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Duisburgs Polizeipräsidentin zieht Bilanz: Und immer wieder Marxloh

Duisburgs Polizeipräsidentin zieht Bilanz : Und immer wieder Marxloh

Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zurück, in dem es vor allem immer wieder um die Sicherheitslage auf den Straßen im Duisburger Norden ging. Sie schildert die Situation in Duisburg aus Sicht der Polizei.

Vor dem Untersuchungsausschuss (Silvester in Köln) des Landtages stand Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels gerade erst Landtagsabgeordneten Rede und Antwort und schilderte ihnen die Situation in Duisburg aus Sicht der Polizei. Ein ähnliches Thema hatte auch ihr Vortrag bei der Jahrestagung des BKA im Herbst. Immer ging es dabei auch um Marxloh. Kein Stadtteil machte in diesem Jahr so viele Schlagzeilen.

"Die Probleme dort haben uns während des gesamten Jahres beschäftigt", blickt Dr. Bartels zurück. "Aufgrund der Fakten will ich allerdings darauf hinweisen, dass das Thema von Politik und Medien bisweilen sehr aufgebauscht worden ist." Ein Stadtteil, in dem man sich nicht vor die Türe traut, das sei Marxloh sicherlich nicht. "Wir haben die Lage dort im Griff", sagt sie, "unsere Streifenwagenbesatzungen fahren dort in jede Straße und machen ihre Arbeit".

Im endenden Jahr gelang dies der Duisburger Polizei unter anderem dadurch, dass wieder ein zusätzlicher Zug der Einsatzhundertschaft im Duisburger Norden zur Verfügung stand. Die rund 30 Polizisten sorgen nun zusammen mit ihren Kollegen für Sicherheit und Ordnung auf den Straßen in dem Nordstadtteil. "Denn wenn wir nicht so deutlich Präsenz zeigen würden, könnte es passieren, dass sich bestimmte Gruppen stark fühlen", so die Polizeipräsidentin.

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Kurz vor Weihnachten stellte Dr. Bartels in der Wache in Hamborn die neu installierte Videobebachtung am Pollmannkreuz vor. Von 10 Uhr morgens bis eine Stunde nach Mitternacht beobachten Polizeibeamten nun, was an dieser stark frequentierten Stelle in Marxloh passiert. Ende nächsten Jahres wird Bilanz gezogen und dann entschieden, ob die Kameras bleiben oder nicht und möglicherweise auch, ob die Videobeobachtung auf andere Stellen im Stadtgebiet ausgeweitet wird. Hierfür kämen beispielsweise der Bahnhofsvorplatz und der König-Heinrich-Platz infrage.

Die Beamten patrouillieren durch die Straßen, ahnden selbst kleine Verkehrsdelikte, sind für die Anlieger Ansprechpartner in vielen Lebenslagen und passen auf, dass sich das Verbrechen dort nicht ausbreiten kann. Immer wieder halfen sie in den vergangenen zwölf Monaten aber auch dem Ordnungsdienst der Stadt und der DVG. "Das ist allerdings nicht unsere vordringliche Aufgabe", so Bartels. Aber solange es die Personaldecke erlaube, "sind wir dabei, wenn wir von ihnen benötigt werden".

Polizeikräfte in Zivil, die in Straßenbahnen mitfahren, Unterstützung von Ordnungsamtsmitarbeitern, Anwesenheit, wenn Schrottimmobilien kontrolliert oder sogar geräumt werden - alles das passiert nicht nur in Marxloh, sondern auch in Hochfeld und in anderen Problem-Stadtteilen, in denen die Zahl der Migranten sowie der EU-Bürger aus Südosteuropa hoch ist. Die Anwesenheit der Polizei zeigt in vielen Bereichen Wirkung. Viele Jahre war die Raserszene auf der ehemaligen B8 ein großes Problem. "Das haben wir in den Griff bekommen", so Bartels. Ebenfalls ein Thema, das die Duisburger Polizei von Jahresanfang bis -ende beschäftigte, waren die Pegida-Demonstrationen vor dem Hauptbahnhof. Weil sich jedes Mal auch eine (meist größere) Gruppe von Gegendemonstranten aufbaute, musste die Polizei dort stets vor Ort sein, um gewalttätige Auseinandersetzungen bereits im Keim zu ersticken. "Das bindet immer viel Personal", sagt Bartels. Ein Ende dieser Demos, die in keiner Weise im Interesse der Duisburger sind, ist leider nicht in Sicht. Auch für Januar haben die Rechten und Linken sich schon wieder angekündigt.

Zu den spektakulärsten Einsätzen in diesem Jahr gehört ein Unfall in Neumühl. Im Oktober war auf der Fiskusstraße ein Linienbus von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Der Busfahrer starb. Noch ist nicht abschließend geklärt, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Möglicherweise hatte der Busfahrer einen Herzinfarkt am Steuer erlitten. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen laufen in diesem Fall ebenso noch wie in dem der Explosion an Bord eines Schiffs im Hafen mit drei Toten. Verurteilt ist hingegen schon der junge Mann, der im Duisburger Westen seine Lebensgefährtin getötet und im Garten vergraben hatte. Ruhig ist es hingegen an einer anderen "Front" geworden. Nachdem die Polizei in 2015 bei den Rockern "aufgeräumt" hatte, ist dort Ruhe eingekehrt. Auch der Versuch der Rockergang "Osmanen Germania", sich in Rheinhausen festzusetzen, scheiterte in diesem Jahr schon im Anfangsstadium, weil die Polizei sofort zur Stelle war.

Die "Klau Kids" sind anders als in 2015 ebenfalls kein übermäßiges Problem mehr - zumindest nicht in Duisburg. Dafür bekam es die Polizei mit einem anderen Phänomen zu tun. Sieben Mal in 2016 wurden im Stadtgebiet Geldautomaten gesprengt. Den Tätern reichten dafür stets wenige Minuten, um zu verschwinden - häufig mit schnellen Autos in Richtung Niederlande. "Dass Duisburg eine so gute Anbindung an wichtige Autobahnen hat, erweist sich da als nachteilig", so Elke Bartels.

Vorübergehend bundesweit in die Schlagzeilen geriet Duisburg im Zusammenhang mit dem so genannten "Ebay-Baby". Bekanntlich hatte ein Mann versucht, über den Internethandel sein kleines Mädchen zu verkaufen. "Das war ein Fall, den wir so auch noch nie hatten", sagt Bartels und ist stolz auf ihre Mitarbeiter, die schon nach wenigen Stunden den Verkäufer ausfindig gemacht und festgenommen hatten. Vor wenigen Tagen wurden wie berichtet die Ermittlungen gegen den Vater eingestellt. Unter anderem war ihm nicht nachzuweisen, dass er es mit dieser Anzeige ernst gemeint hatte. Er selber hatte behauptet, er habe nur einen Scherz machen wollen.

Wie sich das Polizeijahr 2016 in Zahlen darstellt, das ist noch nicht bekannt. Die Statistiken werden erst in einigen Wochen ausgewertet und veröffentlicht. Und dennoch ist die Polizeipräsidentin zuversichtlich, an einigen Stellen eine positive Entwicklung vermelden zu können.

(RP)