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Grevenbroich: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kümmert sich um das Tiergehege

Schutzgemeinschaft kümmert sich um das Tiergehege in Grevenbroich : Im Einsatz für schöneren Wald

Die Schutzgemeinschaft widmet sich mit viel Liebe zum Detail einer der wenigen Non-Profit-Anlagen der Stadt – dem Tiergehege im Bend. 

Bei schönem Wetter ist das Wildfreigehege so bevölkert wie die Kö in Düsseldorf – nur die Zaungäste sind andere. Dort beobachten nicht gut betuchte Damen und Herren an ihrem Milchkaffee nippend das flanierende Volk, sondern Damwild, Gänse, Wildschweine, Esel, Kamerunschafe oder Ziegen. Um dieses natürliche Kleinod in Innenstadtnähe kümmert sich seit Ende der 1970er-Jahre die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) mit viel Engagement, Verstand und Liebe fürs Detail.

 Martina Koch von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Stadtförster Frank Wadenpohl im Wildgehege.
Martina Koch von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Stadtförster Frank Wadenpohl im Wildgehege. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Auf rund 70.000 Quadratmeter können Waldbesucher bis zu 200 verschiedene Wild- und Haustiere in nahezu natürlichen Lebensräumen beobachten. „Erst vor kurzem haben wir knapp 50 Nistkästen für Fledermäuse und Singvögel angebracht“, berichtet Martina Koch, Vorsitzende des SDW-Ortsverbandes. Eine Augenweide waren um die Osterzeit auch die mehr als 10.000 leuchtend gelb blühenden Narzissen, die die Naturfreunde im Oktober bei strömendem Regen gepflanzt hatten, um die Besucher willkommen zu heißen.

Martina Koch weiß um die Bedeutung des Wildfreigeheges für die Grevenbroicher: „Kaum eine Aktivität eignet sich so gut zum Abschalten und Auftanken wie ein Spaziergang im Wald“, sagt sie. „Außerdem ist es spannend, die heimische Flora und Fauna einmal in aller Ruhe aus der Nähe zu betrachten.“ Damit Besucher auch stets den Durchblick haben, haben die Ehrenamtler der Schutzgemeinschaft bereits im März hart gearbeitet und die Bäume und Bäumchen von den unteren Ästen befreit. „Wer Lust hat, sich für das Wildfreigehege zu engagieren, ist immer willkommen – hier gibt es genug Arbeit“, lädt Martina Koch ein.

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Unter den rund 240 Grevenbroicher Mitgliedern befinde sich im Übrigen auch eine „sehr tatkräftige Herrengruppe“, die sich jeden Donnerstagmorgen mit Stadtförster Frank Wadenpohl auf dem Forsthof trifft und auf sein Kommando ausschwärmt. „Solches Engagement ist unheimlich wichtig für das Gehege. Wir würden vieles nicht erledigen können, wenn wir es nicht selbst anpacken würden.“

Die Ehrenamtler sprühen nur so vor guten Ideen, die sie nach und nach in die Tat umsetzen wollen. Aktuelles Projekt: „Wir haben Schautafeln in Bearbeitung, die den Besuchern Flora und Fauna auf humorvolle Weise erklären“, so Koch. Außerdem wird eine Sitzecke unter Bäumen mit weiteren Tischen und Bänken bestückt. Sitzgelegenheiten, die nicht mehr in Ordnung sind, werden ausgetauscht.

„Highlight des Wildfreigeheges aber ist der Kinderspielplatz, der bei schönem Wetter rappelvoll ist. Auch dort haben wir Bänke platziert, so dass die Eltern ihren Nachwuchs beim Toben stets im Blick haben.“ Dort gibt es auch ein kleines, immer zugängliches Streichelgehege. „Für Kinder ist das ideal – und die Eltern können sich entspannen“, so Koch. Sie weiß, wie wertvoll das Gehege auch für umliegende Kindertagesstätten und nicht zuletzt für das Albert-Schweitzer-Haus ist: „Einmal im Jahr besuchen die Bewohner das Wildgehege in Begleitung von Betreuern des Hauses. Vor allem die Ziegen im Streichelgehege hatten es ihnen angetan. Es war so schön zu sehen, wie eine demenzkranke Dame eine Ziege auf ihrem Schoß nahm, um sie zu füttern und zu streicheln.“

Auch Sportler finden häufig den Weg ins Wildfreigehege. Sie joggen oder walken vorbei an den Tieren, erfreuen sich an der Natur und der frischen Luft. Und auch Hundebesitzer wissen diese besondere Gassistrecke zu schätzen. „Für viele Grevenbroicher ist das einfach ein Naherholungsgebiet, das sie nicht missen wollen.“ Auch aus Sicht der Stadt, auf deren Grund und Boden sich das Gehege befindet, ist es von großer Bedeutung. „Es ist eine der wenigen ,Non-profit-Anlagen‘, die Grevenbroich noch besitzt – und das in einer perfekten Lage. Es ist auch für Familien mit Kindern, die vielleicht nicht so viel Geld haben, gut erreichbar. Und die Kinder lernen die heimischen Tiere kennen“, erklärt Stadtförster Frank Wadenpohl.

Die Wertschätzung der Grevenbroicher für „ihren“ Wald ist deutlich zu spüren – und zu sehen: „Obwohl das Gelände frei zugänglich ist, haben wir glücklicherweise so gut wie keine Probleme mit Vandalismus. Das wird auch hoffentlich so bleiben“, sagt Martina Koch.