Wohnserie: Zuhause auf dem Rhein in Düsseldorf

So wohnt Düsseldorf: Zuhause auf dem Rhein

Stefan und Laura Bottke haben ein altes Tankschiff zum Hausboot ausgebaut. Bei Hochwasser ist ihr Steg zum Ufer überschwemmt.

Stefan und Laura Bottke haben ein altes Tankschiff zum Hausboot ausgebaut. Bei Hochwasser ist ihr Steg zum Ufer überschwemmt. In unserer Serie "So wohnt Düsseldorf" stellen sie ihr Zuhause vor.

Amsterdam hat nah am Wasser gebaut. London auch. In beiden Metropolen prägen tausende Hausboote das Stadtbild, außerdem sind dort in den vergangenen Jahren riesige schwimmende Siedlungen entstanden, teils mit extravagantem Design. Jetzt wollen auch Berlin und Hamburg ihren Flüssen zusätzlichen Wohnraum abtrotzen.

Sie scheinen nicht genug vom Wasser zu bekommen: Nun haben die Bottkes auch noch ein Aquarium. Foto: Hans-Juergen Bauer

Überall gilt: Je teurer der Boden, desto beliebter die Alternativen. Und in Düsseldorf? "Wir sind die letzten, die auf dem Rhein leben", sagt Stefan Bottke trocken - schließt seinen Nachbarn auf einem alten Segelschiff gleich mit ein - und schaut aus dem Fenster: überall Wasser. Er und seine Frau Laura wohnen auf einem Hausboot, das schon als Tankschiff unterwegs war, als Deutschland noch ein Kaiserreich war.

Landratten merken es zuerst im Magen, dieses Vibrieren: muss wohl gerade eine Motorjacht vorbeigebrettert sein. Deren Wellen bringen den 50 Meter langen Kahn in sanfte Schwingung. Der Magen von Stefan Bottke merkt nichts. Fast 30 Jahre lebt er mit seiner Familie auf dem Hausboot. Dass dieses schwimmende Zuhause ständig in Bewegung ist, dass es knarrt und ächzt, nehmen sie längst nicht mehr wahr. "Das Material arbeitet eben", meint er. Als sei sein Schiff ein lebendiger Körper.

Idylle pur: Das 120 Jahre alte Hausboot liegt gut gesichert unterhalb des Volmerswerther Deichs in Düsseldorf. Foto: Hans-Juergen Bauer

Er war schon immer mit allen Wassern gewaschen, verbrachte als Junge viel Zeit am Fluss und auf dem Fluss. Seine Eltern hatten schon früh ein Boot, und der zweite Mann seiner Mutter besaß den alten Kahn, der 1893 als stolzes Tankschiff von Esso die Werft verließ. Vor knapp 30 Jahren hat Bottke dann das Schiff vom Stiefvater gekauft, "für 100.000 Mark, das war damals viel Geld." Viel Arbeit handelte er sich gleich mit dazu ein, er hat den Kahn gründlich renoviert und umgebaut, zuletzt eine Sauna mit Whirlpool eingerichtet.

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"Früher gab es hier einen langen Flur, davon gingen 18 winzige Räume ab." Genau dort ist heute das Wohnzimmer von Laura und Stefan Bottke, soeben wieder neu gestaltet mit gusseisernem Kaminofen und einer Steinfliesenwand dahinter, mit neuem Fußboden und neuer Decke. Durch die es prompt geregnet hat, "ist mit der Alten nie passiert." Und vor ein paar Tagen haben sie sich einen gemeinsamen Wunsch erfüllt: Ein großes Aquarium steht nun mitten im Raum. Als könnten sie gar nicht genug vom Wasser kriegen.

Alles Marke Eigenbau: Soeben wurde die neue Sauna fertig - sie hat sogar einen eigenen Whirlpool. Foto: Hans-Juergen Bauer

Einig waren sie sich in ihren Anfangsjahren auch mit der Idee, das Hausboot als Restaurant-Schiff zu nutzen mit Tischen auf dem windgeschützten Mitteldeck und auf der Achtern-Terrasse (für Landratten: hinten). 25 Jahre bewirteten sie Gäste, dann war's genug. Heute genießen sie die Terrassen selbst, die hintere liegt nur ein paar Zentimeter über dem Wasserspiegel, mühelos können die Füße im Wasser baumeln - im Sommer, wenn der Strom nicht mehr eiskalt ist. Wird die Terrasse bei Hochwasser überflutet?

Die Bottkes wechseln ganz kurz einen Blick, denn so können nur Ahnungslose fragen: "Das Schiff steigt mit den Fluten." Das passiert regelmäßig, und wenn das Hochwasser heftig ist wie in diesem Winter, dann wird der Kahn per Stahlwinde näher ans Ufer gezogen, und sie müssen mit dem Motorboot rüber. "Lästig, aber nicht zu ändern." Denn der Steg, der Schiff und Land verbindet und für den die Bottkes 3000 Euro Pacht im Jahr an die Stadt zahlen, der ist dann überschwemmt.

Diese Verbindung unterhalb des Volmerswerther Deichs lockt auch immer wieder Neugierige an, die sich auch so ein Leben auf dem Wasser vorstellen könnten. Die wollen dann wissen, wo man einen solchen Kahn kaufen kann ("gar nicht"), wohin denn das Abwasser fließt ("in einen Tank, der regelmäßig geleert wird"), wie das Schiff gesichert ist ("mit Stahlseilen und acht Ankern"). Und die von Bottke nebenbei erfahren, dass es von der Stadt ohnehin keine Genehmigungen mehr für Hausboote gibt.

Das Leben auf dem Wasser ist für sie auch nach Jahrzehnten "etwas absolut Besonderes". Irgendwie als wäre man in Dauerferien - wäre da nicht die viele Arbeit. Als Nächstes wollen sie das Schiff weiß-rot anstreichen ergänzt durch eine knallrote Düsseldorf-Silhouette. Der Gedanke, im Alter an Land zu leben, den schiebt das Paar (er ist 50, sie 49) ganz weit von sich. "Es müsste Altenwohnungen direkt am Wasser geben", meint Laura Bottke. So wie in Amsterdam.

(RP)