Hilden: Internet-Händler ist hungrig nach Fläche

Hilden: Internet-Händler ist hungrig nach Fläche

Mit der Anmietung von 17 300 Quadratmetern in Hilden ist die Firma Jago nicht zufrieden. Sie will bereits erweitern.

Die Größe der Halle ist beeindruckend. Sie bietet Platz für viel Fantasie. Hier könnte man Fußball spielen. Schlittschuh laufen. Laut rufen und aufs eigene Echo warten. Doch schon bald ist diese Halle angefüllt mit tausenden von Paketen: Die Firma Jago, eigenen Angaben zufolge einer der größten E-Commerce-Händler Deutschlands, hat ehemalige Vaillant-Hallen in Hilden mit einer Gesamtfläche von 17 300 Quadratmetern angemietet.

Am Montag startete der Geschäftsbetrieb. Mitarbeiter sind nun dabei, das Logistik-System aufzubauen. Sind diese Arbeiten vermutlich mit Jahreswechsel abgeschlossen, sollen von Hilden aus jährlich 1,7 Millionen Pakete versendet werden. Täglich, so schätzt Igor Jakovac, Bruder des Inhabers und Mitglied der Geschäftsleitung, werden dann rund 15 Lkw das Gelände verlassen.

Die Firma Jago handelt über das Internet mit Verbrauchsgütern. Sie vertreibt Kinderspielzeug genauso wie Katzenkratzbäume und weiteres Zubehör fürs Haustier, Fitness-Geräte, Gärtnerei-Produkte und vieles mehr. In den Hildener Hallen stehen bereits Kartons mit zerlegten Wickeltischen und Büro-Drehstühlen. Das Unternehmen hat eine Betriebserlaubnis für 24 Stunden, führt aber zunächst nur den Ein-Schicht-Betrieb ein. 30 Mitarbeiter haben hier einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Es ist das fünfte Lager des in Stuttgart ansässigen Unternehmens, das insgesamt 212 Beschäftigte zählt.

An Hilden begeistert Jakovac vor allem die gute Verkehrsanbindung. Mehrere Autobahnen in unmittelbarer Umgebung, dazu der Rhein mit den nahen Häfen Neuss und Duisburg, das habe die Entscheidung leicht gemacht. Sämtliche Ware, die von Jago vertrieben wird, kommt per Übersee-Container in Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg an und wird von dort per Binnenschiff und/oder Lkw nach Hilden weiter transportiert. Daher ist das Unternehmen auf eine gut ausgebaute Infrastruktur angewiesen.

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Ein Beispiel für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf, weiter auf Sanierung und Ausbau der Verkehrswege zu drängen: "Wir fordern den achtspurigen Ausbau der A 3. Und die Leverkusener Brücke ist ein Paradebeispiel für zu geringe Investitionen", sagt Thomas Vieten, Verkehrsreferent bei der IHK. Dass dank dieser Dauerbaustelle Lkw nun regelmäßig im Stau stehen, "ist ärgerlich für Unternehmen in der Region".

Dabei ist es gleich, ob es sich um Logistikunternehmen handelt, denen immer noch nachgesagt wird, sie würden bei großem Flächenverbrauch nur wenig Arbeitsplätze schaffen. Denn auch die Industrie hält aufgrund der Verbesserung der Arbeitseffektivität und des Einsatzes von Robotern immer weniger Arbeitsplätze gemessen an ihrer Fläche vor.

Igor Jakovac beeindruckt diese Diskussion nicht. Er blickt bereits in die Zukunft: Zurzeit verhandelt er mit der Berliner Firma Berlinovo Immobilien, die das ehemalige Vaillant-Gelände für den Fonds IBV Deutschland 2 managt, um weitere Flächen. Zusätzliche 10 000 Quadratmeter wünscht er sich. Sein derzeitiger Mietvertrag läuft über zwei Jahre. Vom Erfolg der aktuellen Verhandlungen, so deutet er an, hängt es ab, ob sein Unternehmen auch darüber hinaus in Hilden ansässig bleibt.

(RP)