Lehrermangel: Eltern und GEW fordern Ortszuschlag

Duisburg: Eltern und GEW fordern Ortszuschlag

Ungeachtet aller Initiativen fehlen in Duisburg besonders an den Grundschulen Lehrer und Schulleiter. Dadurch "spart" das Land monatlich 500.000 Euro, die nach Willen der Elternschaft und der Gewerkschaft GEW genutzt werden sollen.

Polizisten und Finanzbeamte können sich nur bedingt aussuchen, wo sie arbeiten möchten. Bei Lehren ist das anders: Sie können sich selber auf eine Schule bewerben. Ein Umstand, der dazu führt, dass in Ostwestfalen so gut wie jede Grundschullehrerstelle besetzt ist. Dagegen fehlen in Duisburg fast überall Lehrer, besonders an Grundschulen. Das möchte die Lehrergewerkschaft GEW sowie die Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS) nicht einfach hinnehmen.

Christine Herold, gerade wiedergewählte EDuS-Vorsitzende, und ihr Mitstreiter Holger Fitzner sowie Rüdiger Wüllner vom Duisburger GEW-Vorstand, legten die aktuellen Zahlen vor: Danach sind an Duisburger Grundschulen 124 Lehrerstellen zu besetzen, davon konnten 37 besetzt werden. Das Erstaunliche an dieser Statistik ist, dass sie "das beste Ergebnis der vergangenen Jahre beschreibt", wie Wüllner sagte. Schon jetzt zeichne sich ab, dass in den kommenden drei Jahren noch mehr Lehrerstellen unbesetzt bleiben werden: An den Universitäten des Landes und an den Lehrerseminaren würden einfach nicht mehr Lehramtsanwärter ausgebildet. Nicht besetzte Stellen, die nur auf dem Papier stehen, lassen sich, so Wüllner und die EDuS-Vertreter, in Euro ausrechnen. Allein in Duisburg gibt die öffentliche Hand monatlich rund eine halbe Millionen Euro weniger aus als sie müsste, wenn es die vorgesehene Zahl der Lehrer wirklich gäbe. "Durch die unbesetzten Stellen verpuffen die Lehrer in der Excel-Tabelle", meinte Wüllner ironisch.

Die errechneten 500.000 Euro sollten genutzt werden, meinen GEW und Elternschaft. Ein Vorschlag ist, an den Schulen Verwaltungsassistenten einzusetzen. Diese könnten beispielsweise die Schulleitungen von der zeitaufwendigen Aufgabe befreien, Stundenpläne zu erstellen, Genehmigungen einzuholen, Behördenkontakte zu pflegen und alle Verwaltungsarbeiten zu erledigen, die mit Pädagogik überhaupt nichts zu tun haben. Wüllner: " Ein Lehrer, der heutzutage eine Klassenfahrt organisieren muss, ist damit tagelang beschäftigt." Auch die neuen Datenschutzbestimmungen führen besonders im Grundschulbereich zu Mehrbelastungen für Lehrer. Da für Grundschüler jeweils kleine Gutachten anstelle von Noten geschrieben werden, gelten verschärfte Datenschutzregeln. So darf streng genommen kein Schülergutachten auf einem privaten Laptop erscheinen. Würden Verwaltungsassistenten eingestellt, dann könnte ein Schulleiter oder ein Konrektor wieder mehr Unterrichtsstunden in sein Zeitbudget einbauen. Durch Stellenvakanzen "eingesparte" Gelder sollten auch für Ortszuschläge genutzt werden, heißt ein weiterer gemeinsamer Vorschlag der Duisburger Elternschaft und der GEW-Vertretung in der Stadt. So sollen Lehrer, die an "unbeliebten" Schulen unterrichten, etwas mehr verdienen als beispielsweise Grundschullehrer im beliebten Münster.

Im Übrigen wiederholt die GEW ihren Vorstoß, wonach Lehrer für bestimmte Schulen gewissermaßen - zumindest für eine gewisse Zeit - zwangsverpflichtet werden können. Die Schaffung unbefristeter Stellen für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sind weitere Forderungen der GEW und der Elternschaft.

Positiv wurde vermerkt, dass nun endlich die Gehälter für Konrektoren an Grundschulen angehoben wurden. Doch noch immer sind in Duisburg drei Rektoren- und 21 Konrektorenstellen an Grundschulen unbesetzt.

(pk)
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