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Meerbusch: 150 Tiere im Vier-Sterne-Hotel

Meerbusch : 150 Tiere im Vier-Sterne-Hotel

Das Rheinhotel "Vier Jahreszeiten" hat zurzeit tierische Gäste: Mehr als 80 Falken, Habichte und Adler und fast genau so viele Hunde tummeln sich im und am Haus in Langst-Kierst. Ein Ausnahmezustand, der Spaß macht.

Sauerbraten mit Rotkohl oder lieber Kaninchen frisch vom Feld? Habichtdame Zita würde die Wahl wahrscheinlich leicht fallen. Denn zum Jagen ist sie schließlich nach Langst-Kierst gekommen. Zur großen Falknertagung sind 115 Gäste mit ihren Jagdtieren angereist. Das "Rheinhotel Vier Jahreszeiten" ist fünf Tage lang — bis einschließlich Sonntag — nur ihnen vorbehalten.

 Fühlen sich wohl im Rheinhotel "Vier Jahreszeiten": Münsterländerhündin Assi und ihr Herrchen, der Vorsitzende des Deutschen Falknerordens, Walter Corsten. Die Tagung des Bunderverbandes der Falkner fand zum ersten Mal in dem Hotel in Langst-Kierst statt.
Fühlen sich wohl im Rheinhotel "Vier Jahreszeiten": Münsterländerhündin Assi und ihr Herrchen, der Vorsitzende des Deutschen Falknerordens, Walter Corsten. Die Tagung des Bunderverbandes der Falkner fand zum ersten Mal in dem Hotel in Langst-Kierst statt. Foto: boris schmidt

Auf den Grünflächen rund um den Hotelparkplatz haben die Mitglieder des Deutschen Falknerordens so genannte Beizwiesen angelegt. "Hier bringen wir die Vögel vor der Jagd hin. Zum Lüften, wie wir Falkner sagen", sagt Walter Corsten, Vorsitzender des Falknerordens. Die Vögel sitzen dort auf ihren eigenen Podesten. Wichtig ist allerdings, dass genügend Abstand zwischen den Tieren eingehalten wird. Denn der Jagdtrieb macht auch vor Artgenossen nicht immer Halt. Die Jagden auf den Feldern rund um das Hotel sind der Kernbestandteil des Treffens. Aber auch zum gemeinsamen Essen und zu Fachvorträgen kommen die Vogelfreunde aus ganz Deutschland zusammen. Für die Hotelmitarbeiter bedeutet die Tagung eine besondere Herausforderung. "Aber eine, die Spaß macht. Sowas erlebt man ja nicht jeden Tag", sagt Monica Cremer, Marketingleiterin im "Vier Jahreszeiten".

Das Hotel tiergerecht umzugestalten, war einfacher als erwartet: Es brauchte nur einen Tag. In den Eingangsbereichen haben die Mitarbeiter zusätzliche Teppiche platziert, die Flure sind mit Maler-Vlies ausgekleidet worden. So ist man vor dem Dreck gefeit, den Hunde und Jagdheimkehrer mitbringen. Denn viele nehmen ihre Hunde mit auf die Zimmer.

Um die Vogelgehege haben sich die Falkner selbst gekümmert. Sie sind unterhalb der Stelzen angebracht, auf denen das Haus steht. Die Falken sitzen dort angebunden auf zusammensteckbaren Recken aus Holz. Rund um die 8 x 15 Meter große Fläche haben die Mitglieder des Falknerverbandes Bauzäune aufgestellt und mit Planen verkleidet. So sind die Vögel windgeschützt.

Monica Cremer beschreibt die außergewöhnliche Atmosphäre so: "Manchmal hat man das Gefühl, ins Mittelalter versetzt worden zu sein." Die Atmosphäre sei aber sehr offen und angenehm. Und da alle Hunde sich als stubenrein erwiesen, sei es auch zu keinen Malheurs gekommen. "Das ist ja die Kunst an der Hotellerie: dass man improvisieren kann." Der Falknerverband hat sich das Rheinhotel ganz bewusst ausgesucht. "Uns ist wichtig, dass Feld und Freiflur in der Nähe sind." Das Rheinhotel mit seiner abgelegenen Lage mitten in der Natur bot den Falknern ideale Voraussetzungen.

Pünktlich zur Düsseldorfer Messe wird das Hotel wieder in seinen Originalzustand versetzt. "Am Sonntagabend und Montag haben wir uns frei genommen. Da sind dann alle im Einsatz, damit wir die neuen Gäste empfangen können", sagt Cremer.

(RP)