Großprojekt Trailer-Port in Krefeld-Linn besorgt Anwohner

Linn : Schwere Lkw stören den Sonnenschein

Noch gibt es den Trailer-Port nicht – der Hafenbahnhof ist ein geplantes Projekt der Krefelder Hafengesellschaft, das auf rund 42.000 Quadratmetern zwischen Carl-Sonnenschein-Straße und B288/Berliner Straße entstehen soll.

Die Dramaturgie hätte kaum besser sein können beim Ortstermin am geplanten Standort für den Trailer-Port an der Carl-Sonnenschein-Straße in Linn, zu dem die CDU eingeladen hatte. Völlig unbeeindruckt von dem rund 70 Mann starken Publikum brettert der Fahrer einer Lkw-Zugmaschine vorbei an Bürgern und Ratsmitgliedern durch den für Lkw eigentlich verbotenen Straßenabschnitt entlang der Wohnbebauung Richtung Magdeburger Straße.

Absolut kein Einzelfall, berichten Anwohner. Immer und immer wieder würden Fahrer das Verbot missachten, ganz zu schweigen von Lkw, die über Nacht oder übers Wochenende vor Ort neben Einfamilienhäusern und dem Kleingartengelände campieren – mit allen unappetitlichen Begleiterscheinungen wie Wildpinkeln, Müllablagerung und Tag und Nacht laufenden Motoren. Dabei gibt es den Trailer-Port, mit dem sich der Schwerlastverkehr auf der Carl-Sonnenschein-Straße exponentiell erhöhen würde, noch gar nicht.

Der Trailer-Port, oder auch Hafenbahnhof, ist ein geplantes Projekt der Krefelder Hafengesellschaft. Auf rund 42.000 Quadratmetern Fläche zwischen Carl-Sonnenschein-Straße und der B288/Berliner Straße sollen mehrere Gleise und Rangierflächen hergerichtet werden. Sattelschlepper werden nach Fertigstellung dort ihre Aufleger zum Verladen auf Güterzüge anliefern beziehungsweise angekommene Trailer abholen.

Langfristig ist eine Erweiterung auf 100.000 Quadratmeter angedacht. Mit dem neuen Trailer-Port will die Krefelder Hafengesellschaft, wie berichtet, in neue Dimensionen vorstoßen und die wirtschaftlich positive Entwicklung, die nach der Privatisierung eingetreten ist, weiter vorantreiben. Der Förderantrag für das Projekt wurde im Herbst zum Eisenbahnbundesamt geschickt, eine Antwort dazu, welche Module der Gesamtplanung förderfähig sind, steht noch aus.

Fest steht aber bereits, dass die Linner Bevölkerung in Aufruhr ist. Denn die Carl-Sonnenschein-Straße erscheint ungeeignet, noch mehr Schwerlastverkehr aufzunehmen – selbst wenn sich Lkws an die vorgeschriebene, längere Strecke im großen Halbkreis Richtung Königsberger Straße/Ecke Märkische Straße halten würden. Denn auch hier dominiert Mehrfamilien-Wohnbebauung, ein Kinderspielplatz und ein Bolzplatz liegen direkt an der vorgesehenen Route.

„Es kann doch nicht sein, dass der Trailer-Port gebaut wird, ohne vorher die notwendige Infrastruktur dafür zu schaffen“, sagt Ursula Giebels, Vorsitzende des Linner Bürgervereins. Möglich wäre eine  Anbindung des Geländes mit einer neuen Straße, die vom geplanten Kreisverkehr an der Floßstraße parallel zur B288 Richtung Gleisanlagen führen würde.

Zu dem sehr gut besuchten Ortstermin hatte der Ratsherr und Vorsitzende des Bauausschusses Jürgen Wettingfeld (CDU) eingeladen. Bürger, die mit der Erwartung gekommen waren, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, müssen sich jedoch weiter gedulden. Denn Wettingfeld, selbst Mitglied des Hafen-Aufsichtsrates, gab unumwunden zu, zum ersten Mal das zukünftige Trailer-Port-Areal in Augenschein zu nehmen.

Fazit für ihn: „Die CDU setzt sich vorbehaltlos für eine Zufahrt über die Floßstraße ein“, wie er zu Protokoll gab. „Der Trailerport muss betriebswirtschaftlich vernünftig geplant werden – aber auch für die Anwohner verträglich“, sagte Wettingfeld.

Er will nun das Gespräch mit dem Krefelder Planungsdezernenten Martin Linne suchen und seine neu gewonnenen Erkenntnisse über die verkehrliche Situation an der Carl-Sonnenschein-Straße in den Hafen-Aufsichtsrat einbringen. Im Herbst und nach erfolgten Gesprächen will Wettingfeld die Linner Bürger erneut einladen – dann mit Antworten im Gepäck.

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