Kevelaer: Kinder spielen lassen

Kevelaer: Kinder spielen lassen

Die PISA-Studie hat nicht nur unter Schülern für mehr Leistungsdruck gesorgt. Auch Eltern von Kindergartenkindern sind verunsichert. Die Frage ist, was muss mein Kind können, um im Leben zu bestehen?

Kindergarten ist anders, als mancher sich das vorstellt. "Wir müssen dahin, die großen Forscher und Entdecker auszubilden, und nicht Leute, die nur tun, was man ihnen sagt. Das fängt im Kindergarten an", sagt Jennifer Kempen. "Aus Kindern, die wissen, sie sind wertgeschätzt, werden Menschen, die unser Land tragen können."

Die Leiterin des St.-Hubertus-Kindergartens in Kevelaer räumt mit dem Vorurteil auf, das Erzieher die Kinder gemütlich beim Kaffeeplausch beaufsichtigen. "Wir sind aber auch kein Trainingslager für Rechen- und Schreibfähigkeiten", ergänzt sie. Die Kinder bekommen Räume zur Verfügung gestellt, in denen sie entdecken und erforschen können.

Im Atelier werden keine Fensterbilder nach Schablonen gebastelt. Die Kinder sollen kreativ werden, mit Holz und Stoffen basteln. "Kinder dürfen die Welt nicht aus Büchern oder aus dem Fernsehen erfahren", findet Kempen. Deswegen dürfen die Kinder bei Wind und Wetter nach draußen. Statt Zahlen auswendig zu lernen, erfahren sie etwas über Schwerkraft, wenn der Strahl des Wasserschlauchs nach oben zeigt und das Wasser dennoch unten ankommt.

Sichere Beziehungen

  • Kommentar : Für Hirn und Herz

"Man kann einen Menschen nicht auf sein Wissen reduzieren", ergänzt Kempen. Oft würden soziale Fähigkeiten verkannt. "Du bist großartig, gut so, wie du bist, und du wirst die Welt positiv mitgestalten." Das ist es, was Kempen ihren Schützlingen mit auf den Weg geben will. Diese Sicht entspricht ihrer christlichen Überzeugung. Sie hat aber auch einen positiven Nebeneffekt. "Aus der Hirnforschung wissen wir, dass die Voraussetzung für gutes Lernen sichere Beziehungen sind." Ein Kind, das sich geliebt und angenommen weiß, wird auch im Leben bestehen.

"Ziel ist das ganzheitlich gebildete Kind. Dazu gehört auch die emotionale und soziale Ebene", sagt Kempen. Sie erlebe, dass Eltern ihre Kinder vorzeitig einschulen wollen, weil sie schon Buchstaben und Zahlen können. "Manches Kind ist aber noch nicht so weit, Niederlagen, die kommen, zu verarbeiten oder sich sozial einzubringen." Auch Schulleiter Horst Hansen weiß von Kindern, die bereits lesen können und topfit sind im Zählen bis 20.

Das Erarbeiten des Zahlenraumes sei Aufgabe der Grundschule. Aber "ein Kind, was mit sich selbst nicht im Reinen ist, hat große Probleme", sagt der Rektor der St.-Antonius-Grundschule. Deswegen sei die Zeit vor der Einschulung noch einmal wichtig, um Förderschwerpunkte zu setzen. Keinesfalls sollte man mit Schule drohen. "Das Spiel ist die Arbeit des Kindes", sagt Kempen. KOMMENTAR

(RP)