Duisburg: Hilfe zur Selbsthilfe leisten

Duisburg: Hilfe zur Selbsthilfe leisten

Die Ärztin Dr. Sabine Uhlen und ihr Ehemann Bernd Uhlen sind von ihrem Arbeitseinsatz in Haiti zurück. Dort halfen sie beim Aufbau von Montessori-Schulen, die beim Erdbeben zerstört worden waren.

Auf Initiative der Peter-Hesse-Stiftung, die seit 25 Jahren Montessori-Lehrerinnen in Haiti ausbildet und ihnen Starthilfe für eine eigenständige Existenz gibt, reiste die Duisburger Ärztin Dr. Sabine Uhlen, ihr Ehemann Bernd Uhlen, der Kameramann Wilfried Krüssmann und der Stiftungsgründer selber ins Erdbebengebiet (die RP berichtete). Kurz nach ihrer Rückkehr sprachen Dr. Sabine Uhlen und Bernd Uhlen mit Redakteur Peter Klucken.

Was war der Anlass Ihrer Reise nach Haiti?

Dr. Uhlen Ursprünglich wollten wir nur einen Film drehen, um zu zeigen, was in einem derart chaotischen Land mit einem guten Konzept "DENNOCH", so der Titel des Films, möglich ist. Das Erdbeben stellte uns vor zusätzliche Herausforderungen.

Sie landeten am 19. Februar auf Haiti. Welches Bild bot sich Ihnen dort?

Bernd Uhlen Wir flogen übrigens mit der dritten Linienmaschine, die überhaupt nach dem Erdbeben auf Haiti Landeerlaubnis erhielt.

Sah es auf Haiti so aus, wie im Fernsehen gezeigt?

Bernd Uhlen Es war eigentlich noch schlimmer. Die Menschen lebten auf engstem Raum auf den Straßen. Selbst diejenigen, deren Häuser noch nicht zerstört waren, trauten sich aus Angst vor weiteren Beben nicht ins Haus. Wir erlebten selber drei Nachbeben – bis zur Stärke von 4,5. Bislang sind mehr als 50 Nachbeben registriert worden.

Frau Dr. Uhlen, Sie sind Aufsichtsratsmitglied der Peter-Hesse-Stiftung. Welche konkrete Hilfe haben Sie auf Haiti leisten können?

Dr. Uhlen Wir haben 60 000 Dollar an Spendengelder mitnehmen können, die wir als Überlebenshilfe für unsere Partner eingesetzt haben. Wir haben außerhalb des Erdbebengebiets den Aufbau eines neuen Ausbildungszentrum eingeleitet. Ich habe gespendete Medikamente verteilt. Von der Welthungerhilfe, mit der unsere Stiftung eng zusammenarbeitet, bekamen wir eine großzügige Nahrungsmittellieferung. Und natürlich haben wir mit vielen unserer Partner-Lehrerinnen gesprochen. Einige waren wenige Tage zuvor noch aus den Trümmern ihrer Schulen und Häuser gezogen worden.

Man kann sich vorstellen, dass Menschen, die ein solches Erdbeben erleben mussten, traumatisiert sind. Konnten Sie als Psychiaterin auch in dieser Hinsicht hilfreich sein?

Dr. Uhlen Zusammen mit der Montessori-Fachfrau der Peter Hesse Stiftung, die seit 25 Jahren Seele des Projekts ist, habe ich erkundet, welche traditionellen Stressbewältigungsstrategien sich auf Haiti bewährt haben. Zusammen mit den betroffenen Lehrerinnen planten wir die Integration moderner Trauma-Bewältigungsstrategien in die Montessori-Lehrerausbildung. Ergebnis dieser Besprechung war, dass unsere Fachfrau, die mit der komplexen haitischen Mentalität vertraut ist und kreol spricht, Zusatzkompetenz in Trauma-Bewältigung erwerben wird. Und diese Kompetenz soll in das gesamte Montessori-Ausbildungsprogramm – in lokal angepasster Weise – eingebunden werden.

Sie sind nach Haiti gereist, um einen Film mit dem Titel "DENNOCH" zu drehen. Ist nach Ihren schlimmen Erfahrungen "dennoch" etwas Positives zurück geblieben?

Dr. Uhlen Ja, obwohl die Bedingungen katastrophal waren, konnten wir die Ziele unserer Reise mehr als erreichen. Ermutigend war zu sehen und zu erleben, welcher Überlebenswille, welche Fähigkeit, mit Leiden umzugehen, bei den Haitianern vorhanden ist, die uns halfen, unsere Hilfsangebote fruchtbar werden zu lassen. Gleichzeitig war ich zutiefst gerührt, zu erleben, dass Montessori-Vorschulerziehung auf internationalem Niveau in ärmsten Gegenden, ohne Strom und fließendes Wasser, möglich ist.

Wie geht es weiter, was wünschen Sie sich?

Dr. Uhlen Wünschenswert wären Schulpartnerschaften mit Duisburger Schulen. Dann könnten die Schüler hier lernen, sich in der Welt zu engagieren und lernen, wie Hilfe zur Selbsthilfe gelingen kann.

(RP)