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Meerbusch: Heilige Messen fallen aus

Meerbusch : Heilige Messen fallen aus

Priestermangel wird immer deutlicher. Nach dem Tod von Pfarrer Wilhelm Rang und dem altersbedingten Ausscheiden von Antonius Loyen wird der Anteil der Wortgottesdienste zunehmen.

Wird der Kirchenbesuch zum Lotteriespiel? Kommt ein Pfarrer, oder kommt er nicht? Die Gläubigen in der St.-Stephanus-Pfarrkirche in Lank-Latum haben gerade vergeblich auf einen Geistlichen gewartet, der die Heilige Messe zelebriert. Der Ordenspriester Sylvester Heereman aus Bösinghoven sollte für Pfarrer Willi Dapper einspringen. Heereman hatte schon öfter geholfen. Aber diesmal scheint es in der Absprache ein Problem gegeben zu haben. Pfarrgemeinderatsmitglied Gisela Hage-Hülsmann rettete die Situation und feierte einen Wortgottesdienst. Dennoch verließen zahlreiche Männer und Frauen nach einer Wartefrist enttäuscht das Gotteshaus, um nach Hause zu gehen.

Diese Situation könnte es in Zukunft häufiger geben. Im aktuellen Pfarrbrief reagiert Dapper (65), auf den Tod von Priester Wilhelm Rang vor wenigen Wochen und das altersbedingte Ausscheiden von Subsidiar Antonius Loyen (91). Dapper – selbst eigentlich schon im Ruhestand – kündigt an, dass als Folge daraus in den Vikarien Langst-Kierst und Nierst nicht mehr jede Woche eine Heilige Messe gefeiert werden könne. Zweimal im Monat – so das Ziel – sollen die Gläubigen in St. Cyriakus und St. Martin aber weiterhin durchschnittlich am Sakrament der Eucharistie teilnehmen können. Dabei werde versucht, terminlich auf besondere Anlässe wie Adventsbasar oder Schützenfest Rücksicht zu nehmen.

Es ist gerade einmal zwei Monate her, dass die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) einen ausgeklügelten Plan vorlegte, nach dem in jedem Ort mindestens eine Messe wöchentlich gefeiert werden sollte. Der Plan ist nun Makulatur und Besserung nicht in Sicht. Ein Nachfolger für Dapper, der mittlerweile in Mönchengladbach lebt, konnte das Bistum nicht vermitteln und auch nicht in Aussicht stellen. "Wir haben keinen Priester als Nachfolger gefunden", sagte Bernd Dickmeis aus der Abteilung Pastoral-Personal. Auch für den nächsten Einstellungstermin im Herbst sei er wenig optimistisch. Denn der Priestermangel in der Kirche sei so schnell nicht zu beheben.

Die katholischen Christen müssen sich darauf einstellen, dass Wortgottesdienste von Pfarr-Mitarbeitern und geschulten Laien gehalten werden. In Lank-Latum hat Bischof Heinrich Mussinghoff neben Gisela Hage-Hülsmann auch Felicitas Klein, Monika Machnik, Norbert Reiners und Agnes Vossen mit der Leitung solcher Wortgottesdienste beauftragt.

Aber es könnte noch schlimmer kommen: Hinter vorgehaltener Hand wird über die Auflösung der bislang noch eigenständigen Pfarreien geredet. Aus der Gemeinschaft der Gemeinden könnte eine große "Fusions-Pfarre Meerbusch" werden. Die Diskussion darüber wird jedoch nicht offen geführt. Selbst innerhalb der Priesterschaft gebe es darüber keinen Dialog, heißt es.

(RP)