Kevelaer: Die "sprechende" Palette stellt sich vor

Kevelaer: Die "sprechende" Palette stellt sich vor

Das Kevelaerer Unternehmen Walther Faltsysteme stellte Matthias Bolte-Richter sein Produkt vor. Der Landtagsabgeordnete der Grünen hatte 50 Unternehmen in NRW besucht und sich über innovative Ideen informiert.

Wer innovative Ideen hat und diese auch in die Tat umsetzt, bewegt die Welt. Dieser Auffassung ist Matthias Bolte-Richter von Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied des Landtags und Sprecher im Ausschuss für Digitalisierung und Innovation. "#weltbewegen" nannte er seine Reise durch NRW, bei der er seit Anfang Januar insgesamt 50 Unternehmen, Start ups und Forschungseinrichtungen besuchte. Den Abschluss fand die Tour in Kevelaer bei Walther Faltsysteme. Der Spezialist für faltbare Mehrweg-Transportverpackungen aus Kunststoff feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. 1978 in Mülheim an der Ruhr gegründet, hatte das Unternehmen 1991 in Kevelaer einen Zweitsitz eröffnet, der seit 2004 Hauptsitz ist. Thomas Walther, Geschäftsführer und Sohn des Firmengründers Rolf F. Walther und Dominik Lemken, Leiter des Projekt Managements, informierten den Grünen-Politiker über ihr Produkt, die Angebotspalette und die Herstellung. Zu der Firmenvorstellung waren auch einige Mitglieder der Grünen aus der Region Kevelaer und Kleve gekommen.

"Kunststoff ist zur Zeit etwas in Verruf geraten", so Dominik Lemken. Es komme aber auf den richtigen Einsatz an. Die Mehrweg-Transportbehälter aus Polypropylen seien nicht nur platzsparend weil faltbar, sondern auch umweltfreundlich, denn sie bestehen aus wiederverwertbarem Kunststoff. "Auch in den 70er und 80er Jahren war Nachhaltigkeit schon ein Thema", so Dominik Lemken. Die Kunden, in der Regel große Logistik-Unternehmen oder Handelsketten, möchten Verpackungsmüll einsparen und setzten auf Mehrweg. Und das nicht nur bei Behältern, sondern auch bei Paletten. Hier hat der Kevelaerer Faltbox-Spezialist erst kürzlich eine Kunststoff-Palette für die individuellen Bedürfnisse eines großen deutschen Discounters entwickelt, deren Material aus dem "gelben Sack" stammt, wie Lemken betont. "Bei sachgemäßer Benutzung hat sie etwa 100 Umläufe, dann wird sie vermalen, und daraus entsteht eine neue. So kommen wir einer belastungsarmen Kreislaufwirtschaft etwas näher", erläuterte Thomas Walther. Die gute alte "Euro-Palette" aus Holz sei damit aus dem Rennen, denn ihre Lebensdauer sei begrenzter. Und wenn sie kaputt ist, müsse neues Holz her für eine neue. Die Kunststoff-Palette aber ist nicht nur umweltfreundlich, sie kann auch "sprechen". Der Fachmann sagt: Sie ist ein "intelligenter Ladungsträger". Dominik Lemken berichtete ausführlich, wie der in der Palette integrierte RFID-Chip zum Beispiel den Standort der Waren in Echtzeit übermittelt. "So kann der Kunde jederzeit abfragen, wo und wie viel sich von welcher Ladung gerade befindet", beschreibt Lemken die neuartige Technik. Um präzise auf Kundenwünsche einzugehen, müssen bei der Herstellung der Faltboxen und Paletten immer wieder neue Werkzeuge konstruiert werden. Auf die Frage von Bolte-Richter nach dem Einsatz von 3D-Druckern, antwortete der Manager, das Verfahren mit 3D-Druckern sei zu teuer für die hohen Stückzahlen. Es eigne sich nur für Testverfahren. 64 Sekunden dauert die Herstellung einer Palette: Das Kunststoff-Granulat wird auf 230 Grad erhitzt und in Formen gespritzt. Walther Faltsysteme hat 2017 über zwei Millionen Falt- und Klappboxen produziert. Die Firma arbeitet eng zusammen mit dem benachbarten Spritzguss-Unternehmen Formex. 190 Mitarbeiter sind in Kevelaer tätig.

(ath)