Kalkar: Trecker am Ende ihrer Kräfte

Kalkar : Trecker am Ende ihrer Kräfte

Im Wunderland Kalkar wurde der 4. Lauf zur Deutschen Meisterschaft im Farm- und Tractor Pulling ausgetragen. 4500 Zuschauer kamen, um Traktoren mit bis zu 8000 PS auf einer 100-Meter-Bahn ziehen zu sehen.

Da weiß man, was einen erwartet: An der Kasse hängt in nicht zu übersehender Größe neben der Preisliste ein Schild: "Gehörschutz: 50 Cent". Wer da nicht zuschlägt, wird es bitter bereuen.

Im Wunderland Kalkar wurde gestern der 4. Lauf zur Deutschen Meisterschaft im Farm- und Tractor Pulling ausgetragen. Umgebaute Traktoren ziehen einen Bremswagen über eine 100-Meter-Sandbahn. Einfache Regel der Wettbewerbe: Wer den Anhänger am weitesten bewegt, steht ganz oben auf dem Podest. Das Problem beim Ziehen des Bremswagens ist, dass dieser mit jedem Meter, den er sich fortbewegt, durch einen Mechanismus immer schwerer wird.

2500 Zuschauer hatte Han Groot Obbink, Geschäftsführer des Hotel- und Freizeitparks, im Vorfeld der Veranstaltung als Ziel ausgegeben. Dieses Vorhaben wurde weit übertroffen. Mitveranstalter Georg Bercker schätzte nach drei Stunden Anhängerziehen die Zahl der Trecker-Fans auf zwischen 4500 und 5000. Und was die zu Hören bekamen, war einiges. Wer ohne Schutz an der Bahn stand, der dürfte von der Veranstaltung noch länger etwas gehabt haben. Genau aus diesem Grund ist Christoph (44) aus Moers ins Wunderland gekommen: "Wo bitteschön bekommt man so viel Motor für so wenig Geld?" Der Autoelektriker steht unheimlich auf die heulenden PS-Giganten, wenn der Schlepper die ersten Meter auf der Bahn hinter sich bringt.

Antrieb durch Flugzeugmotor

Patrick (30) ist mit seinem Kumpel Andreas (24) aus Leverkusen nach Kalkar gekommen, um die PS-Bolzen zu sehen. Er ist Landmaschinen-Mechaniker und Fan eines Teams, das den Namen "Green Monster" trägt. "Das sind die Besten. Die haben die stärksten Dinger", erklärt er. Ohnehin genießt die "Freie Klasse", das sind Traktoren, die einzig zu dem Zweck gebaut wurden, den Anhänger möglichst weit über die Sandbahn zu schleppen, das größte Interesse. Ralf Woltering fährt so einen. Er geht mit seinem Trecker unter anderem in der 3,5-Tonnen-Klasse (Gewicht des Traktors) an den Start. Ein Flugzeugmotor sorgt bei ihm für den Antrieb. Vor seinem Auftritt steht er mit Fahrer-Kollegen zusammen und dreht sich noch schnell eine Zigarette. Mit der Lässigkeit eines Mannes, der gleich 5000 PS aufheulen lässt, sagt Woltering: "Die Bahn ist gut, ich werde weit kommen." Er kämpft bis zum letzten Atemzug – bei der 87-Meter-Marke zwingt ihn der Bremswagen schließlich in die Knie. Der Trecker ist am Ende seiner Kräfte.

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Wer die 100 Meter Bahn bis zum Ende zieht, der hat es geschafft, der ist "durchs Tor gefahren" – wie die Männer aus der Szene es nennen: "Full Pull", schreit der Moderator dann über das Veranstaltungsgelände. Der Mann, der durchs Programm führt, spricht ohnehin fast immer, wenn kein Trecker fährt. Und wenn mal gerade nicht, dann hört man Musik – wie man sie sonst nur aus tiefer gelegten Golfs oder von Disco-Veranstaltungen auf Schützenfesten kennt. Als ein Fahrer nach 80 Metern den Kampf gegen den schwerer werdenden Anhänger aufgibt und die Gaszufuhr stoppt, ruft der Moderator: "Bei 80 Metern lässt er den Hammer fallen. Es treten unerwartete Kräfte auf."

Die Kräfte, die bei Robert und seinen Freunden aus dem Bergischen auftreten könnten, sind keinesfalls unerwartet. Mit sieben Freunden steht er am Rand und hat regelmäßig Luft in der Büchse. Die "Blechbrötchen" aus dem Hause Grolsch sorgen dafür, dass der Mechaniker, was Fahrzeuge betrifft, nur noch gucken kann. Denn selbst 100 Meter auf einer geraden Bahn dürften für ihn eine Herausforderung darstellen.

(RP)