Meerbusch: Neue Lampen kosten Millionen

Meerbusch: Neue Lampen kosten Millionen

Meerbuschs Straßenbeleuchtung veraltet zusehends, tausende Lampen müssen demnächst ausgetauscht werden. Moderne Leuchten würden so viel Energie sparen, dass auf nächtliche Abschaltungen verzichtet werden könnte.

Die Stadt Meerbusch hat seit Jahren den Kauf neuer Lampen für die Straßenbeleuchtung vernachlässigt und einen Investitionsstau von mehreren Millionen Euro auflaufen lassen. Gleichzeitig steckte die Stadt hohe Summen in die Reparatur teilweise Jahrzehnte alter Lampen. Dies geht aus einem Vortrag des bundesweit anerkannten Gutachters Dr.-Ing. Henry Rönitzsch hervor. Der Lichtexperte analysierte im Auftrag der Stadt den Zustand der Straßenbeleuchtung und stellte seine Ergebnisse im Bauausschuss vor. Sein Rat: Die Stadt sollte schnell damit beginnen, alte Quecksilberdampflampen (die nach 2015 nicht mehr verkauft werden dürfen) durch effizientere Natriumdampf-Hochdrucklampen zu ersetzen. "Sie haben keine Wahl. Außer sie wollen das Licht ganz abschalten", so Dr. Rönitzsch.

143 Leuchten pro 1000 Bürger

Was die Zahl der Leuchten im öffentlichen Raum angeht, ist Meerbusch nach Ansicht des Experten gut versorgt. Pro 1000 Einwohner gibt es 143. Insgesamt strahlen nachts gut 7700 Lichter auf 288 Straßenkilometern zwischen Bösinghoven und Büderich. Auffallend sei, dass die Stadt sich Mühe gegeben habe, nicht nur Haupt- und Nebenstraßen, sondern auch Bürgersteige und Radwege zu beleuchten. Allerdings habe man in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf Einheitlichkeit geachtet. Dr. Rönitzsch stieß auf ein Sammelsurium von circa hundert verschiedene Leuchtentypen auf 70 unterschiedlichen Tragesystemen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der Lampen bereits 30 Jahre und mehr ihren Dienst versehen.

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Im Schnitt liege die restliche Lebensdauer der Meerbuscher Lampen nur noch bei sieben Jahren. Daraus ergebe sich, dass Neuanschaffungen im Wert von mehreren Millionen Euro zwingend erforderlich sind. Glücklicherweise habe die Stadt Lampen-Standorte und Typen per Computer dokumentiert. Die Grundlage für das Auswechseln im großen Stil sei damit schon mal geschaffen. Was noch fehle, sei eine entsprechende Dokumentation der Leitungsnetze.

Dr. Rönitzsch schätzt, dass die Stadt durch die Modernisierung ihrer Beleuchtung etwa 15 Prozent Energie sparen könnte. Bei aktuell 380 000 Euro Stromkosten im Jahr wären das etwa 55 000 Euro. Das ist deutlich mehr als die Stadt zurzeit durch die umstrittene Abschaltung des Nachtlichts an den Wochenentagen zwischen 1.30 und 4 Uhr gewinnt. Das nächtliche Abschalten findet der auch als Gutachter bei nächtlichen Unfällen arbeitende Dr. Rönitzsch übrigens "gravierend".

Meerbusch will jetzt in einem ersten Schritt 500 Natriumdampflampen anschaffen. 450 000 Euro stehen dafür 2010 bereit. Auf 100 000 Euro vom Bund wird gehofft.

(RP)