Duisburg: Kleinkrieg zur Festival-Eröffnung

Duisburg: Kleinkrieg zur Festival-Eröffnung

Das Kinder- und Jugendtheaterfestival "Kaas und Kappes" hat begonnen. Den grandiosen Anfang machte die Produktion "To have or not to have", auf Deutsch: "Haben oder nicht haben". Es war die Inszenierung eines verbissenen Krieges beseelter Gegenstände in einer sandigen Wüstenwelt.

Rheinhausen Eine stolze, kraftstrotzende, rostige Zange hat sich einen Schatz gekrallt: einen kleinen roten Lederbeutel mitten in einer leeren Wüstenlandschaft. Sie bewacht ihn breitbeinig aufgestellt und mit gebleckten Kiefern. Doch sie hat ihre Rechnung ohne ihren Konkurrenten gemacht, eine angriffslustige alte Maulwurfsfalle. Es kommt zum Krieg der ramponierten Geräte: Sie verschanzen sich hinter Gräben und Burgwällen, schicken ihre Ritter gegeneinander aus und bekämpfen einander mit Täuschung und Tücke, Sand und Wasser.

Splittrige Bretter, altes Werkzeug

Mit dem Objekt-Theaterstück "To have or not to have" hat das Kinder- und Jugendtheaterfestival "Kaas und Kappes" gestern im Komma-Theater einen besonders schönen, sehr gefühlsintensiven und zutiefst sympathischen Anfang genommen. Festivalleiter Helmuth Hensen hatte "Kaas und Kappes" zuvor mit knappen Worten eröffnet. Er sei froh, dass es die Veranstaltung trotz aller Sparbemühungen noch gebe: "Kinder- und Jugendkultur ist wichtig in solchen Zeiten."

Das "Tam Tam Objekttheater" zeigte, wie Kultur für Kinder zugleich einfach und doch tiefschürfend – und künstlerisch wertvoll – sein kann. Ausgediente Gegenstände waren die Akteure und Requisiten des Stücks: splittrige Bretter oder schadhafte Werkzeuge, alles mit verwitterter Patina und getrieben nur von einem Ziel – den Schatz einander abzujagen. Ihre Wüstenwelt war ein Sandkasten unter Dämmerlicht. Die Klangkulisse kam vom Band: Saitenspiel und matte Trommeln, helles Klirren und düsteres Schnarren, mal dramatisch, mal beruhigend, mal unter Spannung.

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Unter den Händen der Darsteller Marije van der Sande und Gérard Schiphorst gewannen die toten Objekte Leben und Seele. Zuckende Bewegungen ließen auf Angst oder Neugier schließen, auf Vorsicht, Verwunderung oder Aggression. Es entwickelten sich anrührende Szenen: Werkzeuge, die sich ratlos über den Beutel beugen und dann eines aus ihrem Kreis auswählen, das das Ding bewachen soll – das kleinste.

Kinder und Erwachsene begeistert

Da war ein Hanfseil-Drache, der sich zärtlich um den Beutel zusammenrollte und ihn sorgsam putzte, eine Schlauch-Schlange, die panisch vor größeren Wesen durch den Sand flüchtete, oder eine rostige Schere, die krächzend einen Holzzangen-Vogel vertrieb und dann erst interessiert das Säckchen beäugte – offenkundig unschlüssig, was das sein sollte, aber auf jeden Fall gewillt, es zu behalten.

Die schnatternde Empörung der Bestohlenen, der feiste Stolz der Sieger: Van der Sande und Schip-horst präsentierten den Kleinkrieg um das bisschen Besitz vor fasziniertem Publikum mit feinsinnigem Humor. Davon waren Kinder ebenso begeistert wie Erwachsene.

(RP)