Kleve: Mit dem Cello in die Ausstellung

Kleve : Mit dem Cello in die Ausstellung

Landesjugendorchester gastierte in der Stadthalle Kleve

In der Stadthalle brodelte es. Schüler scharten sich vor dem Eingang, im Foyer spielte eine junge Band die "Promenade" aus Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" in Endlosschleife. Rundherum waren Kunstwerke ausgestellt, in denen sich Schüler der Gesamtschule Kleve assoziativ auf die einzelnen Sätze dieses Werkes bezogen. Die Ergebnisse eines Kooperationsprojektes mit der Gesamtschule trugen zur Atmosphäre des Abends bei.

"Mit dem Cello in die Ausstellung" hieß das letzte Reihenkonzert der aktuellen Saison, zu erleben war das Landesjugendorchester NRW unter der Leitung von Sebastian Tewinkel. Ein in jeder Hinsicht erfrischend junges Konzert: Das erste Stück auf dem Programm war erst wenige Tage vorher uraufgeführt worden, sein Komponist Sascha Thiele ist gerade einmal 25 Jahre alt. "Pseudo" ist ein zehnminütiges, rhythmusgeladenes Orchesterstück, das subtil und unterhaltsam mit den Konventionen des Konzertbetriebs spielt. Am Schluss überraschte es mit einem Gag: Der Dirigent verließ das Podium und verschwand im hinteren Bühnenbereich, die Musiker legten nacheinander ihre Instrumente weg und begannen zu klatschen - zunächst in rhythmischen Mustern, die schließlich zum rauschenden Applausgeräusch verschmolzen. Das Publikum stimmte begeistert ein.

In Dmitri Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1 berührte der junge Solist und ARD-Preisträger Danjulo Ishizaka mit klarem, ausdrucksvollem Spiel. Zusammen mit dem Orchester traf er den Schostakowitsch-typischen Tonfall aus hintergründigem Witz und dunkler Melancholie auf den Punkt. In den Gesichtern der Musiker spiegelten sich die Emotionen des Werkes wider: Technisch so souverän wie ein Profiorchester, musizierten sie doch jenseits aller Berufsroutine. Eine Meisterleistung auch das Hauptwerk des Abends, Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Lustvoll tauchten Tewinkel und sein Orchester in die einzelnen "Bilder" ein, machten ihre gegensätzlichen Stimmungen lebendig: vom geheimnisvollen "alten Schloss" zu den höllisch schweren und doch leichtfüßig trippelnden "Küken in den Eierschalen", vom wuseligen Treiben auf dem "Marktplatz von Limoges" in die archaisch-monumentale Finsternis der "Katakomben". In voller Pracht erstrahlten Blechbläser und Schlagzeug schließlich im majestätischen "Großen Tor von Kiew".

Als Zugabe schwelgte das Landesjugendorchester in Schostakowitschs berühmtem c-Moll-Walzer - einige Zuhörer begannen zu schunkeln. Die Begeisterung war einhellig, eine Wiedereinladung des Ensembles ist für Mai 2016 geplant.

(RP)
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