Hückeswagen: Bewährung für eingeschlagenes Schaufenster

Hückeswagen : Bewährung für eingeschlagenes Schaufenster

25-jähriger Hückeswagener rastete nach einem Streit mit seiner Freundin in Wipperfürth aus.

Weil er aus Wut und Verzweiflung auf offener Straße ausgerastet war, musste sich ein 25 Jahre alter Hückeswagener jetzt vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verantworten. Die Anklage legte dem mehrfach vorbestraften Mann eine Sachbeschädigung zur Last. Die räumte der 25-Jährige auch gleich zu Prozessbeginn ein.

An einem Sonntag im April vorigen Jahres war der Hückeswagener nach einem Streit mit seiner neuen Freundin ziellos durch die Wipperfürther Innenstadt gelaufen: "Ich wollte an dem Tag einfach nur meine Ruhe haben, denn irgendwie war mir alles über den Kopf gewachsen", sagte der Arbeiter vor dem Strafrichter aus. Damals sei er ohne Job gewesen. Nach einem Streit mit den Eltern, bei denen er noch lebte, habe der Vater ihn vor die Tür gesetzt. Zwischenzeitlich hatte er Schulden angehäuft, gesundheitliche Probleme kamen noch dazu. Der Streit an dem Sonntag mit seiner Freundin, die ihn danach auch noch quer durch Wipperfürth verfolgt habe, habe dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Außer sich vor Frust und Wut schlug der junge Mann mit der Faust gegen die Schaufensterscheibe einer Bäckerei. Und das so heftig, dass die Scherben flogen. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von fast 2000 Euro.

Am Tag danach hatte den Hückeswagener die Reue gepackt. Er meldete sich in der Bäckerei und gab dort seine Personalien an, doch der Inhaber hatte bereits Strafanzeige erstattet. Das brachte das Ermittlungs- und in der Folge das Strafverfahren ins Rollen.

Dass er die Scheibe eingeschlagen habe, tue ihm sehr leid, sagte der 25-Jährige aus. Er habe damals nichts zerstören wollen, sei nur außer sich gewesen, nachdem er zuvor Alkohol getrunken hatte. Jetzt wolle er endgültig ein anderer, besserer Mensch werden: "Ich will mein Leben endlich in den Griff kriegen und aus dem Sumpf herauskommen." Dabei helfe ihm auch die Freundin, mit der er sich nach dem Vorfall wieder versöhnt hatte und mit der er inzwischen zusammenlebt. Im Februar erwartet das Paar sein erstes Kind.

Optimistisch sieht der Bewährungshelfer die weitere Entwicklung des 25-Jährigen, wie er vor Gericht unterstrich. Der Hückeswagener habe vor Monaten einen festen Job gefunden, sei fleißig und scheue keine Arbeit. Alkohol trinke der Hobbysportler nur noch selten und in begrenzten Mengen. Denn er sehe selbst ein, dass er unter dem Einfluss von alkoholischen Getränken, wie viele Menschen, zu Aggressionen neige. "Es sieht ganz danach aus, als hätte er die Kurve gekriegt", fasste der Bewährungshelfer seine Eindrücke zusammen.

Nach dieser Prognose und dem umfassenden Geständnis des Angeklagten ließ der Richter entsprechend dem Antrag der Staatsanwältin noch einmal trotz der einschlägigen Vorstrafen Milde walten: Er verurteilte den 25-Jährigen zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. In monatlichen Raten muss der Hückeswagener den angerichteten Schaden wiedergutmachen. Für weitere zwei Jahre wird er dem Bewährungshelfer unterstellt. Der soll ihn unterstützen auf dem Weg in sein neues Leben als verantwortungsvoller junger Familienvater.

(bn)
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