Krefeld: Theodor Storm als Macho und Modernist

Krefeld: Theodor Storm als Macho und Modernist

Mit "Frau Storm" wurde ein Kammerspiel von Eckart Pastor auf der Bühne des Gymnasiums am Stadtpark aufgeführt. Unter der Regie des Lüttichers Robert Germay spielten Anita Wangen und Eckart Pastor vor zahlreichen Zuschauern. Eckart Pastor ist emeritierter Germanistikprofessor an der Universität Lüttich und Mitglied der Theodor-Storm-Gesellschaft. Seine Faszination für Theodor Storm (1817-1888) hat ihn bewogen, anlässlich des 200. Geburtstages Storms und zum 200-jährigen Bestehen der Universität Lüttich selber zur Feder zu greifen und das Stück "Frau Storm - Ein Kammerspiel" zu verfassen: "Mir war es wichtig, die Kluft zwischen dem Dichter Theodor Storm und dem Privatmann deutlich zu machen. Storm war moderner als andere Männer seiner Zeit und dennoch war er verfangen im 19. Jahrhundert mit seinen Konventionen". Diese Kluft und die zwiespältige Figur Storm wurden im meisterlich aufgeführten Zweipersonenstück mit entlarvender Ironie sichtbar. Etwa in der "Strumpfbandgeschichte": Ehefrau Constanze fährt für eine Untersuchung zum Arzt und muss sich hinterher bittere Vorwürfe anhören, weil sie gegen Storms Willen ihre neuen "koketten" (so Storm) Strumpfbänder trug - und nicht die alten "zerschlissenen" (so Constanze). Diese Szene zeigt einen sehr männlich-besitzergreifenden Storm, der andererseits darauf bedacht ist, dass seine Frau sich bildet, was Anfang des 19. Jahrhunderts nicht zu den Selbstverständlichkeiten gehörte. Constanze (Anita Wangen) formuliert auf der Bühne: "Ich war seine Welt - auch als Gesprächspartnerin für literarische Themen, für Philosophie und Gott und die Welt". Sie bezeichnet ihren Mann als ihren "wunderbaren Wortmagier", der ohne Attitüden mit der deutschen Sprache spiele. Attitüden habe er zur Genüge bei Emanuel Geibel (1817-1884) gefunden, dessen Lyrik ihm deutlich missfiel. Constanze: "So etwas hat mein Mann nicht niedergeschrieben - sogar nicht 1864 [Deutsch-Dänischer Krieg]". Theodor Storm (Eckart Pastor)spricht per Videoeinspielung aus dem "Off", er schreibe keine Siegeshymnen. Stattdessen entstand das kurze Gedicht "Nun ist geworden, was du wolltest;/ Warum denn schweigest Du jetzt und?/ - Berichten mag es die Geschichte,/ doch keines Dichters froher Mund."

Die Dramaturgie verband auf leichtfüßige Art das 19. Jahrhundert mit der Moderne: Gelesen und rezitiert wurden Originaltexte Storms, aber durch PowerPoint- und Videoeinspielungen von Text- und Bildmaterial gelang die Verbindung zwischen den Zeiten. Auch inhaltlich hat Pastor den zeitlichen Brückenschlag verankert: Sein Kammerspiel stellt eine Bühnenprobe in der Jetzt-Zeit dar. Pastor fasst zusammen: "Die szenische Beschwörung eines "Dichterfürsten" (und seiner Frau!) verhilft uns vielleicht zur der Einsicht, dass selbst zwei Jahrhunderte schöner Modernität es nicht vermocht haben, ein hartnäckiges Machotum aus den (Ehe-)Partnerschaften verschwinden zu lassen, oder?". Die Schauspieler wurden mit warmem Applaus belohnt.

(RP)
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