Düsseldorf: Tunnelbohrer zieht Passanten an

Düsseldorf: Tunnelbohrer zieht Passanten an

"Das ist schon merkwürdig, wie die das schaffen", sagt Gisela Harmel fast ehrfürchtig: "Das ist ein Wunder." Die 76-Jährige ist aus Eller gekommen, um an diesem Dienstagvormittag einen Blick in die Baugrube in Bilk zu werfen, wenige Meter vom Bahnhof entfernt.

Hier ist einen Tag zuvor die Tunnelbohrmaschine "Turborine" getauft worden. Bis Oktober soll sie sich Richtung Benrather Straße durch die Erde fressen. Auch, wenn sich der Koloss erst am 3. März in Bewegung setzen soll: Am Tag vorher stehen schon viele Menschen am Bauzaun. Einige haben Fotoapparate dabei, unterhalten sich locker über die Arbeiten, die sie hier zum Teil seit dem Aushub beobachten.

"Es interessiert einen ja", sagt Gisela Harmel lebhaft: "Ich hoffe, dass ich das noch erlebe. Wenn die Linie fertig ist, bin ich die erste, die mitfährt." Die meisten, die an diesem Vormittag an der Baugrube stehen und staunend auf die stählerne Röhre am Kopf des Tunnelbohrers hinabblicken, sehen die U-Bahn positiv, so wie Edgar Malter. Der 57-Jährige ist Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH Familienhilfe (WFD) Düsseldorf, die auch in Bilk zahlreiche Wohnungen vermietet. Er blickt mit professionellem Interesse auf die Entwicklung. "Wir beobachten das genau. Wir sind ja direkt dran."

Unterm Strich ist Malter mit der Linie sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit der Wehrhahnlinie sei sehr gut. Als sich beispielsweise Mieter beklagt hätten, weil Bauscheinwerfer nachts in ihre Fenster leuchteten, hätten die Bauherren reagiert und die Scheinwerfer neu ausgerichtet oder spezielle Regelungen getroffen, wann sie eingeschaltet sein dürfen. Insgesamt gebe es recht wenige Beschwerden von Mietern. Lästig seien die Absperrungen wegen der Baustelle. Auch für Malter, der jetzt Umwege fahren muss, wenn er sein Büro in der Gegend erreichen oder verlassen will. Aber: "Es handelt sich um eine Aufwertung des Gebietes, da nimmt man Einschränkungen in Kauf."

Kaum jemand unter den Passanten, der nicht auf die Schlamperei beim Kölner U-Bahn-Bau zu sprechen käme. Manfred Schreder etwa würde seine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass in Düsseldorf alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Schließlich sei die Baufirma die gleiche wie in Köln. Dennoch macht er sich keine Sorgen um die Sicherheit. Außerdem findet er die Wehrhahnlinie gut: "In einer Großstadt wie Düsseldorf braucht man eine Straßenbahn."

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Das finden auch Roland und Tatjana Ferber aus Unterbilk, die an diesem Tag mit ihrem zweijährigen Sohn Alexander die Arbeiten verfolgen. "Ich komme täglich hier vorbei", sagt Roland Ferber. "Ich habe schon vor rund zehn Jahren die Proteste gegen die Linie verfolgt. Ich fand das Vorhaben immer eine gute Idee." Dadurch würden die Straßen entlastet, der Verkehr lasse nach. Seine Frau Tatjana ergänzt: "Wir werden die Linie nutzen." Sohn Alex interessiert sich im Moment vor allem für die Bagger und die große Bohrmaschine. Ob er in vier Jahren davon träumen wird, eine der U-Bahnen zu fahren?

Jedenfalls sind die gigantischen Maschinen ein Publikumsmagnet für Jung und Alt. So etwas sieht man schließlich nicht alle Tage. Wolfgang Leller (78) aus Kaarst ist mit Auto und Fahrrad gekommen. Zu Hause hat er die Pläne zum Bau der Wehrhahnlinie, die es am Info-Container neben dem Kaufhof gibt.

Manfred Schnitzler und seine Frau interessieren sich als Bilker für die Technik, die vor ihrer Haustür entsteht. "Wir haben uns auch angesehen, wie die Rheinquerung für die A44 gebaut worden ist." Der 76-Jährige erinnert sich noch genau an den Tag, an dem das Ehepaar die Fertigstellung des letzten Teilstücks erlebte: Es war der 11. September 2001.

Wolfgang Leller war schon gestern hier, und den weiteren Bau will er sich auch nicht entgehen lassen. Zwar hat er Zweifel, dass er die Fahrt der ersten Bahn im Jahr 2014 noch erleben wird, aber: "Wenn es morgen weitergeht, bin ich wieder hier."