Grevenbroich/Neuss: Zwei hauptamtliche Gabenbringer der bürgerlichen Familie

Grevenbroich/Neuss: Zwei hauptamtliche Gabenbringer der bürgerlichen Familie

Seit der Coca-Cola- Weihnachtsmann jedes Jahr seine Runden zieht, wird der Gabenbringer im roten Mantel verleugnet: Er sei nichts anderes als eine Werbefigur, eine reine Erfindung der Amerikaner. Stimmt und stimmt nicht.

Zumindest letzteres lässt sich nicht von der Hand weisen, wenn man sich die Weihnachtsmannforschung anschaut. Denn eines der markantesten Bilder von dem rotgewandeten Mann mit dickem Bauch und weißem Bart hat der amerikanische Zeichner Thomas Nast 1866 für die Zeitschrift "Harper's Weekly" gemacht.

Hermann Kaulbach schuf das Christkind 1910. Foto: ""

"Santa Claus and his Works" - der Titel weist schon auf den Ursprung hin. Auf Sintaklaas, den die Holländer mit nach Amerika brachten und dem Nast schon vier Jahre zuvor in einer Zeichnung ein Aussehen gab, das schon bald zur beliebten Kultfigur mutierte (damals noch mit der den Holländern zugeschriebenen Tonpfeife). Thomas Nast kam übrigens aus der Pfalz nach Amerika.

Rein figürlich setzt sich das Christkind deutlich vom Weihnachtsmann ab. Irgendwie weiblich und irgendwie kindlich schwebt es gleichsam durch die Luft in die Weihnachtsstuben, ganz gewiss nicht durch einen Schornstein. In dem Maß, in dem im 19. Jahrhundert auch protestantische Familie das Weihnachtsfest feierten (mehr als intimes Familienfest), gewann das Christkind als Gabenbringer an Bedeutung. Schon Luthers Reformation vor 500 Jahren hatte der Figur des Christkindes einen ordentlichen Schub gegeben, als Abgrenzung zum Brauch der Katholiken und ihren Gabenbringer Sankt Nikolaus. Weihnachten in katholischen Familien wurde damals in erster Linie als religiöses Fest mit Andachten in der Kirche gefeiert, Geschenke gab es am 6. Dezember. Mit der Zeit entwickelten sich beide Figuren, Christkind wie Weihnachtsmann (anstelle des Nikolaus), zu hauptamtlichen Gabenbringern. Während der Nikolaus, wieder mehr und mehr als Bischof (von Myra) dargestellt wurde.

(hbm)