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Kurzkritik: Zwei ausgelassene Klavierschwestern

Kurzkritik : Zwei ausgelassene Klavierschwestern

Über den Auftritt der Labèque-Schwestern ist Folgendes zu berichten: Sie können mit ihren Ultra -High-Heels nicht nur unfallfrei über die Tonhalle-Bühne stöckeln, sondern auch die Pedale der beiden Steinways nach allen Regeln der Kunst bedienen. Da wäre wohl auch Mozart von den Socken gewesen, zumal Katia und Marielle sein Konzert für zwei Klaviere so wunderbar verspielt, so natürlich, lustvoll und mit ausgelassener Fantasie auf die Tasten zauberten. Ja, die schwarzmähnigen Klavierstars machten sich sogar einen Spaß mit der eigenen Perfektion: Der belanglose Triller zum Ende der ersten Kadenz gerät in seiner absolut synchronen Beschleunigung zu einem Paradebeispiel schwesterlicher Harmonie. Als Zugabe mündet ein orgiastischer Satz von Philip Glass in den Jubel des Publikums.

Als zweiter Star des Meisterkonzerts präsentierte sich das Württembergische Kammerorchester unter Ruben Gazarian als gerade in den Streichern famos homogenes und elastisches Ensemble. Schnittkes "Moz-Art à la Haydn" erntete die ersten Lacher. Der halb theatralische Spaß aus den 70ern zitiert wild in der Klassik, auch bei Mozart herum - hübsch und gekonnt inszeniert. Nach der Pause eine süffige, virtuose und überaus exakte "Italienische Serenade" von Hugo Wolf. Schließlich Haydns Sinfonie "mit dem Paukenschlag", den Gazarian mit voller Kraft, aber ganz ohne Ausrufezeichen in den silbrigen Fluss des Andante einbindet. Ein tolles Fagott im Trio und ein quickes Allegro di molto. Große Kunst eines erfahrenen Klangkörpers. Armin Kaumanns

(RP)