Nach Einsturz: Kölner Archiv lagert in Düsseldorf

Nach Einsturz: Kölner Archiv lagert in Düsseldorf

Vor einem Jahr stürzte das Haus des Kölner Stadtarchivs ein. Ein Teil des Bestandes – ein Regalkilometer Akten und 60.000 Dokumente – liegen im Düsseldorfer Stadtarchiv. Dort wird das Bergungsgut erfasst und die Schäden begutachtet. Bis Juli müssen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Björn Raffelsieper hebt vorsichtig eine große Mappe auf den Tisch. Der Inhalt: Planungsunterlagen eines Wasserbeckens im Kölner Dom. Gemeinsam mit Archivarin Iris Kausemann werden die Schäden begutachtet und in einer Datenbank erfasst. Die Mitarbeiter des Historischen Archivs Köln machen diese Arbeit im Haus ihrer Kollegen in der Landeshauptstadt – das Düsseldorfer Stadtarchiv ist eines von 19 Asyl-Archiven, in denen Dokumente aus Köln zwischengelagert und katalogisiert werden.

Morgen jährt sich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Clemens von Looz-Corswarem, Leiter des Düsseldorfer Stadtarchivs, kann sich noch gut an die Ereignisse im vergangenen Jahr erinnern: "Das war eine Katastrophe", schildert der Archivar. Von Looz-Corswarem half im Kölner Auffangzentrum mit, in dem die geretteten Dokumente erstmals notdürftig gesichtet wurden. "Dieses Bild der Zerstörung kann ich nicht vergessen", sagt er rückblickend.

Das Angebot, Archivgut in Düsseldorf zwischenzulagern, stand schon am Tag nach dem Einsturz – Ende März 2009 wurden die Akten geliefert, in Düsseldorf belegen sie heute einen Regalkilometer. Durch den geplanten Umzug des Düsseldorfer Stadtarchivs wurden außerdem Räumlichkeiten frei – in denen lagern nun 59 Paletten mit Akten, Plänen und Zeitungen – insgesamt etwa 60 000 Dokumente.

"Was wir im Moment machen, ist reine Fleißarbeit", beschreibt Archivarin Karoline Meyntz die Anstrengungen der zwölf Kölner Mitarbeiter, die in Düsseldorf Dienst tun. Denn bevor mit der Restaurierung der Dokumente begonnen werden könne, müsse zunächst jedes einzelne geborgene Stück gesichtet und katalogisiert werden.

Eine extra entwickelte Software hilft bei dieser Bergungserfassung. Mit ihr lässt sich das Archivgut klassifizieren, außerdem wird die Schwere der Schäden festgehalten. Der von Björn Raffelsieper und Iris Kausemann begutachtete Plan des kirchlichen Wasserbeckens hat nur wenige Blessuren davongetragen: Einzelne Knicke sind zu verzeichnen, mehr nicht. Im Nebenraum dagegen sind einige Dokumente nur noch in Einzelteilen vorhanden, Wasserschäden und Risse prägen das Bild. "Am besten erhalten sind die großformatigen Pläne", berichtet Archivarin Meyntz. Denn die waren im Historischen Archiv Köln in großen Stahlschränken untergebracht. "Zwar ist das ganze Haus darauf gestürzt, aber die Schränke haben gehalten", berichtet Meyntz. Anders sehen die Zeitungsbestände aus – der Restaurierungsbedarf ist groß.

  • Fotos : Das Historische Stadtarchiv in Köln ist eingestürzt
  • Fotos : Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009

"Hoffentlich werden wir es bis zu meiner Rente schaffen, das Großprojekt zu stemmen", sagt Nadine Thiel. Die 28-Jährige leitet den Bereich Restaurierung des Historischen Archivs Köln. "Wir brauchen 200 Restaurateure, um die anfallenden Arbeiten in 30 Jahren schaffen zu können", sagt Thiel. Alleine die Lohnkosten für diese Mitarbeiter liegen bei über 350 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr ist Thiels Abteilung von drei auf neun Restaurateure aufgestockt worden. Das kann nur der Anfang sein: "Würde ich die Arbeit alleine übernehmen, bräuchte ich 6300 Jahre", hat die Chefrestaurateurin ausgerechnet.

Das Kölner Historische Archiv umfasst 65 000 Urkunden, 780 Nachlässe, 104 000 historische Karten und Pläne, 50 000 Plakate, 500 000 Fotos und 26 Regalkilometer Akten. 85 Prozent davon wurden geborgen, 10 Prozent liegen noch in der Einsturzstelle. "Und fünf Prozent der Dokumente sind unwiederbringlich verloren", sagt Archivarin Meyntz. In Düsseldorf haben sie und ihre Kollegen rund die Hälfte der Dokumente gesichtet.

Der Druck wächst, denn bis zum 1. Juli müssen die Arbeiten abgeschlossen sein: Dann wird der Umzug des Düsseldorfer Stadtarchivs in die ehemalige Paketpost an der Worringer Straße abgeschlossen sein – und dort ist kein Platz für die Archivare aus Köln. Karoline Meyntz blickt aber positiv auf den Stichtag: Alleine in der vergangenen Woche wurden 2000 Dokumente erfasst.

(RP)