "Ich kann mich noch erinnern, beim Eishockey-Spielen im Eis eingebrochen zu sein", sagt Christian Fischermann.

Eine Bombe im Zweiten Weltkrieg, die eigentlich für die Ziegelei in Rheindahlen vorgesehen gewesen war, zerstörte jedoch die Kleie-Schichten, die das Wasser im Bach hielten. Der Greisbarth versickerte im Grundwasser, übrig blieben nur Fragmente des früheren Flusslaufes und der Name Griesbarth - wenn auch etwas anders geschrieben.

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1975 schrieben die Damen an OB Bolzenius: "Die Wohnbebauung der Honschaft Griesbarth ist nicht konzentriert. Das gesamte Dorf besteht aus neun Häusern und einem Bauernhaus." Dorf ist Griesbarth auch heute noch. Es gibt kein Geschäft, kein Laden, keinen Bauern - nichts. Heute sind es etwa 60 Familien, die in Griesbarth leben. Das ist seit der Osterweiterung so, als Ende der 80er Jahre die Stadt einen Teil von Mennrath in Griesbarth umbenannte. Trotzdem ist Griesbarth, sagt Christian Fischermann, noch immer ein Kinderparadies.

Ganz so wie früher. Noch immer trotten ein paar Pferden über die Weiden. Geerntet wird zwar nicht mehr, der Bauernhof beherbergt jetzt Fischermanns Schreinerei, aber eine ziemlich verschachtelte Landschaft weckt in Christian Fischermann lebhaften Kindheitserinnerungen: "Ein Gärtner hat auf einer Anhöhe Klein-Neuschwanstein gebaut. Eine sieben Meter hohe Burg, die wir Kinder sogar betreten konnten." Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Ein paar neue Häuser sind eben doch hinzu gekommen.

Dass in Griesbarth mitunter raue Sitten herrschen können, ist in einer Geschichte von Lene Fischermann übermittelt, Christian Fischermanns Urgroßmutter. Vor einigen Jahren fand er die Schuldnergalerie beim Renovieren der Fassade unter mehreren Schichten Putz. Wenn ein Kunde des urgroßmütterlichen Bauernladens seinen Einkauf nicht bezahlen konnte, schrieb sie das haarklein an die Außenwand des Hauses. Damit ja das ganze Dorf Bescheid wusste.

Wirte und deren klamme Stammgäste sind für diese Geschäftspraktik noch heute dankbar. Das nennt man Anschreiben

(RP)
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