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Duisburg: Kölsche Afrikaner begeistert im Steinhof

Duisburg : Kölsche Afrikaner begeistert im Steinhof

"Lachen gegen Vorurteile" oder "Dave Davis verbreitet Lebensfreude" war das Motto des Abends in Huckingen.

"Ne echt kölsche Jung" stand im Steinhof auf der Bühne. Dave Davis' Eltern stammen zwar aus Uganda, er selbst wurde vor 45 Jahren in Köln geboren. Diktator Idi Amin war damals der Grund, dass seine Eltern - die aus beruflichen Gründen in Europa lebten - nicht in ihr Heimatland zurückkehren konnten: "Wir sind nicht geflüchtet, konnten nur nicht mehr zurück, es war so, als ob man den Haustürschlüssel verloren hat."

Der "Kölsche mit den black Fööss" brachte zu Beginn direkt seine afrikanischen Wurzeln ins Spiel, als er locker plaudernd seine Kabarett-Comedy-Show "Blacko Mio! Glück ist eine Holschuld" startete: "Bei anderen geht alles stur nach Plan, bei mir nicht, ich bin halt Afrikaner." Der preisgekrönte Comedian ist vielen aus der TV-Show "Night-Wash" bekannt, in die Rolle als Toilettenmann Motombo Umbokko schlüpft der Kölner nur noch zur Karnevalszeit. In seinem aktuellen Bühnenprogramm kommt Davis smart daher, lässig und gutgelaunt bindet er sein Publikum ins Programm ein.

Dave Davis hat seine deutschen Landsleute gut beobachtet, deren permanente Skepsis ist nicht sein Ding. "Uns geht es gut", stellt er voller Optimismus fest. Dass die Deutschen diesen Eindruck eher nicht vermitteln, musste er oft schon feststellen: "Biste schon mal montagmorgens mit der Bahn gefahren? Schau dir nur mal die Visagen an!" Davis vermutet dahinter ein grundsätzliches Mentalitätsproblem: "Der Deutsche lebt ja geradezu von der Angst, wenn es ihm gut geht, kann er das kaum ertragen."

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Der gelernte Versicherungskaufmann ("Das war aber nicht mein Ding") plädiert nicht nur für mehr Lebensfreude, er begegnet auch den gängigen Vorurteilen mit Witz und Charme. Dabei erinnert er an das Wahlplakat der AfD, das eine weiße schwangere Frau zeigte und mit dem Text "Neue Deutsche machen wir selber" versehen war. Daraus schließt Davis: "Die Leute haben Angst, dass ich mich reproduziere." Dabei kann er sich sehr gut ein gemeinsames Baby mit einer "Minderpigmentierten" vorstellen. "Cappuccino wäre doch eine schöne Hautfarbe", meint der 45-Jährige, "nur Latte macchiato wäre nicht so gut."

Seine positive Lebenseinstellung lässt er sich auch durch rassistische Anfeindungen von "Rechtsaußen" nicht nehmen: "Das Leben ist schön, egal wie du pigmentiert bist." Und eines macht er dieser Klientel unmissverständlich klar: "Wenn einer braun ist, dann ich." Mit dem Bekenntnis "Meine Vorfahren waren Kannibalen" bediente Davis lächelnd ein Klischee. Allerdings seien die katholisch gewesen und hätten "freitags nur Fischer gegessen". Einmal beim Thema Vorurteile spricht Davis die Zeit an, als seine Familie als Asylbewerber in Deutschland lebte. "Was ich da gemacht habe?" fragte der dunkelhäutige Rheinländer, um die ironische Antwort gleich selbst zu geben: "Gedealt, Handtaschen geklaut, was Asylanten halt so machen."

Einer neuen Partnerschaft wäre der Comedian nicht abgeneigt. Allerdings erscheint ihm die Sache nicht ganz so einfach. Man wisse zu Zeiten von "Fifty Shades of Grey" gar nicht mehr, wie Frauen ticken: "Früher hielt man einer Frau die Tür auf, heute zieht das offensichtlich nur, wenn man gleichzeitig ein Beinchen stellt." Das Liebesleben im Allgemeinen scheint sich seit dem Erscheinen des Sado-Maso- Romans stark verändert zu haben. Davis ist oft verwirrt: "Manchmal weiß man nicht, ist das nur eine Schlägerei oder schon Sex."

Viel Beifall gab's am Ende für ihn. Die 200 Besucher gingen gut gelaunt nach Hause. Und damit hatte er zumindest eines seiner Ziele erreicht.

(pol)